Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 37 (13.9.1846)
- Date
- 1846-09-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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160 uab zwar um so mehr, als keines der übrigen, bisher genannten Opfersubstitutc halachische Geltung erlangt hat. Bei nährrer Br» trachtung hingegen erweist sich das Gebet bloS als Residuum des ehemaligen Opfcrdienstcs, aber keineswegs als dessen Stellvertreter, so daß der Ausdruck D'pca rT?£?n oder m^n □Upn '’TDD lediglich auf die Borbildlichkeit deS Op' ferS für das Gebet hinsichtlich des Charakters, der Anzahl und Zeitbestimmung sich beziehen kann. Es ist nämlich nicht in Abrede zu stellen, daß, wie der Lebensnerv des ganzen Opferkultus in der Idee der Sühne bestehet, obgleich mehrere Opfq» nicht ge. radezu auf Sühne abziclen, so auch den des Gebets die Idee der Buße ausmacht, in welcher alle übrigen Gebetselemente wie in einem Brennpunkte sich sammeln und vereinigen. *J Nun war aber jede Darbringung von Schuld- und Sündopfern mit einem Sündenbekenntniß und förmlichen Bußgcbete verbunden, welches sogar die zu erzielende Sühne bedingt (vrgl. Maim. Buße 1, 1) und somit das Gebet gerade in seiner höchsten und vollsten Bedeutung ein wesentlicher Bcstandtheil des Opferdienstes. Wie kann also die leer gewordene Stelle des Opfers durch das Gebet, durch einen Gegenstand ausgcfüllt werden, welcher nicht erst nach dem Verschwinden des Opfers erscheint, sondern stets an seiner Seite stand und mit ihm ein Ganzes ausmachte? Wie kann ein Thcil je das Ganze ersetzen und die von zwei Elementen getragene Integrität der Sühne, nachdem ° sie des Einen verlustig gegangen, lediglich auf das Andere sich stützen? Das Untergegangene ersetzen kann nur ein neuhinzukommendes und nicht bloß übriggebliebeues Element; es müßte denn das Letztere, wie dies im geistigen und physischen Leben allerdings nicht selten stattfindct, gerade durch den Verlust seines Verbündeten an innerer Kraft zunehmen und so an intensiver Stärke gewonnen werden, was an erteusiver verloren ging und — auf unseren Fall angewendet — das Bußegefühl nach dem Verluste des Opfers und durch diesen bis zu einem Grade sich gesteigert haben, welcher ihm die Befähigung verleihet, die Sühne allein und ohne die frühere, bei seiner schwächeren Kraft nothwendig gewesene Beihülfe zu erzeugen. Unser religiöses Bewußtsein zweifelt sicherlich nicht an der thatsächlichen Bewahrung dieser Behauptung; aber als purer Unsinn muß sie ebeu so gewiß der rabbinischen Stabilität erscheinen, welche eine fortschreitende geistige Bewegung gar nicht begreift und über- *j ES braucht kaum eine Erwähnung, daß vom israelitischen Glaubensbekenntnisse und der bty rfop mittelst VDff an gegenwärtigem Orte, wo blos vom Gebete — n^STi — tn seiner strikten Bedeutung und in der Beziehung zum Opferdienste gesprochen wird, gar die Rede nicht sein kann. Haupt die inneren religiösen Kräfte blos für einen Resser deS äußeren ReligiönsobjekteS hält, bei dessen Verhüllung oder Entfernung — ein wirkliches Schwinden und Zugrundegeben kennen die Rabbinen bei religiösen Objekten durchaus nicht — sie nichts weniger, als lebendiger und selbstständiger, sondern nur geschwächt und getrübt werden können. Wir lassen cS dahingestellt, ob der rabbinischen Anschauung, wie der Verfasser behauptet, daS Gebet wirklich eine geistige That und gerade als solche über- Haupt noch das äußerliche Opfer zu ersetzen vermag. Soviel, ist gewiß, daß dasselbe ans erwähntem Standpunkte, man mag eS eine geistige That over eine äußerliche Ceremonie nennen, schon darum nicht als Surrogat für den Opfeidienst gelten kann, weil es mit diesem gleichzeitig cristirte, ohne ihn entbehrlich zu machen. Es ist vorhin schon erwähnt worden, daß selbst die Ansicht Dupn '’TQn nur an den Begriff der Nachbildung, nicht aber des Ersatzes denkt. IlebrigenS hat ohmhn die entgegrnstehende Ansicht numpXp“) lrü'DDDNl 'upn nDN n^sn den Sieg davon getragen (S. Lechem Misch, zu Maim. Gebet 1. 5.) (Fortsetzung folgt.) Literarische Anzeigen. Im Verlage von $. Schuster in Hersfeld und Homberg ist erschenen: Predigten, Confirmations-, Trau- und Schuleinführungs-Neden, von vr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschen Land-Rabbinen. Zweite Sammlung, brosch. 25 Sgr. oder fi. 2. 30 kr. Zm Verlage der Job. Christ. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. ist erschienen: BCCltei*, Ifc. F%, a grammar of the german language. 2 edit. gr. 8. 1845. In engl. Einband. fl. 3. 24 kr. od. Rthlr. 1. 12 ggr. Jansen, William, practical jnernantile correspondence with german notes and an appendix containing forms of iuvoices, biüs of Iading etc. and abbreviations and explaining mercantile technicalities, gr. 12. 1842. brosch. Rthlr. 1. od. fl. 1. 48 kr. Verlag der I. C. Hermanv'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offcnbach.