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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-11-15 · Heft 46 (15.11.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 46 (15.11.1846)
Date
1846-11-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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190 und Motive näher zu beleuchten,*) so muffen wir doch hier schon Verzichten und uns bloß darauf beschränken, einzelne Nüancen, unter diesen orthodoxen Farben/ — Spielarten der schwarzen Menschenrace, wie sie Jemand nannte — hier noch etwas genauer zu bezeichnen. Einer der Votanten fürchtet, daß der Rcformverein zu Spaltungen und Sccten im Judenthume Anlaß geben wird und warnt vor den dadurch entstehenden Parteiungen innerhalb des JudenthumS, in deren Folge Beschuldigungen jeder Art auch gegen die rechtgläubigen Brüder bei den Behörden vorgebracht und sie, nebst ihrem Glauben verdächtigt würden. Dadurch müßten Juden und Zubenthum in den Augen der Welt zum Gegenstände des Spottes, der Schadenfreude für den Gegenglauben und der Verachtung herabsinken. Die Anversglaubenden würden jetzt in dem Wahne, daß das Judenthum unter diesen Auspicien der Auflösung stark entgegeneile, mit Recht frohlocken unv jubeln. — Unmöglich kann Jemand, der die Geschichte und die wahre Aufgabe des Zudenthums genau erfaßt hat, diese ängstlichen Visionen thcilen. Im Gegentheile find wir überzeugt, daß solche Parteikämpfe, so lange sie auf theoretischem Gebiete spielen, weit entfernt den Inhalt und das Ansehen der Religion zu schmälern, vielmehr zu ihrer Läuterung unv Erhebung viel beitragen müssen und achten überhaupt die Würde und das Weien des Iudenthums für viel höher und gesicherter, als daß sie durch einen dogmatischen Streit über die Bedeutung einzelner Cärimonien angetastet unv verringert werden sollten. Wir können hier zur Beruhigung an den historischen Bestand des Zudenthums durch Jahrtausende appelliren, welcher trotz innerer unv äußerer Kämpfe eine sichere Garantie in sich birgt, für den noch nicht so bald zu erwartenden Untergang desselben. Seine Eristenz ist durch die Tendenzen des Reformvereines in nichts gefährdet, wenn wir nur . gehörig zwischen Wesen und Form unterscheiden, und hängt selbst informeller Beziehung von ganz andern Bedingungen ab, als von Spaltungen und Parteiungen im Judenthum selbst. Vorläufig bürgt uns für seine Existenz, die seines Gegenglaubens. Christenthum und Judenthum scheinen sich in ihrem formellen Dasein gegenwärtig zu bedingen. Was endlich noch die angebliche Schadenfreude des Gcgenglaubens über die vermeintlichen Vorzeichen des Umsturzes im Judenthume anbelangt, so könnte man, wenn man es nur nöthig hätte, durch eine kurze H-MDtung auf die zerfallenen unv morschen Zustände und religiösen Parteikämpfe innerhalb dieses GegenglaubrnS selbst, ein solches Jubeln und Frohlocken *) Dieses hat Hr. Süskind im Lit.-Blatt des Orients Jahrg. 44 u. 45 so vollständig gethan, daß ich hier auf diesen gehaltvollen Aufsatz die Leser verweilen muß. gar bald in die entgegenstehende Gemüthsverfassung ver« wandeln. Ein anderer der rabbinischenB'tanken fürchtet, daß der Reformyerein in seinen Consequenzen den Untergang, nicht sowohl des Zudenthums, als vielmehr der jüdisch - rabbinischeu Literatur uuv der israelitischen archäologischen Studien herbessühren wird. Zu seiner Beruhigung kann man ihm Nachweisen, daß die clasfischen Studien über römische und griechische Alterthümer viel später als ihre Religion bei dem gebildeten Theil der europäischen Menschheit Eingang und Anklang gefunden hatten; nachdem schon längst römisches nnv griechisches Heidenthum untergegangen war, blüheten auf den Gräbern ihrer Gottheiten die archäologischen und literarischen Forschungen in ihrer schönsten Pracht. Studium der archäologischen Literatur, ist von dem Leben der Religion ganz unabhängig, ja beide, Religionsstudium unv Religionsausübungen scheinen sich oft gewlssermassen ganz auszuschließen. Merkwürdig bleibt es, daß derselbe Forscher die Forderung an den Staat, auf die Beschneivung der Knaben bei den Juden zu dringen, stellt, gleichsam um darin eine Repressalie für den der Taufe der Kinder bei den Christen geleisteten Schutz zu erlangen und so dieser vermeintlichen religiösen Ehre die religiöse Freiheit opfern will. Er scheint Maaß und Gewicht hierbei außer Acht gelassen zu haben. Sehen wir nun, wie sich die sogenannten Freunde des Reformvereins hierbei verhalten haben, so finden wir daß sie die Bcschneivungsfrage vorerst kritisch beleuchteten, ihre Unverbindlichkeit nachwiesen und den Drohungen von Religionszwangsmaßregeln eine kräftige und offene Abweisung entgegenh.elten. Indem der Reformverein die Ausübung dieses Gebrauchs - facultativ Jedwedem freistellte, fiel es ihm nicht im Entferntesten ein, wie er von orthodoxer Seite beschuldigt wurde, seine Anhänger durch Unterlassung der Beschneidunz ihrer Kinver gleichem Farbe bekennen zu lassen. Auch ist die Tendenz desselben weit entfernt, sich, bloß auf die Beschneidung zu beschränken, wie man es ihm zumuthen wollte, indem man ihn bloß als einen Antibeschneidungs- Verein bezeichnete, vielmehr hat bloß die Beschneidungsfrage durch den orthodoxen Gegensatz, den sie hervorgerufen, die rasche Entwickelung und Verbreitung des Reformvereins stark befördert. Und in diesem zufälligen Momente liegt ein Wink, den man nicht unbemerkt lassen sollte. Hier ist der reale Boven des Reform- Vereins. Er verharre dabei, daß nicht die Beschneivung, sondern die Geburt den Juden zum Juden macht. (Schluß folgt.) Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. —> Druck von Friev. Krähe in Offenbach.

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