Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1848)
- Date
- 1848-01-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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überwiegender Mehrzahl aus Katholiken zusammengesetzt sin-, als wohl begründet an die Krone gebracht worden waren. Zn dem neu begründeten Cultus-Ministerium waren zwei Abheilungen, die eine für die katholische ,die andere für die protestantische Kirche. Unsere Zeloten erhoben ein großes Zubclgeschrei darüber, daß die Leitung der jüdisch - kirchlichen Angelegenheiten der Abteilung für die Katholiken zugewiesen wurde, in der Hoffnung, daß die schon früher begonnene Hemmung jedes freieren Aufschwungs und die Protektion ihres Strebcns, die alte Nacht und Finsterniß wieder hcrcinzuführcn, nunmehr für immer gesichert sein werde. Allein ihre Freude währte nur kurze Zeit. Schon im Monat Februar wurde das Ministerium Abel mit seinem ganzen Anhänge gestürzt und ganz Bayern athmete frei ans nach der Erlösung von zehnjährigem schwere» Drucke; unsere Finsterlinge seufzten mit den Ultramontaneu über den Unbestand der Dinge hienieden, unterschieden sich aber von jenen dadurch, daß sie auf einmal gang kleinlaut wurden, während sich die gestürzte Partei, welche so lange das Ruder dcS Staatsschiffcs geführt hatte, mit vielem Trotze gegen daS neue System austehnte und nicht viel fehlte, so wäre sie in offene Empörung ausgevrochen. Das neue Ministerium Maurer-Zurhein-Zcnetti wurde von de» Freunden des Fortschrittes aller Confessioncn als ein Ministerium „der guten Hoffnung" begrüßt, und wir Zsraelitcn insbesondere gaben uns der frohen Erwartung hin, daß nun «ach dem geschehenen Umschwünge zum Bessern endlich auch unseren langjährigen Klagen und Beschwerden endlich die so oft schon verheißene Abhülfe zu Theil werden würde. Auch war der Charakter der Männer, welche der König, nachdem er das von den Mächten der Finsterniß gesponnene Netz zerrissen, fein Vertrauen geschenkt hatte, ganz dazu geeignet, eine solche Erwartung zu rechtfertigen. Und diese Erwartung wurde noch bestärkt, als die zu einem außerordentlichen Landtage versammelten Stände sich wiederum mit Wärme unserer Sache annahmen und die Cemmissäre der Negierung erklärten, daß rin neues Judcngesetz nach den Anforderungen der fortgeschrittenen Zeit im Plane der EtaatSregierung liege unv bereits auch schon die nöthigen Einleitungen dazu getroffen worden seien. Doch war eö diesem Ministerium nicht vergönnt, die Hoffnung, welche es auf diesem Gebiete wie auf andern Gebieten erregt hatten, zu verwirklichen; denn bald nach dem Schluffe des außerorvenklichrn Landtages zu Ende des Morrats November wurden die Minister gleichfalls entlassen, und zwar Zenetti, der Minister dcS Innern, auf fein Ansuchen, Zurhein unv Maurer aber ohne ibr Anfu Rn. lieber die Veranlassung zu dieser plötzlichen Veränderung in den Organen der höchsten Staatsverwaltung schwebt noch ein gewisses Dunkel, auch gehört die Erörterung derselben nicht hieher. Wenden wir -mehr unsere Blicke der neuen Verwaltung zu und sehen wir, was wir von den Männern, aus welchen dieselbe zusammengesetzt ist, zu gewärtigen haben. Das Ministerium des Innern wurde dem Staatsrath Berks übertragen, der wegen seiner freisinnigenAnsichten Während der Herrschaft der reaktionären Partei Zurücksetzung und Verfolgungen erdulden mußte. Er soll namentlich auch in Betreff der Iudenfrage sehr liberalen Grundsätzen huldigen. Das Cultusmmist-rmm erhielt nebst dem Departement des Auswärtigen der FL.st von Wallerstcin, der dasselbe auch früher schon in den Jahren 1832 — 37 verwaltet hatte. Wenn er auch damaU, als Minister des Innern, für die Verbesserung der bür- .lichea Lage der Juden nichts Wesentliches ausgeführt hat, obgleich mau diese Erwartung allgemein von ihm hegte, so war er doch in religiöser Beziehung dem enischiednen Fortschritt 'zugethan und begünstigte die gerade damals kräftig aufstrebende Reform auf jede Weife. Um nur Einiges anzuführen, so war er es, der im Jahre 1836 die Kreisspnoden zusammenberief, welche sehr ersprießlich hätten wirken können, wenn ihre Beschlüsse zur Ausführung gekommen wären. Allein dieses wurde eben durch den bald darauf erfolgten Sturz Wallersteins verhindert. Denn mit dem Eintritte seines Nachfolgers Abel begann die Reaktion Anfangs zwar schüchtern nur und vorsichtig, dann aber immer kühner ihr Haupt zu erheben. Von Wallerstein wurden die Querulanten in der Gemeinde Fürth gegen ihren aufgeklärten Rabbiner kurzweg abgcwiefe»; ja dieser Rabbiner, welcher späterhin als angeblicher Neolog und Dcmagog so sehr verfolgt und ohne die kräftige Verwendung deS Gemciadrvorstande-Z und ohne die Anhänglichkeit des bessern und größeren TheilS der Gemeinde selbst feines Amtes entsetzt worden wäre, wurde von dem Ministerium Wallerstein in einer zu seinen Gunsten erlassenen Entschließung ultra zelotischer Gesinnungen beschuldigt, weil er in Verbindung mit einigen andern Nabbineu gegen die Verordnung, Laß die jüdischen Schüler an den Staatsanstalie» am Sabbatschreiben sollten, remonstrrrt hatte. Daß der Fürst feine Ansichten in dieser Beziehung geändert haben sollte, ist um so weniger Zu befürchten, als die Zeit seitdem gewaltige Fortschritte gemacht, als auch sein königlicher Herr sich nachdrücklich gegen das Treiben der Finsterlinge überhaupt erklärt und daS: „Es werde Lichtl" seinem fröhlich aufjauchzeudcn Volke zugerusca hat. (Schluß folgt.) Verlag der Z.'E. Hermarm'schen Buchhauvlung j» Frankfurt a. S3. — Druck vo-r Krähe in Offendach.