Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 52 (27.12.1846)
- Date
- 1846-12-27
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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SSO nicht entziehen konnten, so lautes Zeugniß geben und der Gegenwart doppelt die Verpflichtung auferlege«, ihre religiösen Institut onen ganz jener Wahrheit conform zu machen; wie denn auch (was Holbhcim nicht genügend thut und dadurch Hrn. Frankel willkommenen Anlaß zum Tadeln bietet), bei unfern Manifesten gegen den Talmud auch das, was zur Verthcivigung desselben gesagt werden kann, niemals unterlassen werden darf; wir meinen: daß wir ihn im Lichte seiner Zeit würdigen, die im Allgemeinen noch lange nicht auf den humanen Standpunkt der Gegenwart auch bei gebildeten Völkern gelangt war, so daß, wenn man, um gerade bei dem fraglichen Gegenstand zu bleiben, wenn man z. B. die Stellung, welche das so sehr gepriesene römische Recht dem Weibe gegenüber dem Manne gibt, mit der vergleicht, welche das talmuvische Gesetz religiös den' Frauen einräumt, es rann noch sehr die Frage sein dürfte, wer am meisten von den würdigeren Ansichten, zu welchen die Gegenwart gelangt ist, entfernt gewesen. An die Schrift von Holdhcim gegen den Talmud reihen wir die kurze Anzeige eines Schrifrchens für denselben, betitelt: Dogmatisch-Historische Beleuchtung des alten Judenthums von Aaron Günzburg, Rabbiner und Prediger zu Libochowitz in Böhmen. Prag 1846. Der Verfasser unternimmt es, durch Stellen aus der Schrift dem Talmud und den Rabbincn zu beweisen, daß die Vorwürfe, welche die Gegner der Emancipation dem alten Zndenthum (hierunter versteht er sowohl das biblische, als talmudisch-rabbinischc) machen, durchaus ungegründet seien. Das Schriftchcn wird, wenn in die Hände von Beamten kömmt, zweifelsohne von Nutzen sein. Für die jüdisch-theologische Wissenschaft hat es weniger Interesse, da diese, namentlich in ihren tüchtigsten Vertretern, jenen apologetischen Standpunkt überwunden, in Beziehung auf die rechrllche Gleichstellung der Juden aber auf das glaubwürdige Faktum hin« ssen kann, daß selbst ver orthodoxeste Jude die Forderungen anerkennt, welche der Staat an die Rcchilichkeit und den Patriotismus aller feiner Bürger zu machen befugt ist. Hingegen verdient folgende Schrift: Kritisches Sendschreiben über das bisherige Versahren mit den Sterbenden bei den Israeliten, von Dr. med. Altschuhl, Prag, 1846. hohe Beachtung, indem sie auf das an vielen Orten noch herrschende Verfahren bei den Sterbenden aufmerksam macht, und mit de» einleuchtendesten medicinischen Gründen die Schädlichkeit def-- selben B. den Erblaßten schnell aus dem Bett zu «chmen) wie, daß nur die Fäulniß allein das sichere Zeichen des Todes biete, nachweist. Auch dieser Herr verschmäht es nicht, mit den neuen medicinischen Erfahrungen die talmudischen Vorschriften, namentlich auch das bekannte Verbot über das Uebernachten der Verblichenen - (N27I ftt^n) in Einklang zu bringen, und sich, damit dieses in den strenggläubigen Kreisen um so mehr Glauben finde, in der Vorrede auf das Zeugniß Rappoports zu berufen, daß hie angeführten Talmudstellen richtig übertragen seien. Wir sind weit entfernt, dcm Hrn. Verf. dieses zum Vorwurfzu machen, ehren vielmehr die gute Absicht, welche diesem Vercinigungsversuche zu Grunde liegt und wünschen nur, im Interesse der Erhaltung von Menschenleben, daß er sie vollständig erreichen möge. Berichtigung. Das im Jahr 1842 von den jüdischen Reformfrcunden in Frankfurt a. M. erlassene Programm zu einer Erklärung deutscher Israeliten, so wie das zugleich mit dem Programm versandte Rundschreiben ist nicht, wie Hr. Dr. Bergson im Literatur- Blatt Nr. 47 irrthümlich angibt, von Hrn. Dr. Goldschmidt, son» dern von Hrn. Dr. Th. Creizcnach verfaßt. Literarische Anzeigen. Im Verlage der Job. Christ. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. ist erschienen: Kunstsymbolik, Christliche, und Zkonograpln'e. Ein Versuch, die Deutung und ein besseres Verstandniß der kirchlichen Bildwerke des Mittelalters zu erleichtern, gr, 8. 1839. Rtblr. 1. 16 gqr. ob. ff. 3. Pauli, Dr. F W., prakt. Arzte zu Franks. a.M. Homburg und seine Heilquellen. Mit 2 Stahlstichen und einer Karte von Homburgs Umgegend. Zweite Auflage. 8. 1844. Zn Umschlag drosch. 16 ggr. oder fl. 1. 12 kr. Formstecher, Dr* S., die Religion des Geistes, eine wissenschaftliche Darstellung des Judcnthums nach seinem Charakter, Entwickelungsgange und Berufe in der Menschheit. gr. 8. 1811. drosch. (29 Bog.) Rthlr. 1. 18 ggr. od. fl 3. 12 kr. Berlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung m Frankfurt a. M. — Druck von Frcev. Krähe in Offenbach.