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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-07-05 · Heft 27 (5.7.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 27 (5.7.1846)
Date
1846-07-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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120 sprechenden Gebete mußten nach der Rückkehr in Palästina und | Wiedncherstelluvg des Opfercultus wieder entbehrlich werden und daher in Bergesscnheit gerathen, und konnten erst nach abermaliger Zerstörung des Tempel« und Opfcrdienstes von Rabbi Gamaliel in Iamia, der eben unmittelbar nach dieser Katastrophe daselbst Oberhaupt dcS Synedriums war, wieder in Erinnerung gerufen und wie ursprünglich in seiner die Stelle des Opfers vertretenden Eigenschaft eingesetzt und geordnet werden. Zunz bemerkt das. weiter: „Derselben Autorität (nämlich den M. d. g. S.) gehö? angeblich die Abfassung und Einführung der schon in der Mischnah beschriebenen Gebete Schemah und Tefilla. Was zunächst letztere betrifft, so hat sie Wendungen, die der Zeit des großen Vereins unmöglich angehören können." Unseres Bedünkens können solche auf die Restitution nationaler Institutionen bezügliche Wendungen wie z. D. die Nra. 11, 14, 17 der Tefilla, auch auf die Zeit des babylonischen Exils, als die Entstehungs-Epoche des Gebctcultus überhaupt, paffen, wie Zunz selbst weiter unten in Bezug auf die die 3 ersten und 3 letzten Segeusprüche umfassende Theile der Tefilla ein AehnlicheS bemerkt: „nichts verräth eine tiefere Jugend vielmehr konnte die Ankunft des Erlösers auch während der Zeit des zweiten Tempels rc. erfleht werden," was nach unserer Mei. nung auf die Zeit des Exils noch schicklicher bezogen werden kann. Mag auch für die Abfassung unserer gegenwärtigen Tefilla die von der Kritik für sie ermittelte Entstehungszeit die richtige sein, so ist cs doch gewiß, daß die Rabbinen ihren Ursprung in die möglichst älteste Zeit vor der Restauration zurückverlegten, in welcher der Opfercultus noch nicht restituirt war, so daß dieses mit ihrer anderweitigen Ansicht, daß das Gebet ursprünglich an die Stelle des Opfers eingesetzt worden sei, in keinem Widerspruche sich befindet. Wenn also Raschi zu dem Ausspruch Berachoth 26 d: OUPN p’Dn 1U2 mten erklärend hinzufügt: 'KON, so erblicken wir hierin keine Schwierigkeit und brauchen deßhalb nicht zu der künstlichen Deutung des R. Jakob Chabil im En Jacob z. St., daß das Muffaphgebet während des Tempel- und Opferdienstes anders geformt*) war, unsere Zuflucht zu nehmen, da die Männer des großen Vereins die Gebete gewiß nur während der Zeit einführteu, in welcher der Opferdienst unterbrochen war, welche aber nach Wiederherstellung des Opferdienstes wieder außer Gebrauch kamen und in Vergessenheit geriethen, bis sie wie¬ *) In dem theologischen Gutachten über das Hamb. T. Gebetbuch S. 49 wird auf diese Deutung und namentlich auf den Schluß derselben ein sehr hohes Gewicht gelegt, wobei übersehen wurde, daß er falsch und bereits von dem Commentator nNID HD1 zu den j. Agadoth Berachoth 4, 1 berichtigt worden ist. der nach und nach geordnet und eingeführt wurden. Daß einzelne Gebete später auch während des Tempeldienstes und denselben begleitend nach dem Bericht der Mischnah Tamid 5, 1 von den 'KON gebetet wurde, thut dieser Ansicht gewiß keinen Abbruch, da auch nach uns die Wiedereinführung des GebetcultuS sich nicht mit einem Male plötzlich gemacht, sondern historisch und allmählig sich ausgebildct und wie wir noch später sehen werden, wahrscheinlich in dem Institute der "12272 'KON seinen Ausgangspunkt genommen hat. Ueberdies ist dieser Gottesdienst der 'KON *l2Kf2 gewiß erst spät und nicht vor der makkabäischen Zeit entstanden und hat diese gottesdienstliche Thätigkrit keineswegs wie der spätere Cultus in einer angenommenen Gebetpflicht an sich, sondern in dem Opferdienst selbst und als Vehikel zu demselben seinen Grund, nämlich, daß die Opstr wohlgefällig ausgenommen werden; vergl. Taanioth 27 d: orvnx p*ip by TH HQVn 'KON pro bnpn'KN Wir haben noch Einiges über das Derhältniß der anverw.iten im Talmud sich findenden Erklärungen über die Entstehung der Gebete zu der von uns bis jetzt besprochenen zu erwähnen. Neben der Ansicht des R. Josua ben Levi, daß p'on-oonpsn DUpn die Gebete statt der Opfer eingesetzt seien, macht sich in der b. Gemara Berachoth 26 d auch die Ansicht des N. Jose bar Chanina gelten, daß ülJpn nON m^Dn die Gebete von den Patriarchen schon eingeführt worden seien, bei denen die Rücksicht auf die Opfer nicht vorgewaltet haben konnte. Wird auch in allen praktischen Folgerungen über die das Gebet betreffenden nähern gesetzlichen Bestimmungen im Talmud immer nur erstere Ansicht festgehalten unv zu Grunde gelegt, was ein sicherer Beweis ist, daß diese als die allein richtige in ihm vorherrschend und die lktztere von allen und jeder Berücksichtigung ausgeschlossen war, so können wir doch hier, wo es sich um die Feststellung der Grundprincipien des rabbinischen Cultus handelt, eine in beiden Talmuden und den ältesten Midraschim sich geltend zu machen suchende Ansicht nicht ungewürdigt lassen. Bevor wir aber hierüber zu einem Resultate kommen, wollen wir auf einige Abweichungen in den Stellen, in welchen diese Ansicht zur Aussprache kommt, aufmerksam machen, da wirklich hierin eine Verwirrung zu herrschen scheint. (Fortsetzung folgt.) Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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