Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1847)
- Date
- 1847-10-24
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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344 ertheilen. Aus diesen Bemerkungen erhellet schon, daß die Regierung für die Hebung des jüdischen Schulwesens besorgt war und in der That, es ist ihr Vieles gelungen. Die jüdischen Schulen des Fürstenthums können sich kühn mit den aller andern Ländern messen. Die Kinder lernen nicht nur deutsch- und hebräisch Lesen, deutsch- und hebräisch, (jüdisch-deutsch) schreiben, rechnen und melodisch u. rythmisch singen, sie liefern auch einen orthographisch richtigen und stilistisch befriedigenden, oft recht guten Aussatz über Gegenstände aus dem Kinderkreise, kennen genau und gründlich die Gesetze der deutschen Sprache, die Elemente der Geographie, Geschichte, Naturlehre, Naturgeschichte, auch das Wichtigste aus der jüdischen Geschichte haben sie jnne und sind beim Austritte aus der Schule im Stande, den Pentateuch und die Gebete vollständig deutsch zu übersetzen. Fragen Sie nun, welche Umstände solche günstige Resultate bewirkten, so antworte ich: 1) Daß den Gemeindemitgliedern jeder Einfluß auf das Schulwesen genommen; 2) daß die Rabbinen Schul- und daher auch Lehrerfreunde find und den Lehrern weder in Bezug aus Methode, noch auf Lehrgang re. hemmende Fesseln anlegen, sondern nur gearbeitet Haben wollen, auf das Ergebniß sehen, nicht nur den Inquisitor und Polizeidiener spielen, vielmehr gerne Helfen, wo geholfen werden kann, und durchaus nicht fürchten, daß durch vermehrten Einfluß, durch ein gehobenes Ansehen der Lehrer, die Schale des Ansehens und der Achtung der Rabbiner sinkt, welche Meinung so viele unserer Rabbiner, namentlich vom orthodoxen Genre haben. Fälle also, wo z. B. Rabbiner einzelnen Gemeindegliedern Verweise geben, weil sie den "NM bei den Lehrern und nicht bei ihnen lernen und jenen und nicht sie die Eheverträge schreiben ließen, Fälle wo man den Lehrer im harten W'nter 1 Stunde auf dem Hausplatze, lwie früher die Päbste mit den Büßern verfuhren) stehen ließen, bevor sie gnädigst eingelassen wurden, fanden und finden hier durchaus nicht statt. Dafür wirkten hier aber auch jederzeit Männer, die etwas verstanden, keine Vcrstandcsblößen durch Gravität und vornehme Amtsmienen zu verhüllen brauchten und sich eines jeden Aufschwunges der Lehrer und ihrer Schulen von Herzen freuten. Ein weiterer Grund ist, 3) die wenn auch nicht glänzende, doch hinreichende Besoldung und die Begeisterung der Lehrer für ihren Beruf, dem sie gern ihr Dichten und Trachten, ihr Sorgen und Leben weihn. — In den Sommermonaten vom Pcsachfeste bis zum Neujahrseste halten sie, (nur in H. besorgt es der Rabbiner», am Sabbathe vor dem Beginne des Abendgottesdienstes für die erwachsene Jugend einen Religivnsvortrag, welcher abwechselnd in Ertheilung eines Religionsunterrichtes überhaupt in Verbindung mit Katechisation und in Erläuterung der Sprüche der Väter oder auch sonst lehrreicher Stellen aus der heiligen Schrift, besonders aus dem Wochenabschnitte besteht. Diese Vorträge, welche immer mit einem deutschen Liede, gesungen von der Schuljugend, eröffnet und geschloffen werden, und welchen alle Mädchen und Jünglinge von 13—18 Jahren beizuwohnen haben, wird auch von älteren Personen, Männern uns Frauen besucht, und wirken sehr wohlthätig. Wir möchten nur wünschen, daß für die entlassene Schuljugend Sonntagsschulen für die Wiederholung und Erweiterung der andern Schulvisciplinen statt fänden, da sonst so vieles nach der Schulentlassung wieder vergessen wird.*) Auch außerdem lassen sichs die Lehrer heilige Sorgfalt sein, die Gemeinde - Angehörigen in religiöser Beziehung auf den Grund einer erleuchteten Auffassung der Bibellehren zu heben und kaon Schreiber dies nicht umhin, hierbei des Lehrers Hr. Frankenau zu Oberstem zu erwähnen, dem es angelegentlichste Sorge ist, seine Gemeinde immer weiter zu führen auf der Bahn der religiösen Vervollkommnung, wozu er selbst mit mustergebendem Beispiele vorangeht. Oberstem ist im Fürstenthume auch am Meisten den Reformen zugeneigt und darf man wohl hoffen, daß sich mehres nicht nur bald verwirklichen werde, sondern daß auch (da sich hier viel Reichthnm findet) für Einrichtungen rc. gerne percuniäre Opfer gebracht werden oder mit andern Worten, daß mehr das Q’OmP mö; als das pH niD herrschend werde. — Schlüßlich bemerke ich noch, daß nach dem Gesetze vom 26. Juli 1831 in der Folge nur Inländer als'Lehrer angestellt werden sollen und daß die hiesigen jüdischen Schulamts- Avspiranten in das Naffauische Seminar zu Idstein zur Ausbildung geschickt werden. Es findet sich dort bereits ein Jüngling aus Hoppstätten, der auf Kosten des Staates für's Schulfach vorbereitet wirv. Jlt. *) Man sehe: Hecht über Sabbath- und Feiertagsschulen, Fulda, Müller'sche Buchhandlung, welches Schriftchen imOricntc der pädagogischen Literaturzeitung von Loos und dem Schulblatte von Geißler günstig beurtheilt wurde. Literarische Anzeige. In Baumgärtners Buchhandlung zu Leipzig ist so eben erschienen und durch alle Bnchhanvlungm zu beziehen: Die Entwickelung der religiösen Idee im Iu-enthume, Christenthnme und Islam. In zwölf Vorlesungnn über Geschichte und Inhalt des Judenthums dargesiellt von Ludwig Philippson. gr. 8. brock». 189 Seiten. Preis 24 Ngr. Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlnug m Frankfurt a. M. — Druck von Ar red. Krähe in Qffendacv.