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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-29 · Heft 48 (29.11.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 48 (29.11.1846)
Date
1846-11-29
Page
– (sequence 12)
Language
German
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304 Eine neue Erklärung über den Opferritus des sogeuaanteu n8l5t?0 "PjJt? (liircus emissarius) und des Wortes von M. Dreifuß in Groß - Canischa. Es ist wohl einleuchtend, daß das tiefere Verständnis) dieses am höchsten Fest- und Feiertage der Israeliten abgehaltcnen Opferkultus von der Auffassung und Erklärung der Bedeutung des Wortes abhänge. Der Erklärungen über die Bedeutung dieses Wortes find sehr viele, ohne daß irgend eine sich eine überwiegende Anerkennung bei den Gelehrten erworben hätte. Ich versuche daher eine neue Erklärung über Sinn und Bedeutung dieses in der Ueberiwrift erwähnten Opfcrritus und des Wortes 8*N*y in diese Bläiter nicderzulegcn. Es ist eine bekannte Sache, daß Osiris und Isis als die zwei vornehmsten Gottheiten in Egypten gegolten haben. Zn Osiris wurde bekanntlich die Sonne, in Zsts die fruchttragende Erde — die Ceres oder Demeter der Griechen — personifizi'rt. Hierüber, sowie über die vielen Feste in Egypten der Zsis zu Ehren mögen folgende Stellen aus Därs „Symbolik des mosaischen Cultuö" hier zusammengestellt werde». Im ersten Buche S. 318 heißt eö: „So bemerkt Plutarch ausdrücklich, Isis, die Wcltmutter, die personisizirte Erschciuuugswelt, habe bunte*) Kleider gehabt re. re. Ueberhaupt personisizirt und symbolisirt bei den meisten alten Völkern das Bunte die Natur." Ferner H. S. 228: „das größte Opfer (in Egypten) war ein Stier, der Gottheit, der cs gebracht wurde, Zsis, der Ort, wo cs dargebracht wurde, Busiris." Ferner S. 473: „Zn Egypten ist Zsis die große Mutter alles Lebens, zugleich aber Göttin über die Todtcn; sic stiftet beim Tore des Osiris den Phallnsdienst." Ueber die vielen Feste der Zsis zu Ehren sind folgende Stellen anzuftihren. Im II. B. S. 547 heißt cs: „Die mythisirte Landesgeschichte bildet die Grundlage des FestcycluS re." „Darauf am 7. des Monats Tybi, d. i. am 1. oder 2. Zänner ward die «chrbt; ’loibeV. ivir. fo gefeiert, wo man auf d ie O^ferkucheu das Bild eines gebundenen Flußpferde? ^-Wier'undr Symbol des Typhon) setzte. Am 11. Tybi, bl i. am 6. Januar, so.lgte die EVQEci^, das Fest des wiedergefundenen'Ostxis, an demÄkach -sich mit den Worten sv^xaitev ov^aioof.iev begrüßteh es iss ein Fest der Erheiterung nach langem Dunkel, dse Sonne'geht aufwärts, Zsis hat den Phallus wieder gestiftet. Nun folgen die Phallischen- oder Diouysosfrstc, dahin gehörendie Pamilien, bei welchen ein Bild mit einem dreifachen Zeugungsglieve *) Vergleicht man hiermit was Bär im l. Buche S. 323 anfiihrt, wo es heißt: „das Bild der Venus war roth, ihr Teinpe! von weißem Marmor, nur weiß^Gekleivete dursten ihren Tempel betreten (S. Ibid S. 338, wo diese &ite auch bei den Pcri'ern stattstnvcnd angeführt wird) so wird die Mischna in Tract. Mcgilla 24 d erklärbar, wo cs heißt: “Oiy “lOlNH "iDjP N8 OD080 f)« pyoso rD'n wb worauf die Gemara erklärt: D np-ia mro NOS? ©. Naschi das. N> 'OOly s'1'07l 100 p-'p00. **) Da ick des Phallusdienstcs bei meiner Erklärung über ausgestellt und herumgetragen wurde; ferner das Fest, dessen wir bereits oben S. 233 näher erwähnt haben re." Sodann S. 550: „Das zweite Fest, dem viel? Tausende beiwohnten, ist das f.toii oben besprochene (228) Zu sw st zu Busiris, d. i. Grab des Osiris, bezog sich also ans den Tor dieses Gottes, dessen Glieder Zsis hier in einem hölzernen Stier aufbewalnt hatte." Aus den angeführten Stellen, die sich mit noch gar vielen vermehren ließen, gehr hervor, wie man in Egypten die Göttin Ist? auffaßte, zu deren Ehren die wichtigsten und hochheiligsten Feste und Opfer gefeiert und dargcbracht wurden. Gehen wir nun zur Erklärung unseres Gegenstandes über. Es kann als auffallend erscheinen, warum an" diesem hohen Festtage, der unter allen andern als der höchste — pnot? not? bezeichnet wird, dem Gesammtisrael keine symbolische Handlung vorgeführt wurden, die mit Israels Hauptaufgabe, dem Götzendienste und Hcidenthume zu entsagen und entgegenzutreten im Zusammenhänge stand. (Schluß folgt.) die Bcschneidung im Liter.-Dl. des Orients Nr. 38 v. I. erwähnt »abe, so wird cs wohl den Lesern dieser Blätter nicht uninteressant sein, wenn ich sie bei dieser Gelegenheit aufmerksam mache, daß nach einer talmudischen Erklärung des Phallusdienstcs auch anderweitig in den biblischen Büchern erwähnt sei. Aus das im I. König 15, 14, vorkommende Wort »52820 gibt die Gemara im Traet. Aboda Sara 44 n im Namen des '"1 — also eines Mannes, der sich, wie die Talmudkenner wissen, mit Erklärung schwieriger biblischen Wörter und Stellen erfolgreich befaßte, und von welchem, nach der Meinung des gelehrten Rapoport im 5. Bd. des Kerem Chemed S. 223 die Redaktion des uns,vorliegenden DilpjlN Dl1"in herrnhrt — folgende Erklärung: b n8joj N’m nb nnt?y nnor poo ,m\ yn Nach dieser Erklärung wäre also des Pallusdiensteg im Buche der Könige erwähnt. Ich halte diese Erklärung wesentlich für richtig und zwar nicht nur des paffenden Zusammenhanies, sondern auch der Etymologie wegen. Denn werfen wir die Bilduugsbnchstaben Fl — 0 hinweg, so bleibt ss82 also punktirt s^2 Phallus. T" Daß uns bei derartigen Forschungen und Behauptungen die vorhandenen Vokale namentlich bei einem dem Sinne und der Bedeutung nach so dunkeln Wo tc nicht hinderlich sein können, ist für jedem Unbefangenen klar. Schon Elias Levita, welchem namhafte jüdische und christliche Gelehrte beitreten, behauptet, daß die Vokaltsirnng des Schristtertes ein Produkt der später» Zeck sei und vielleicht einer solchen, wo die Quellen der Tradition schon trüber stoffen. Das Ales vor dem letzten Lamed ist entweder ausgefallen und das Wort müßte vollständig also iN'N'J) geschrieben sein oder das Ales ist durch Metathese nach .dem ersten Sa in getreten. (Menschen- und Engelnamen auf ,N ausgehend ist ja in der Schrift etwas Gewöhnliches.) Ist tziese. Irwine Erklärung richtig, so hätten wir in diesem Opfer- und Festn'tus eine Institution, die uralt und gewiß mir dem ersten' Entstehen des Zudenthums in Zusammenhänge steht, was meines Erachtens ein Gewinn für Bibelforschung wäre, indem sie ebenfalls als Gegenbeweis gegen die maßlos zerreißende und zerfressende, die Schrift der Zeit und dein Inhalte nach herabsetzende Kritik der Neuern dienen könnte. Auch brauchten wir nicht nach mystisch-kabbalistischer Weise unter ✓INI); eine Befriedigung des Satans, des Teufels zu erblicken, was ebenfalls eine Puristkatiou des lautern Geistes der Schrift von einer ihr unlergeschobcnen Anschauung wäre. — Mau sehe übrigens Midr. Jalkut zum Pentateuch §. 44 beginnend '“) I5N pTOpn )8NS? 'di 8iNiy ino *)Dr lind ferner Jalkut §. 241, wo es heißt: Isis. — «ny idb£ nnsD bw "'S? Verlag der Z. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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