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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-09-20 · Heft 38 (20.9.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 38 (20.9.1846)
Date
1846-09-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Leblose, scheint schon auf biblischem Standpunkte die Annahme ei« neS durch die Sünde erzeugten und von ihr auestromeiiden Fluidums — HKO'iD ITH NDni) — zu beweisen, das Alles in seiner Nmgebung befleckt, verunreinigt, wo nicht gar mit dem Untergange bedrohet. Die schädliche Wirksamkeit dieses nun einmal erzeugten Fluidums hängt lediglich von seiner eigenen Existenz ab, ist in keinerlei Weise durch den sündenhaften Zustand des seinem Ein. flusse unterworfenen Gegenstandes beringt und dehnt sich darum nicht minder auf schuldlose Menschen, Thiere, Hol; unv Stein, wie auf den mittelst der göttlichen Vergebung bereits aus dem Zustande der Sünde herausgetretenen Sünder aus. Wenn die Annahme einer solchen Sündenströmung, welche in der Kabbala und talmudischrn Hagada (S. Sabbath 146 a) bekanntlich so tiefe Wurzel geschlagen, wenigstens auf biblischem Boren zu gewagt oder gar absurd erscheinen sollte, der erinnere sich doch andre biblische Lehre, nach welcher das Unreine auch das Reine nicht nur durch unmittelbare Berührung, sondern schon durch das Befinden in ein unv demselben Luftkreise verunreinigt. Kann aber eine solche Verunreinigung offenbar blos auf der Vorstellung einer, vom Unreinen erzeugten und sich fortpflanzrnden Materie, die selbst das Reine ergreift unv befleckt, beruhen; so ist nicht abzusehen, warum eine solche Zeugungskraft gerade bei der Sünde auffallen sollte, welche doch im Pentateuch und den Propheten — namentlich bei Jrchcskel — als unrein und verunreinigend dargesteüt wird, so daß gar häufig das Wort mno die Wirksamkeit der Sühne bezeichnet. *) Soll also die Sünde schadlos gemacht werden, so ist es nicht genug, daß sie selbst vernichtet, das heißt vergeben werde. Auch das von ihr Aus strömende muß Vernichtung treffen. Für diese zwei Funktionen der Sühne hat die hei« lige Schrift auch zweierlei entsprechende Bezeichnungen. Die Vernichtung der Sünde, welche lediglich durch die. göttliche Verzeihung bewirkt werden kann, wird N^'Nl2,dieVernichtung des Sündenproduktes 7H22 — Bedeckung — genannt. Jene geht immer nur von Gott selbst, diese bald von Gott, bald von Priester aus. — Diesen beiden Momenten in der Sühne entspricht nun auch das Opfer und die mit demselben, sobald es um der Sünde willen gebracht wird, jedesmal verbundene Bußübung mittelst »TO Genes. 5, 5. Die Sünde selbst wird durch die Buße ge« tilgt und die Strömung derselben vom Blutstrom des Opfers ausgenommen und verschlungen, d. h. bedeckt, *) Ja wie weit die merkwürdige Erscheinung von Convulsionen bei einer Somnambüle, sobald sich ihr ein moralisch schlech« ter Mensch nähert, mit dieser Ansicht zusammenhängt, wage ich nicht zu bestimmen. wobei die auf das Haupt des Opfers gelegten Hände deS Sünders .TD'DD — um so wahrscheinlich r den Ströninngsleiter bilden und die Empfänglichkeit dcs Opfers für den Smidenüoff der sich in ihm ganz und gar konceittrirrn soll, zu bewirken haben, als hinsichtlich der Erzeugung einer Wechselwirkung zwischen zwei Körpern das Handanflegcn ohnehin eine sehr bedeutende Rolle im Alterthuin spielt. Beim Mehlopfcr, wo entweder der Weihrauch oder — in Ermangelung deffelben — das Mehl selbst die Funk« tion der Bedeckung übernimmt, gehet die Wirksamk it der HIPDD auf die HSJ’Dp über. Wie sehr die heil. Schrift zwischen Vergebung unv Bedeckung unterscheidet, beweis't der Umstand, vaß sie bei der Siiudensübnc (S. Levit. 5, 13. 16. 18) von beiden als von zwei verschiedenen Begriffen in ein und demselben Akte spricht unv ferner bei brr Sühne des Altars (Genes. 6.7), der Wöchnerin (Levit 12, 8) und des Aussa,)igen (Levit. 14, 20), wo der verunreinigende Stoff nicht von der Sünde, sondern von einem anderen unreinen Dinge ausgeht, gleichwohl die Bedeckung und nur diese ermahnt. In gleicher Weise wird auch in Deut. 21 von der Bedeckung der Blutschuld nicht zu Gunsten des Mörders, sondern der in der Nähe der Morvthat Wohnenden und vom Händewaschen über der getödcten Kuh gesprochen. Erwägt man ferner, wie am Versöhnungstage, was sein hebräischer Name schon anbcutet, die Bedeckung und die mittelst derselben bewirkte Reinigung die Hauptrolle.spielen; so erscheint die für denselben vorgeschriebene Kasteiung offenbar in so fern als Mitfactor der m22, als sie das im sündigen Jndividunm mittelst der Sünde erzeugte Element aufreibt unv abtövtet; eine Idee, welche uns aus dem Worte Gottes zum sündigen Israel im Propheten Jecheskel 22. 15. -pnntt D^iO -jriiK »mipsm TÖO *]nXDlü.,niD,nm, ebenfalls rntgegentritt. Die Kasteiung, welche die Ninr'viter auch auf ihre Schaafe und Rinder übertrugen, bewirkt somit nicht die Vergebung, sondern die Bedeckung. Es steht sehr zu bezweifeln, ob nicht auch der Beschneidung die Idee der Bedeckung des unreinen Stoffes, welchen entweder die Sünde oder die Geburt selbst (auch die Wöchnerin wird ja als unrein betrachtet) erzeugt, zu Grunde liegt. Jedenfalls verdient der Umstand Berücksichtigung, vaß erst mit dem achttägigen Alter das Thier zur Opferung und der Mensch zur Beschneivung. fähig wird. (Schluß folgt.) Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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