Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 33 (16.8.1846)
- Date
- 1846-08-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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SS8 muß diese Zeit als Ruhezeit erscheinen. Die Ruhe giebt ihr das Gepräge und den Charakter des Göttlichen. Welche Arbeiten am Sabbath in der Bibel verboten seien? gewiß alle diejenigen, welche die Sabbathsruhe stören, nicht nur diejenigen, welche wie die werktbatige und anstreugcudc nur die Feier unterbrechen. Zndcß hat sich im Verlaufe der späteren geschichtlichen Entwickelung des Iudenthums im Talmudischcn, und wie einige Andeutungen cs vermuthen lassen, auch schon im prophetischen Zeitalter neben der Ruhe, als der negativen, auch die tbärige Weihe und Feier, die religiöse Erhebung des Geistes durch Lesen in der Schrift und durch Gottesdienst, als die positive Seite der Sabbathsfcier ausgebildct. Allein wie es in der jüdischen Religiousgcschichte besonders charakteristisch ist, des Gegensatzes zu dem gegebenen Religionsbewußtsein einer späteren Zeit und der älteren Anschauung des Mosaismus sich nicht bewußt zu werden, und die neuere Ansicht, die allerdings aus der alten Wurzel naturgemäß sich entfaltet, in den Mosaismus zurückzutragen, so war dies in Bezug des Sabbaths insbesondere der Fall. Aus diesem Widerspruche müssen wir hcranstrcten, ja wir sind thatsächlich aus ihm hcrausgetreten, denn man müßte geradezu aller Erfahrung Hobn sprechen, wollte man behaupten, der heutige Israelit, welcher den Sabbaib cntwcibt, leugne dadurch die in seinem Gcmüthe tiefbcgründetc Wahrheit der Religion, oder der den Sabbath Feiernde erkenne sie dadurch faktisch an. Wir müssen gestehen und dieses Gestanduiß sind wir Gott und der Wahrbeit schuldig — wir haben uns aus der symbolischen Rcligionssphäre herausgelobt. Fragt man hiernach, welche Arbeiten am Sabbath verboten seien, so ist eine Antwort leicht. Wie auf dem biblischen Standpunkt, wo die Rübe Hauptsache ist, Alles verboten ist, was, die Sabbathrnbe stört, so ist auch auf einem Standpunkte, wo die Feier das Wesentliche, die Ruhe nur Bedingung ist, alles verboten, was die Feier stört.. Soweit die Ruhe die Feier bedingt, ist sie gcboteyg wo das bedingende Moment sein Ende nimmt, hört ^dre Rübe ans, geboten zu sein. Ter Commisstonsbericht stellt biesür zwei Kategorien auf: Gewerbthätigkcit und anstrengende Arbeit, weil sie die Sabbathfeier stören, sind verboten, jede Thakigfeit, die gottesdienstliche religiöse "Zwecke oder Erhebung zum Gegenstände und Ziel hat, kann, indem sie der Sabbathsfeier nicht hinderlich in den Weg tritt, nicht verboten sein. Rur irrt der Commisstonövercin darin, daß er diesen Begriff in die Bibel bincintrng. Nein, in der Bibel ist absolute Ruhe geboten, den Begriff von Sabbathsweihe hat die geschichtliche Entwikkelung des Judenthums ansgebildet, den wir mit allen seinen Consequcnzen für alle Zukunft festzuhalten haben. Aber, wird man uns entgegenhalten, wie ist es möglich, im bewußten Gegensatz zur Bibel über eine ihrer wichtigsten Institutionen sich ansznsprechen und diesem Aussprache noch dazu praktische Geltung gewinnen zu wollen, ohne geradezu den göttlichen Ursprung der Bibel anzugrcif-m? und geschähe dieses, so hätten wir ja allen positiven Grund und Boden verloren und uns außerhalb des positiven Judenthums gestellt.. Ich erlaube mir, die Versammlung daran zu erinnern, daß sie im vorigen Jahre nicht zum Buchstaben der Bibel zurückkehren zu können selbst erklärt hat und daß sie nicht den positiven schlechthin, sondern den positiven historischen Standpunkt zu dem ihrigen gemacht hat. Den Gegensatz zur Bibel hinsichtlich' des Sabbath haben wir nicht erst hervorgerufen, vielmehr hat derselbe in der historischen Fortbildung des Judenthums seine Anerkennung gefunden. So hat in ähnlicher Weise die historische Entwickelung des Iudenthums statt der Acußerlichkeit des symbolischen Opferdienstes die Innerlichkeit des Gebetes gesetzt, mithin die biblische Anschauung, wenn auch nicht durch eine entgegengesetzte verdrängt, doch zu einer höher» entfaltet, und ward sich hiebei des Gegensatzes so wenig bewußt, daß sie immerfort beide Gegensätze, oder wenn man lieber will, die niedere und höhere Anschammg vereinigend für die Wiederherstellung des Opferdienstes beten ließ. Was that die zweite Rabbiner-Versammlung? Sie hob den Gegensatz hervor, hielt das Gebet fest und gab das Opfer für immer ans. Gerieth sie hierdurch in Gegensatz zur Bibel? Nein, sie behauptet den Standpunkt der positiv historischen Fortbildung. Ich scheue mich nicht mit der letzten Conscguenz meiner Ansicht hervorzutreteu, stelle sie jedoch keineswegs in Form eines Antrages an die R. V. Alle unsre Bemühung zur Wiederherstellmitz einer wür-