Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1847)
- Date
- 1847-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit ves neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kennlnift und Reform des israelitischen Lebens. Redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimar'schem Land-Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 3 . Anzeigen für die gespaltene Zeile 6 a/i Nr. 30. Sonntag den 25. Juli 1847. Till. Jahrgang. Ueb er blick ' Haupt-Artikel: Offener Brief von vr. S. Hirsch. — Geschichte des Tages: Frankfurt a. M.: Die Romantik. Hamburg: Jüdische Zustände. — Aus Bayern: Hoffnungen. — Aus dem Herzogthum Nassau: Unterstützung der Syna. goge. (Schluß.) — Literar. Anzeigen. Offener Brief von nr. S. Hirsch. Sie entschuldigen, hochgeehrter Herr Redakteur, wenn ich mich heute direkt an Sie wende. Ten Gegenstand dikses Briefes sollen zwei Punkte bilden, nämlich: vr. Einhorns „Materialien für den Eommissionsbericht über die Speisegesetze" in Nr. 6 und 7 des Israeliten dieses Jahrgangs und dann vr. Höldheims Bemerkungen über mein Votum in der Sabbathfrage in Nr. 2 desselben Blattes. Beides ist mir erst dieser Tage geworden*) und daher werden Sie mir es nicht übel deuten, wenn ich erst so spät meine Gedanken darüber Ihnen znkommen lasse. Nachdem Hr. vr. Einhorn, den für mich wenigstens hier einzig und allein entscheidenden Gesichtspunkt, nämlick: daß das biblische Ceremonialgesetz für eine ganz andere Zeit, für eine ganz andere Bildungsstufe als *) Um so mehr müssen wir den durch Zufall verspäteten Abdruck des nachfolgenden Briefes beklagen. Die Redaktion. die heutige, gegeben sei, für einen praktisch unfruchtbaren erklärt*), will er einen ganz neuen Gesichts- *) Beiläufig: Ich kann mich von der praktischen Unfruchtbarkeit dieser Ansscht noch weniger als von allem Andern überzeugen. Er wecket nur das Bewußtsein darüber, daß Gottes Gebote niemals als unverstandene, dem Gemüthe fremden, äußerlichen Satzungen geübt sein wollten, sondern, daß sie zur Zeit, wo fie gegeben, und den Menschen, welchen sie zunächst gegeben worden, höchst belebende, inhaltsvolle und anregende waren und das religiöse Leben wird im Aufgeben dieser, für uns nun einmal tobten Satzungen nicht nur keinen Verlust, sondern Gewinn sehen. Das religiöse Leben sage ich; denn diesem ist die Uebung todter, unverstandener Satzungen, aus dem bloßen Grunde, weil sie angeblich von Gott vorgeschricben, schädlich und ertöbtend, weil da die Religion zur äußerlichen Gewohnheitssache werden muß. Meint man aber, diese Ansicht sei deshalb praktisch unfruchtbar, weil vielleicht die Majorität der heutigen Judenheit sich noch nicht zu dieser richtigen Ansicht erheben kann, so sehe ich nicht ein, wie ohne dieses Bewußtsein geweckt zu haben, eine wirkliche Reform auch nur möglich sein soll. Soll die Majorität auf dem Standpunkt belassen werden, daß ihr die biblischen Gebote, nicht weil sie in sich wahr und fruchtbringend sind