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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1847-04-25 · Heft 17 (25.4.1847) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
8 (1847)
Issue
Heft 17 (25.4.1847)
Date
1847-04-25
Page
– (sequence 8)
Language
German
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136 dieser Höhe sich zu erhalten sucht. „Nicht das" führt das Resume in der Entwickelung seiner Ansicht fort, „was unklar in der populären Meinung ausgesprochen wird, was in dem Widerstreite früherer Gewohnheiten und gegenwärtiger dunkler Triebe setzt als Ausspruch auf den Märkten hervortritt, sei das wahre religiöse Bewußtsein, sondern die innere Mahnung, die immer mehr zur bestimmten Forderung sich gestaltet, die bereits im Leben so vielfach ihre Verwirklichung gewonnen, bevor sie im Gedanken ihre volle Klarheit, im Worte ihren vollen Ausdruck gefunden hat. Auf diese Mahnung müßten wir sorgsam lauschen, wir müßten gewissermassen die Geburtshelfer dieser Tradition sein, und ihr so zu ihrer Bestimmtheit und damit auch zu ihrer begründenden Kraft verhelfen." So vortrefflich und meisterhaft ist cS gewiß noch Niemanden gelungen, die tiefe und mächtige Regsamkeit des Religionsbewußtseins unserer Zeit, die in geheimer Werkstätte innerlich wirkende und in so mannigfachen Lebensgestaltungen und Erscheinungen sichtbar werdende und sich äußernde religiöse Kraft der Gegenwart in wenigen aber lebendigen Zügen zu schildern, als diesem ausgezeichneten Resume. Für die Anwendbarkeit auf alle die Gegenwart so tief bewegenden religiösen Fragen gibt es ein so sicheres Prinzip in die Hand, daß wir den Wunsch nicht unterdrücken können, es möchten doch diese vortrefflichen Worte Geigers nicht bloS von den Mitgliedern der R. - V., sondern von allen Lesern wohl verstanden und tief beherzigt werdenJa eine innere Mahnung durchdringt die jüdische Gegenwart, mit heftigem Ernst, mit mannhaftem Muth, mit gekräftigem Bewußtsein an die Umbildung und die Neugestaltung des religiösen Gebietes zu gehen, und die im Vordergründe stehenden Lehrer der Religion, die müssen vor Allem auf diese Mahnung sorgsam lauschen, müssen die Geburtshelfer des zu neuem Leben sich emporringenden höhern Religionsbewußtseins sein, ihm zur großen Klarheit und Bestimmtheit und Entschiedenheit und, damit nicht blos das alte religiöse Leben zerstört, sondern auch ein neues Leben begründet und aufgebauet werde, ihm auch zu seiner schöpferischen und begründenden Kraft verhelfen. Wird nach diesem Prinzip auf dieser Grundlage reformirt, wird nicht auf Das, was unklar in der populären Meinung, was in dem Widerstreite früherer Gewohnheit und gegenwärtiger dunkler Triebe als Ausspruch aujf den Märkten hervortritt, sondern auf das, was bei dem intelligentern Theile des Volkes in Folge ernster Prüfung und Erwägung als innere Mahnung, als Ansicht, als Urtheil und endlich als religiöses Bewußt-- sein sich herausstellt, geachtet, dann muß jeder einseitige Vorwurf über Destruction, Negation und Subversion verstummen; Die Reform hat dann eine tiefere Wurzel, eine festere Basis gewonnen, auf der isie sich aufbauen wird zum herrlichen Bau des Lebens. Ist aber die Commission diesem ihrem Grundsätze treu geblieben? Wir wollen von dem absehen, was sie nicht als Antrag gestellt, und doch zufolge Ihres Prinzips in Vorschlag hätte bringen können. Aber leider hat die Commission so manchen wichtigen Punkt, den sie im vorigen Jahre als Antrag wirklich gestellt, in diesem Jahre wieder fallen lassen. Es ist ein Theil des vierten Antrages im vorjährigen K.-B.. „Daß nämlich die Sabbathfeier die Rücksichten auf die Erhaltung der zeitlichen Wohlfahrt nicht ignoriren dürfe, daß, wo es sich um die Abwendung solcher Umstände handelt, welche das zeitliche Lebensglück zu untergraben geeignet sind, die Arbeit durch Nichtjuden gestattet sei, aber auch sobald sie die Hülfe von Juden unbedingt nöthig macht, auch von diesen der Sabbath als Ausnahmefall, suspendirt werden kann." (Fortsetzung folgt.) Erklärung. In Nr. 9 dieser Zeitschrift hat ein Corresvondent aus Schwerin, indem er auffallenderweise nur diejenigen Bewerber um die dortige Landrabbinerstelle mit Namen aufführt, welche keine Mitglieder derRabb.-Vers. sind, an die Spitze dieser Bewerber meine Person genannt. Zur Aufklärung des Sachverhätniffes fühle ich mich nun gedrungen, zu erklären» daß ich auf die specielle Einladung eines würdigen Mitglieds des dortigen Oberrathes unter die Zahl der Bewerber zu treten, an dieses Mitglied mehrere meiner litterarischen Arbeiten schickte, mit dem Bemerken, daß, wenn dasselbe mit meinen Grundsätzen und Strebungen, welche dem Principe des gemäßigten Fortschrittes angehören, einverstanden sei, ich sofort als Bewerber auftreten und auf Verlangen ein Meldungsgesuch einschicken wolle. Wie gerne ich nämlich auch in einen größeren Wirkungskreis eintreten würde, und wie freudig ich eine Stellung willkommen hieße, von welcher aus es mir nicht, wie in Bayern, verboten tst, an den Verhandlungen der R.-V. Theil zu nehmen: so ist es doch bei mir Grundsatz, da ich im besten Frieden mit meiner Gemeinde lebe, ohne besondere Aufforderung mich um keine andere Stelle zu bewerben. Es wurde von mir in Schwerin kein Meldungsgesuch gefordert, indessen nahm man mich, wie ich hörte, dessenungeachtet unter die Zahl der zur Wahl vorgeschlagenen Candidaten auf, und soll ich mich sogar der Ehre erfreut haben, mit noch Wenigen in die engere Wahl ausgenommen worden zu sein. Baireuth, den 4. April 1847. Hr. Joseph Aub, Rabbiner. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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