Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1847)
- Date
- 1847-07-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SIS gottesdienstliche Verehrung, wie sie später sich entwickelt hat rechtmäßig absorbirt worden, und mitbin jene frühere Stufe als überwunden anzuseben sei. Hiervon aber nehmen Sie Veranlassung, ausführlich über mich zu schelten, daß ich gleichwohl neben unserer gottesdienstlichen Verehrung auch noch die Sabbathruhe als einen beizubehaltenden Faktor in der Sabbathidee ansehe, ich hätte den einen Fuß auf die überwindendeStufe gestellt, und wollte doch noch mit dem andern auf der überwundenen Stufe verharren u. s. w. Ich gebe Ihnen aber jene Ihre eigenen Worte zurück, die einen platonischen Dialog zieren würden: ich glaube, nur ich, bei meiner Ansicht von dem pentateuchischen Sabbath habe eine Art Privilegium dazu, Ihnen, bei Ihrer Ansicht von demselben, würde ich selbst diese Berechtigung streitig machen. Ich habe S. 104 dem mosaischen Sabbath nicht bloß ein religiöses Element, sondern auch ein sociales (oder wie man dies sonst nennen will) vindicirt, ich sagte, die Sabbathruhe sei Selbstzweck, man solle nach der Arbeit sich wieder erholen, seines Lebens froh werden, neue Kräfte sammeln, nicht ewig wie ein Sklave an die Scholle gefesselt sein u. s. w.; und nicht bloß auch ein solches sociales Element, sondern dieses zuerst und zunächst habe ich dem mosaischen Sabbath vindicirt, und fuhr dann fort: aber er hat auch ein religiöses Element u. s.w. Nun, mein hochgeehrter Freund, wurde etwa auch jenes sociale Element von dem spätern Sabbathgottesdienste absorbirt und überwunden? und war dies nicht der Fall, muß ich dann nicht, wenn ich beiden Faktoren des mosaischen Sabbaths genügen will, die Sabbathruhe noch neben dem später entwickelten Sabbathgottesdienste beibehalten? Wäre der mosaische Sabbatb nur geboten worden, um eine religiöse Idee zu symbolisiren, wie Sie das annehmen, dann würde ich selbst die Verbindlichkeit der Sabbathruhe als überwunden und antiquirt ansehen. Ferner, meinen Ausdruck S. 106, ich möchte nicht (durch Verlegung des Sabbaths) das Judenthum auf die Spitze einer Nadel stellen — haben Sie viel zu buchstäblich genommen, gerade wie die Asmachta nna 'M, und aus ihm Konsequenzen gezogen, die mich erschüttert haben, und die ich feierlich abweise. Auch ich glaube wie Sie, daß das Judenthum die Verlegung des Sabbaths überleben würde; auch ich glaube wie Sie, daß die Feier desselben am Sonnabende nur ceremonieller Natur ist, ich habe das in jener Versammlung so stark ausgedrückt, daß sich darüber ein großes Geschrei erhob. Aber mich verlangt nicht, für das Judenthum zu wirken, das bedarf meiner Hülfe nicht, sondern für die Judenheit und zunächst für die vaterländische. Sie sagen: Fiat Justitia et pereat mundus, und ich bewundere Sie wegen dieser Geistesstärke, aber ich besitze sie nicht. Tie reine Idee zu erfassen vermag ich wohl gleich Ihnen, und werden wohl viele unserer Amtsbrüder vermögen, daher ich es nicht billige, daß Sie so oft mit Waffen der reinen Idee gegen uns fechten und uns, die wir in der Theorie mit Ihnen einig sind, ad absuvdum führen, ein wohlfeiles Spiel! unsere Wege gehen sehr oft nur in praxi auseinander, was wollen Sie da mit der unerbittlichen Idee? Wie einmal das deutsche Judenthum beschaffen ist, Alles in Allem erwogen, würden durch eine von den Rabbinen ausgesprochene Verlegung des Sabbaths auf den Sonntag zahllose Juden, wenn auch indirekt, dem Christenthum zugeführt werden, und die ohnehin so große Zerrissenheit auf unserem religiösen Gebiete für lange Zeiten noch zehnmal größer werden — das sollte mein Ausdruck besagen, und hierin kann ich zwar mich irren, Sie aber können nicht beweisen, daß ich hierin mich irre. Darum sagte ich, meine Hand solle nicht dabei sein; ich vermag nicht, für mögliche Juden die wirklichen hinzugeben! auch ich kann mir wie Sie ein Judenthum ohne Sabbathfeier denken, freilich nur ein verkümmertes, aber weil ich mir ein solches denken kann, halte ich diejenigen Juden, welche den Sabbath jetzt nicht feiern, noch für Juden, die ich nicht durch Erperimentiren in Versuchung führen darf; und für eine Lösung der Sabbathfrage, inwieweit sie durch mir mögliche Mittel nicht erzielt werden kann, lasse ich Den sorgen, der uns Juden in diesen Conslict gestellt hat. Durch die gegebene Interpretation meines Ausdruckes ist natürlich auch Ihr Einwurf beseitigt, daß mir zufolge der Sabbath nicht dürfe dem Staatsdienst geopfert werden. Sabbath und Judenthum sind mir nicht identisch, die ertheilte Erlaubniß, im Dienste des Staates am Sabbath zu arbeiten, wird weder Andere noch den Betheiligten dem Christenrhum zuführen, und nicht einmal den Sabbath beeinträchtigen: Bestünde der jüdische Staat noch, so würde es innerhalb desselben viele Einrichtungen geben, welche das Arbeiten Einzelner