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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-06-27 · Heft 26 (27.6.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 26 (27.6.1847)
Date
1847-06-27
Page
– (sequence 8)
Language
German
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S«8 abend, dem 10. April, dem Tage vor der kirchlichen Einweihung und Eröffnung unseres ersten vereinigten Landtages, als Herr Dr. Holdheim hier war. Auch er vollzog damals eine Einweihungsfeier und wahrlich eine nicht minder wichtige und bedeutungsvolle, die der Zugend zum Religionsunterricht, und eröffnete ein nicht minder tief ins Leben eingreifendes Institut, die Religionsschule der Rcformgcnosscnschaft. Seine der Bedeutung des Tages an. gemessene gediegene Predigt lehnte sich an 2. Mosis, Cap. 10, 8—9. Als die Juden aus der ägyptischen Knechtschaft und Verfinsterung dem Lichte der Freiheit und wahren GotterkenntniZ entgegenziehen wollten, da fragte Pharao, '21 '2 „welche sind es, die zum Gottesdienst gehören, mit denen ihr die väterliche Religion fortbilden, den Dienst des einzigen Gottes fortpflanzen wollt. Die Antwort kommt, fuhr der Redner fort, kommt aus Mosis eigenem Munde und lautet zuerst mit unserer Jugend. Nicht umsonst wird diese allen andern voran gestellt. Vor allen andern sollen wir unsere Jugend dem Gottesdienst, der väterlichen Religion weihen. Wahrlich, Mose, dem die Verheißung geworden: wenn Du das Volk aus Mizrajim geführt haben wirst, werdet ihr Gott dienen an diesem Berge, Mose wußte cs wohl, daß mit der Jugend der Anfang gemacht, daß das Werk der Erlösung mit ihr begonnen werden müsse, wenn es tiefe Wurzeln in des Volkes Herz greifen und zum gedeihlichen W^chsthum erblühen soll. Was hätte Mose mit der Erlösung geniitzt,- wenn er nicht sein erstes Augenmerk auf die Jugend gerichtet/-wenn er nicht diese zu einem gottesdienstlichen Geschlecht hcrangebildet batte? Vergebens wären alle seine Wunder und unnütz alle seine Mühe und Sorgfalt gewesen, wenn nicht aus dem alten Stamm gewonnen und gepflegt worden wäre, der die verheißene Frucht zur Reife krachte. Von den 600,000 Männern, die aus Mizrajim gingen, sahen nur zwei das gelobte Land. Alle übrigen sind in der Wüste umgekommen. Daher sprach Moses in Aegypten: “p2 ‘inpn mit unserer Jugend wollen wir dem Ewigen entgcgcngchen und wie Mose hielt es ein jeder, dem ein heiliges Lehramt in Israel anvcrtraut worden, für seine erste Pflicht, in dem aufwachsendcn Gcschlechte eine Stätte der Fortpflanzung und Fortbildung des heiligsten Gutes, der Religion, zu gründen." In derselben begeisternden Weise setzte er dann auseinander, daß wir auch das 22pD1 ja nicht vergessen dürfen. „Die Jugend soll zwar vorangehen, aber das Alter nicht zurückstehen"; die weise Besonnenheit des Greises mit der lebendigen Frische der Jugend müssen Zusammenwirken um gemeinschaftlich die köstlichsten Lebensgüter der Religion zu pflegen. Die Jugend müsse in dem Greise ihr Vorbild sehen können und der Greis in der Jugend sein Ebenbild, wenn nicht wiederum eine Kluft zwischen Vater und Sohn entstehen, die dem Jndifferentismus so bedeutenden Vorschub geleistet und zu so vielen Kämpfen und Wirren Veranlassung gegeben habe. Wir müssen mit allem Ernst und Eifer dahin zu streben suchen, daß unsere Jugend wieder ausrufen könne: mspty UTViJpT '“itt'N by und das Alter: wnup» nx Ntsra Ntw wnrfrntPN Endlich aber wurde auf die Frage '21 '2 noch geantwortet UTI2321 mit unfern Töchtern. Nach einer eben so wahren als schönen Schilderung des weiblichen Wesens und Gcmüthes, wies der Redner nach, wie die religiöse Ausbildung der Frauen unsere ganz besondere Beachtung verdiene und wie sich deren Vernachlässigung desto schärfer räche, je größere Innigkeit und Empfänglichkeit für Religiosität den Frauen innewohnt, und je größer ihr Einfluß im Hause, wie in der Familie. Nachdem hierauf Herr Simion im Namen der Bevollmächtigten noch einige paffende Worte an die Lehrer der Anstalt, HH. Dr. Stern und Rebenstein gesprochen und die Kinder zu eifrigem Fleiße und Gehorsam ermahnt hatte, schloß Hr. Dr. Holdheim die ganze Feier mit einem erhebenden Gebete. Selten hat wohl ein so einfacher von jedem Schein und Prunk so durchaus ferner Akt einen so erschütternden und nachhaltigen Eindruck hervorgebracht. Wie sie da saß, die liebe Jugend, wie sie horchte und lauschte die hoffnungsreiche Gemeinde der Zukunft auf der Stirn die Krone der Unschuld, das Auge leuchtend vom Glanze innigster Andacht und Frömmigkeit. Welche Ahnungen und Gefühle wohl durch die jungen Sxelen gezogen sein mögen, welche Entschlüsse für spätere Tage, noch unbewußt im tie/en Schachte tzes kindlichen Gemüthes verargen schlummernd, mögen da zuerst zu hellerem Scheine das Auge aufgeschlagen haben? Ob wohl ein Lichtstrahl von dem höchsten Gut des Lebens, von der wahren Bestimmung des Menschen und Israeliten ihre reinen Seelen durchleuchtet? Wir Wissens nicht; aber das wissen wir gewiß, die Erwachsenen waren allesammt von der großen unberechenbaren Bedeutung jener Stunde mächtig ergriffen, sie waren, wie vielleicht noch nie zuvor, ganz von dem hohen Gedanken durchdrungen, daß wir in der Jugend allein das gcheiligte Unterpfand künftiger schönerer Tage besitzen, Tage der allgemeinsten Wahrheit und Wahrhaftigkeit, der Freiheit und Liebe, das wissen wir, daß allesammt erhobnen und geläuterten Herzens das Gotteshaus verließen. (Schluß folgt.) Literarische Anzeige. So eben erschien bei mir: Mein Berha'ltniß zur Neformgensjstllschafl mein Abgang von Berlin. Zur Charakteristik der neuesten Bestrebungen von l)r. Salomo« iticMdnfctr. 1347. 3 Octavbogen. Geheftet. Preis 7'/, Rgr. Leipzig im Juni 1847. Wilhelm Jurany. Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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