Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 15 (11.4.1847)
- Date
- 1847-04-11
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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130 aufgedrungen werden kann. Der Versöhnungstag hat, wie schon sein Name bekundet, die Sühne, und zwar die allgemeinste und umfassendste Sühne, die sich auf die Pricsterschaft, das Hciligthum und das ganze Volk erstrecket, zu seinem Zweck. Wodurch diese Sühne vermittelt werde, darüber gibt die Schrift selbst unzweideutige Auskunft, nämlich durch den Opfcrritus: „denn an diesem Tage wird man euch sühnen, euch zu reinigen; von allen euern Sünden werdet ihr von Gott gereinigt werden" das. 36. Von einer andern Weihe und Heiligung im modernen Sinne des Wortes oder im Sinne des K. B. ist in der Bibel nirgend die Rede. Und diese Weihe sollte eine andere als eine symbolische sein; Wohl ist, wie das Resume angiebt, der Zweck der Weihe des Menschen hier offenbar, aber gewiß nicht minder offenbar, daß diese Weihe eine symbolische sei, wie es denn auch offenbar ist, daß auf biblischem Grunde an eine andere Weihe nicht zu denken ist. Fragt man: was soll die Ruhe am Sähnetag symbolisiren, da das Symbol der Weltschöpfung, die absolute Ewigkeit und Vollkommenheit Gottes dem Sabbath eigentümlich ist? so muß geantwortet werden: die Bibel erkennt einmal in dem Wesen der Ruhe eine Art Weihe, Cultus, und kann somit von einer Gotteszeit nämlich einer solchen, die an sich Gott geweihet ist, nicht getrennt werden. Denn symbolifirt ja die Sabbathruhe auch den Gedanken der Heiligkeit Gottes und ist deshalb ein Zeichen der Verbindung Gottes mit Israel zu dessen Heiligung, sie kann daher von dem Sühnetag, welcher die umfassendste Sühne, somit die größtmöglichste Heiligung des Volkes, dessen innigste Wiedervereinigung und Verbindung mit Gott zum Zwecke hat unmöglich getrennt werden, wie denn auch dieser Tag seine potenzirte Bedeutung, die intensive Verbindung, die durch ihn zwischen Gott und dem gesühnten Volke wieder hergestellt und erneuert werden soll, durch seinen Namen n2t0 zu erkennen giebt. Wir finden daher in der Analogie des Versöhnungstages den stärksten Beweis gegen die Ansicht des K.-B. Wir wollen, che wir weiter gehen. Einiges über den biblischen Begriff der Heiligkeit hier andeuten, indem dieser in der dritten R.-V. so mannigfach gebraucht worben und, wie cs uns scheint, zu vielerlei Confusion Anlaß gegeben hat. Die Bibel kennt den Begriff der moralischen Heiligkeit im Sinne der idealen Unverletzlichkeit; sie erkennt ihn vor Allem und in unendlicher Intensität Gott zu, und schildert ihn an unzähligen Stellen als eine moralisch heilige Persönlichkeit. Sie kennt auch diesen Begriff in Anwendung auf das Recht, auf Sittlichkeit überhaupt, sie hat aber neben diesem auch den Begriff der symbolischen Heiligkeit und wendet ihn ohne Unterschied von jenem an. Diese zwei Begriffe nicht von einander zu trennen und zu scheiden ist eben das Characteristisch e der Bibel gegenüber der Reflexion in der späteren geschichtlichen Entwickelung des Judenthums. Alles, wasdieTheokratie umfaßt, ist ein symbolisches Heiligthum, die tiefer ihr als Zweck zu Grunde liegende Bedeutung ist die moralischeHeiligkeit, und überall wo der Begriff von Heiligkeit in allen Beziehungen des Cultus zurAnwendung kommt, ist der symbolische gemeint. Dieser Unterschied muß von uns festgehalten werden, wenn wir nicht das heilige Räucherwerk, die heiligen Geräthe, den heiligen Altar rc. mit dem heiligen Gott oder der Heiligkeit Gottes verwechseln wollen. Indem wir diese Theorie an einem gelegenem Orte ausführlicher zu erör. tern gedenken, wollen wir es hier bei dieser Andeutung bewenden lassen, und zu den weitern Ausführungen des Resume zurückkehren. (Fortsetzung folgt.) &itevatifd>e Anzeige. Blaubeuern. In der Fr. Mangold'schen Buchhandlung find soeben erschienen, und durch alle Buchhandlungen zu beziehen: SO Bibel - Denksprüche für israelitische Tonsirmanden in besonderer Auswahl von Rabbiner G. in B. Preis 24 kr. rh. oder 7% Ngr. Da nun fast in allen Gemeinden Deutschlands auch bei den Israeliten das Institut der Confirmation eingeführt ist, so hält sich die Verlagshandlung zur Annahme berechtigt, daß obige Bibel-Denksprüche, deren Auswahl ein praktischer Geistlicher zu besorgen die Güte hatte, eine freundliche Aufnahme bei den Herren Rabbinen und Predigern finden werden. Die Einrichtung dieser Denksprüche ist der Art, daß der Name, Geburts- und Confirmationstag des Confirmanden und der Name des, die Confirmations-Handlung vornehmenden Geistlichen auf denselben verzeichnet wird. Dieselben können daher auch als Geburts- und Confirmationsscheine benützt werden. Ar. Mangold'sche Buchhandlung in Blaubeuern, in Würtemberg. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.