Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 8 (1847)
- Issue
- Heft 4 (24.1.1847)
- Date
- 1847-01-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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auf der Besserung. Zn seinen Predigten eifert er oft gegen die Misstonsarbeiten und dieselben werden oft von Missionären gehört, welche sie regelmäßig, allerdings auf dem Papier zu widerlegen suchen. Einer jener Hanptseelendiebe ist der Prediger der engkischen Capelle, Mstr. Bellson, welcher, des Deutschen nicht minder mächtig als des Englischen, „den Freund Israels" herausgiebt. Zn genannter Capelle wirken außer Bellson, ein ehemaliger Abkömmling frommer jüdischer Eltern, noch einige andere gestohlene Judenseelen. Den „Freund Israels" mit einer kleinen Legion von anderen Missionsschriften steht man in dem neuerrichteten Lese. Institute, die „Zeitungshalle" genannt, in einer ununterbrochenen Reihe aufgepflanzt. In demselben Institute befinden sich aber auch, als die nächsten Nachbarinnen jener verfänglichen periodischen Publicationen das große Heer der jüdischen Zeitschriften. Man steht da die Juden im Nord, Süd, West, Ost auf dem Papiere vertreten. Möchten sie es auch wirklich in ihren respektiven Landen sein! Jüdische Zeitschriften, welche die Berliner früher kaum dem Namen nach kannten, treten da plötzlich ln natura vor ihr Auge auf! Der Berliner Jude schrickt vor seiner Vertretung in manchen seiner glaubensgenossischen Zeitungen zurück; Es ist indessen vielleicht in Hinsicht vorgenannter Blätter nicht mehr als ein Formfehler, wenn sich im Katalog die Missionszeitungen unter der Rubrik: „jüdische Zeitschriften" aufgeführt finden. Diese Heeresmacht wird von Neujahr an von noch einer Kämpferin oder um mich populärer auszudrücken Söldnerin —rstärkt werden. Ihr Taufname wird wahrscheinlich: „jüdische Kirchenreform" sein, und ausgehend von der Genossenschaft wird sie auch die Genossenschaft werden; Herr Rebenstein soll dieselbe redtgr'ren. Nach einem Beschlüsse des Gefammtvorstandes bleibt sie aber unveräusserliches Eigenthum der Genossenschaft, deren Kasse sowohl den Redakteur besoldet, wie sie auch die Kosten ihrer Geburt und Unterhaltung trägt, natürlich fließen dafür die Ergebnisse ihrer Arbeiten in die genossenschaftliche Kasse zurück. Die neue Zeitschrift wird alle Monat geboren werden, dick etwa 3 — 4 Bogen sein und das Eremplar wird mit einnem Jahresertrag von 1 Thlr. 10 Sg., das Budget bereichern. Der Commerzienrath Carl Heymann ist, wenn ich nicht irre, ihr officiellcr Verleger und Betreiber. Dem Nedacteur, welchem man in allen Stücken nicht zu trauen scheint, hat man noch ein Vorstandsmitglied als intellectuellen Ceusor zur Seite gestellt. Die Zeitschrift zerfällt in zwei Haupttheile in einen officiellen, der von der Gesammtheit des Vorstehercollegiums ausgeht, und in einen nicht ofsiciellen, den der Redacteur vor seinem Abdrucke noch dem Hrn. Vorstehercensor zur Begutachtung und Genehmigung vorlegen muß. Entsteht zwischen Redacteur und Censor eine Meinungsdifferenz, so ist schon im Voraus ein aus drei Dorstandspersonen bestehendes Obercensurgericht ernannt, welches dm Zwist nach Stimmenmehrheit zu entscheiden hat. Zuletzt kommt der königliche Censor. Also wer in die Zeitschrift einen Aufsatz sollte liefern wollen, der hat sich foldenden Behörden zu unterwerfen, erste Instanz: Redacteur; zweite, genossenschaftlichem Censor, dritte, genossenschaftlichem Obercensurgerichte, vierte, königlichem Censur, zu welchen Instanzen noch eine fünfte hinzutreten kann, nemlich das königl. Obercensurgericht. Nachdem der Aufsatz vor den 5 Instanzen bestanden, wird man ihn in der „Zeitung sh alle" lesen können. Wenn diese neugeschaffenen Cem'urstufen vor das Forum der liberalen Presse, der bekanntlich schon eine Instanz zu viel ist, kommen sollte, o! was wird da für ein Zetergeschrei entstehen! Wie leicht könnte es da die Reform mit dieser Macht verderben! Jedoch dürfte der Verleger, der mit Zeitungscorrefpondenten gut steht, sowie genossenschaftliche Sturzuhren, die man den Berichterstattern zufendet, leicht wieder Alles gut machen. Außer diesem neuen Institute, wird mit dem neuen Jahre von dem Vorstande der hiesigen Genossenschaft eine allgemeine Landessynode hierher berufen werden. Bis jetzt verlautet nur davon, officiell ist weiter noch nichts zur Kenntniß der Nation gebracht worden. Jedoch kann ich Ihnen schon folgendes Nähere darüber mittheilen. Es werden in einem Circulair nicht nur die erklärten Reformgenossen in Deutschland, sondern auch alle solche zu einer allgemeinen Lanvesfynode eingeladen, von welchen man weiß, daß sie mehr oder minder reformistisch gesinnt sind. Die Synode soll hier abgchalten und in ihr sollen die Prinzipien festgesetzt werden, welche aller künftigen Reform als Leitfaden und Ausgangspunkt dienen sollen. Natürlich köniue hier der Fall eintreten, daß alles bisherige Thun der Genossenschaft für null und nichtig erklärt werden müßte, wenn irgend die Prinzipien nicht stracks vom flachen Rationalismns, sondern vondemGegcnstandeausgehen.denensiealsBassszuGrunde liegen. Sobald der Plan zu einer größeren Reife gelangen und etwa;ur That werden sollte, werde ich Ihnen noch nähere Nachrichten geben. In Bezug auf das genossenschaftliche Treiben habe ich Ihne i noch die Mittheilung zu machen, daß der Gottesdienst währeuv des Winters nicht um 9, sondern um 9'/, Uhr, sowie daß derselbe jetzt stets Sonnabend und Sonntag ohne Predigt abgeb., - ten wird. Natürlich wird er jetzt nicht so frequentirt, wie ftü her; diesem Uebel wollte man jedoch nach dem Vorschlag? c.s Vorsitzenden (vr. Stern) dadurch abhelfen, daß man an nu Eingangsthüren zum Gotteshause Plakate anbringcn ftlfte