Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 10 (7.3.1847)
- Date
- 1847-03-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntmft »md Reform des israelitische« Lebens. Redigirt und herausgegeben ®r. M. Heß, Großhcrzogl. Weimar'schem Land-Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 3 Anzeigen für die gespaltene Zeile 6 aß Nr. IO. Sonntag den 7♦ Marz 1847. VIII. Jahrgang. Ueberblick Schwerin: Offener Brief über die dritte Rabbiner-Bersammlung. (Forts.) — Geschichte des Tages: Hamburg: Das Schofar-Blasen. — Würtemberg: Verschiedenes aus Würtemberg. — Von der bayerisch-sächsrschen Grenze: Cultusverbesserungen im Herzogthum Meiningen. — Literarische Anzeige. Offener Brief über die dritte Rabbinerversammlung. Von Dr. Holdheim. (Fortsetzung.) Hr. A. Adler, wie so viele andere Collegen, welche die Sabbathweihe auf biblisch-mosaischem Standpunkte behaupten, haben sich durchaus nicht klar gemacht, worin diese Weihe eigentlich bestehe? Das sehen sie ein, daß der moderne, oder wenigstens dem Mosaismus gegenüber also zu nennende spätere Begriff der Weihe durch geistige That der Gottesverehrung auf den Mosaismus nicht passe. Um sich also die Verlegenheit zu sparen, für diesen Standpunkt einen Weihebegriff zu bestimmen, drücken sie lieber ganz die Augen über ihn za und sprechen in die Welt hinein, die Bibel verstehe unter Sabbath Weihe und Ruhe. Da der Welt der Begriff von Weihe geläufig ist, rechnen sie mit Sicherheit darauf, von dieser modernen Welt nicht mißverstanden zu werden. Allein der Mosaismus kennt in Wahrheit keinen andern Begriff von Weihe und Gottesverehrung als seinen eigenen, nämlich einen symbolischen Cultus durch Opfer und andere symbolische Riten. Unser Begriff von Gottesverehrung durch Gebet, Andacht, Lesen und Unterricht rc. ist hier durchaus fremd. Daher ist es wohl wahr, daß der Mosaismus unter Sabbat- Weihe versteht. von der er wiederholt spricht, aber eine symbolische Weihe eine symbolische Gottesverehrung durch — Ruhe. — Ruhe ist dem Mosaismus nichts anderes als Weihe; nur ist es durchaus unstatthaft, wenn man diesem Weihebegriff des Mosaismus, der in der Ruhe vollständig erschöpft ist, einen modernen unterschieben will. Man hat sich vom Mosaismus soweit entfernt, daß man in der Sabbathruhe die Weihe nicht mehr findet, will aber diese Entfernung nicht eingestehen und glaubt ihm dadurch sich wieder zu nähren, indem man ihm zu der Ruhe die Weihe hinzufügt, übersieht aber, daß man ihm mit der einen Hand ein Geschenk macht, während man ihn mit der andern seines eigenthümlichen, charakteristischen Wesens beraubt. Hr. A. Adler sazt: „Man fragt, warum denn, wenn Weihe und Heiligung Hauptzweck, und die Arbeitslosigkeit mehr Mittel sein sollte, auf das Arbeitsverbot so ein Nachdruck gelegt werde, und die Uebertreiung mit der Todesstrafe belegt sei? — vergißt aber den gesetzlichen Grundsatz: Lut Justitia, pereat mundus." Hr. Adler hat die Frage ganz einseitig gefaßt und darum eine ganz unrichtige Antwort gegeben. Man fragt nicht nur: warum, wenn die Weihe Hauptsache, die Ruhe blos Mittel sein sollte, auf das Arbeitsverbot so ein Nachdruck gelegt, sondern auch