Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 16 (18.4.1847)
- Date
- 1847-04-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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1S8 sondern als eine solche, welche nach dem Zeugniß der Tradition in der Bibel selbst enthalten ist. Dieser Unterschied ist ein wesentlicher, und hätte nach meiner Meinung das Resunw seine eigenen Gedanken mit der Ansicht Adlers nicht so ohne Weiteres combiniren dürfen. Nachdem das Rcsume darauf aufmerksam gemacht, daß am Ende die Quellen dieser Tradition doch nur Mischnah und Gemara seien und daß man nicht mehr von einer dreitausendjährigen Tradition sprechen dürfe, wenn man sie als bereits zweitausend Jahre entschlafen betrachte, gibt es die bekannte Geigersche Ansicht von der Geltung der Tradition, die ihr Wesen in der That viel tiefer erfaßt und im Interesse der Reform sehr fruchtbar zu machen weiß. Wir haben bereits anderswo (Freunds Monatsch. zur Judenfrage 1844 S. 321 — 331) dieser Ansicht eine ausführliche Erörterung gewidmet und werden auf das dort ausgcführte Resultat noch hier vielleicht zurückkommen. Bemerken müssen wir hier aber, daß der Referent, indem er für den K. - B. die Höhe dieser Ansicht vindicire, nicht nur mit dem Standpunkte der dritten Rabbinerversammlung, wie derselbe in der Debatte und den Beschlüssen sich hcrausgestellt, sondern auch mit seiner eigenen im K.-B. ausgesprochenenen Uebcrzeugung uns in Widerspruch zu gcrathen scheine. Nach dieser im Nefum« mit aller Klarheit und Schärfe dargelegten Ansicht ist das neuere Religionsbewußtsein der heutigen Juden der Bibel gegenüber ein eben so sehr berechtigtes, wie die älteste Tradition, die nichts Anderes als ein die damalige Judenheit durchdringendes Rcligionsbewußtsein war, das sich zwar aus der Bibel heraus gestellct, aber keinesweges ein mit ihr übereinstimmendes gewesen ist. „Der Faden der Tradition," sagt es, S. 89, „sei aber in der Gegenwart wieder angeknüpst. Das in entsetzliche Erstarrung gerathene religiöse Bewußtsein der Gcsammtheithabe bereits seit längerer Zeit wieder begonnen flüssig zu werden, wieder sei eine lebendige Anschauung erwacht, wenn sie auch noch nicht zur vollen Klarheit sich entwickelt habe, und sie sei der traditionelle Standpunkt, auf welchem die Commission stehe, von welchem aus sie ihre Anträge motivire." Da nun bekanntlich die ältere Tradition, als sie noch flüssig und lebendig, als sie noch nicht zur Gesetzlichkeit erstarrt war, an die Bibel sich nicht gebunden hielt, über diese in sehr vielen Fällen faktisch hinausging, und hieraus für das wieder lebendig gewordene neuere Religionsbewußtsein eine gleiche Berechtigung in seinem Verhältniß zur Bibel mit Bestimmtheit hervorgehe, so möchte man nicht begreifen, wenn dieses selbstständige traditionelle Bewußtsein der Standpunkt der Commission sei,'wie sie in ihrem K.-B. vom v. I. S. 351 „vollkommen im Geiste der Versammlung" den allgemeinen Grundsatz aufstellen zu dürfen ^glauben konnte, „daß wir uns in den Begriff der Bibel hineinleben müssen," unv ferner (das. S. 352), daß sie, die Commission, „zu dem biblischen Sabbathbegriff zurü ckzukehren habe, der, wie überhaupt die göttliche Wahrheit, für alle Zeiten ein gleicher, ist?" Vielmehr will es uns bedünken, daß die/Commission wenn sie auf dem bezeichneten traditionellen Standpunkt wirklich stehe und von diesem aus ihre Anträge motivire, nicht uns in den biblischen Sabbathbegriff nur hincinzuleben, sondern in dem unscrigen fortzuleben anzuempfehlen, sie selbst nicht zu dem biblischen Sabbathbegriff zurückzukehren, sondern an dem ihrigen auch wenn die Bibel einen andern aufstellt, festzuhalten habe, da der biblische Sabbathbegriff keinesweges, wie die göttliche Wahrheit, für alle Zeiten ein gleicher ist, sondern von dem traditionellen Religionsbewußtsein gar sehr modiflcirt werden könne. Wenn die Commissions - Mitglieder gegen diese von ihrem Referenten gethanen Aeußerungen über ihren eigenen Standpunkt nichts zu erinnern hatten, so muß ihnen der Inhalt des vorjährigen K.-B., der in diesem Punkte keine Abänderung erfahren, entweder nicht mehr erinnerlich gewesen, oder in der That von ihnen aufgehoben worden sein. (Fortsetzung folgt.) Literarische Anzeige. In der C. Müller'schen Buchhandlung in Fulda ist so eben erschienen und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: n y *i n * w x i Hebräische Lesefibel nach Denzel's, Hientzsch's u.A. Grundsätzen ver Lautir- Mcthode. Auch als Leitfaden bei der Anwendung des „neuen beweglichen Alphabets" zu gebrauchen. Von L. M. Lewisohu, öffentl. isr. Lehrer in Fulda. Mit einem Vorworte vom Ober- Consistonalrath Dr. Wi ß. 8., 36 Seiten, geh. Preis 2'/- Sgr. — 9 kr. 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