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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-05-31 · Heft 22 (31.5.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 22 (31.5.1846)
Date
1846-05-31
Page
– (sequence 12)
Language
German
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lOÖ Hrrrhrimer hingegen im Sinne des Fortschrittes beantwortet worden ist. Papier und Druck sind gut, an Druckfehlern jedoch fehlt es nicht. —m— Noch ein Wort zur israelitischen Reformfrage. Eine Stimme aus dem Volke, vielleicht auch eine Stimme aus der Wüste. Hamburg, bei C. I. Vogel. 1845. Ein merkwürdiges Schristchen! Wir hätten es eher für eine Stimme aus der Wüste gehalten, aus einem Herzen, das mit dem Leben zerfallen, weil dieses hinter seinen Idealen, hinter seinen Hoffnungen zurückgeblieben, nun Alles verdammet, an Nichts mehr seine Freude, seine Befriedigung hat. — Der Vers, ragt nämlich unstreitig noch in die rationalistische Zeit der Schüler Mendelssohns hinaus, deren Grundfehler darin bestand, daß sie für das Gesetz des organischen Wirkens, wie es überall und namentlich auch in der Geschichte der Menschheit hervertritt, kein Auge hatten, daß sie Zdeen verwirklichen wollten, für welche die bisherigen Zustände noch nicht reif waren, und daß sie, wenn es sich darum handelte, den Fortschritt der letzteren zu bemessen, nicht den Maßstab der vergangenen Zustände und das Verhältniß der gegenwärtigen zu ihnen, sondern den der abstrakten Zdee anlegten, und darum nie und uirgknds sich zufrieden gaben. Der Vers, mochte auch einen Wirkungskreis gehabt habe«, der im Anfänge ihn ganz mit der Hoffnung, seine Zdeale da am ersten verwirklicht zu sehen, erfüllte, im Verlaufe aber ihn dergestalt damit täuschte, daß er ganz aus ihm zu schwinden sich entschloß, und bekümmert und betrübt darüber nun auch Alles um sich her mit dem Blicke eines Hypochonder ansieht, und nicht nur mit Einzelnen, sondern mü Al. lem und Jedem, was da seit Mendelssohn und Friedländer für die Reform des jüdischen Lebens geschehen, unzufrieden ist, und in Nichts einen wirkichen, weftnhaften Fortschritt, eine Kräftigung des religiösen Sinnes eine Erneuerung und Erhebung des Lebens sehen will. — Der Vers, hat seinen Namen nicht genannt, weil, wie er sich ausdrückt, Namen in unserer parteivollen Zeit den Stachen mehr schaden, als nützen. — Wenn derftlbe nun aber doch durch die obigen Bemerkungen von dem denkenden Leser errathen wird, so bitten wir, unS das nicht zur Schuld anzurechnen, denn jene Bemerkungen waren nöthig, um dem Leser den psychologischen Schlüssel zum VerfläNdniß des Folgenden in die Hand zu gebe«,' nämlich zur Erklärung all der falschen und paradoxen Behauptungen des Vers., die aus seinem Munde um so befremdlicher klingen, als die ganze Haltung der Schrift den geist- und gemüthsrrichen Mann durchaus verräth. „Was ist denn — ruft er gleich in seinem hypochondrischen Unmuthe aus — bis jetzt in Israel geschehen, das den Namen einer Reform verdiente? Gehet die ganze Literatur der Reforinperiove durch und sehet die Fragen, die erörtert wurden; ist eine einzige Lebensfrage, ein Gegenstand von Bedeutung, Interesse und Wichtigkeit darunter?" Also das Geigersche Prinzip von der lebendigen Fortbildung des Gesetzes in seiner ganzen wiffenschaftlichen Tiefe und historischen Wahrheit; das Holdheim'sche' von der Trennung des Politischen vom Religiösen und die treffende Beleuchtung des ganzen talmudischen Standpunktes Seitens dieses Gelehrten; iingleichen die vielen andern Fragen, welche in den Sänften dieser und anderer Männer, wie in der jüdischen Journalistik überhaupt erörtert worden find. Dieses Alles wäre ohne Bedeutung, ohne irgend ein Interesse? — Was könne — meint der Vers, in Beziehung auf die Reformbewegung in Berlin weiter — aus Nazareth Berlin für Heil kommen, von dem in neuerer Zeit nicht ein Lebenszeichen ausgegangen, das sich selbst noch unter die kleinsten Gemeinden gestellt? Letzteres ist allerdings wahr; aber der Vers, übersieht, daß der Grund wohl in einer äußeren Ursache gelegen, in jener Verfügung von oben, die jede Reform des Bestehenden untersagte. Da mußte freilich hier die starre Orthodoxie ihren Thron aufschlagen, dort Verzweiflung an allem Bcsserwerden und endlich völlige Lauhe>t und Jndifferentismus sich der Gemüther bemächtigen. Daß aber die Saat, welche Mendelssohn und seine Schüler ausgestreut, welche Wissenschaft und Kunst, als deren Metropole der Verfasser selbst Berlin gelten läßt, weiter gepflegt, nicht vertilgt werden konnte, beweist die große Theklnahme, welche die neue Reformbewegung gefunden, der sich bald einige Hundert der achtbarsten Familienväter angeschlossen. (Schluß folgt.) Literarische Anzeige. Im Verlage von $. Schuster in Hersfeld und Homberg ist erschienen: Predigten, Conflrmations-, Trau- und Schuleinführungs-Neden, von vr. M.Heß, Großherzogl. Weimarschen Land-Rabbinen. Zweite Sammlung. brosch.ElM» Sgr. oder fl. 2. 30 kr. Verlag der I. C. Hermarrn'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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