Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 17 (26.4.1846)
- Date
- 1846-04-26
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2566751-2567017-2567035--2007-2569869- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
er für Baruch -r^v'LI abschrieb, und zwar in ynwh, früher gleichfalls in der Nähe Mantua'S, wo Baruch 1472 lebte (cod. Bossi 660). — Ein ähnliches Beiwerk zur Literaturgeschichte ist der andere kleine Aufsatz: Sammlungen und Verzeichnisse (S.230 bis 246); die Liebhaberei am Sammeln setzt immerhin eine gewisse Kenntniß und allgemeine Theilnahme voraus. Wir gestat. ten uns weder aus demselben einen Auszug, noch zu demselben einen Zusatz, um etwa die Berichtigung, daß der hiesige Leseverein bis jetzt nicht drei (S. 248), sondern zwei Kataloge herausgegebea. W>tt eine Seltsamkett muß ich erwähnen, die zwar dem mit den Verhältnissen. Vertrauten wiederholt im Buche sichtbar wird, hier aber in ganz auffallender Weise hervortritt. So oft nämlich eine Angabe Carmoly's benützt wird, sei es zweifelnd oder ohne Bedenken beistimmend, wird dessen Name nie genannt, sondern bloS der Ort, wo die Angabe gemacht wird, wie die isr. Annalen, der Orient u. dgl., während sonst fast nie der Name des. Berichterstatters fehlt; allein hier, wo von Büchersammlungen die Rede ist, ließ es das bibliographische Gewissen des Hrn. Dr. Zunz nicht zu, etwa die Sammlung Cannoly's zu übergehn , was war nun, wo von einem persönlichen Eigenthume, nicht von einer irgendwo befindlichen Notiz die Rede war, zu thun? Ddr Vers, hilft sich auf eigenthümliche Weise; er sagt S. 244: „Ein Ungenannter in Brüssel soll viele Bücher und Manuskripte zusammengebracht haben". Ein Ungenannter! Was denkt sich ded Leser dabei? Er sindet eS wohl sonderbar, daß'der "Besitzer ptzer „Zusamülenbringer" dieser Bibliochek seinen Namen nicht veüch^» drollrÄ aber mckß er es finden, wenn er weiß. daß der Name sehr wHs bekannt ist, aber ein blos vom Vers. „Ungenanntes tjL Ich yuß bekennen, daß dies eine des Verfassers nicht gerade würdige Anwendung des - 3p"i' D'Vtzn DP ist, mag auch Carmoly in feinem Augen als großer Verbrecher erscheinen (vgl. S.371.) Dies führt mich zu der vierten großen Abhandlung: das An. denken des Gerechten 05.304 — 458).f$iefe^n dreizehn Abschnitte getheilt, stellt in I. (— S. 317) Begrüßungsformeln, überhaupt gebräuchliche fteunvliche Wünsche, welche man in der Anrede oder bei Erwähnung eines Lebenden hinzufiigte, in II — VN iovl. (— 371) die Formeln der Seligkeitssprechung und SeligkeitS. wünsche, welche mau bei der Nennung eines Verstorbenen aus. sprach; VllI (— 369) bespricht dann, wem das Zudenthum die Seligkett zuerkenne, IX (— 404) die Grabstätten und waS uns von ihnen erhalten ist, X (— 421) sammelt sammtliche bekannt gewordene Inschriften auf Grabsteinen, XI (— 441) stellt die auS solchen Grabsteinen uns zugehenden Ausschlüsse über Mitgüeder berühmter Familien zusammen mit sonstigen Nachrichten über diese Familien und liefert so Beiträge zur genauer» Kenntniß ,nehrerer Geschlechter, XII (— 447) gibt die Namen für den Denkstein und die Bezeichnungen an, welche auf demselben für „sterben" gebraucht werden, und endlich weist XIII nach, welche Zrrthümer bei der Lösung der Abbreviaturen in diesem Gebiete geherrscht haben und stellt dieselben dann in drei Tabellen zusammen. Ans dieser schönen Abhandlung, einer gediegenen Frucht liebender Pietät, find uns besonders der 8. und der 11. Abschnitt seinem Inhalte nach wichtig, und es ist angemessen, über sie noch etwas ausführlicher zu berichten. Der Vers, geht im ersteren richtig davon aus, daß „das künftige Leben, mochte es nun ein besseres irdisches oder eins der seligen Geister sein, nur mit Auferstehung und Weltgericht verbunden gedacht wurde und als Signal der Erlösung galt." Letzteres hätte noch bestimmter ausgedrückt werden können, daß die Herankunft des Messias als eines weltlichen Königs der Juden . damit in Verbindung stand, wie denn überhaupt die nicht durch . Philosophie geläuterte talmudisch-jüvische Vorstellung in dem künftigen Leben lediglich ein mesfianisch-irdischcs. nicht aber eines der ."seligen Geister erblickt (vrgl. meine „Lesestücke aus der Mischnah S. 41 ff."), und aus der Darstellung, welche Zosephus (Altertb. * XVIII, 1, 3 und 4) von der Lehre der Pharisäer über diesen Punkt macht, geht, wenn man die von ihm hinzugefügte griechische Färbung abzieht, dasselbe hervor. Nur die philosophisch Gebildeten sprechen von einem reinen Geisterreiche als von der künfttgen .Welt, und die einander zuwiderlaufenden Vorstellungen, welche bei ihnBi von dem Reiche der Geister und dem talmudischen messianischen nach der Auferstehung der Leiber sich begegnen, verwickeln sie in mannichfache Widersprüche, die z. B. MaimonideS zur verhüllten Leugnung der Auferstehung und zur Degradirung des Mesfiasreiches — die Menschen sterben auch zu jener Zeit und dgl.— > führten, zur Behauptung anleiteten, die Ansichten von Auferstehung -*ftien blos blldliche für die Kinderstufe des Menschengeschlechtes, ^die er aber doch nicht frei aufzustellen wagte und Angriffen gegenüber in Abrede stellte, während z. B. Nachmanides eine doppelte zukünftige Welt annimmt. (Schluß folgt.) Literarische Anzeigen Im Verlage der Zoh. Christ. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. ist erschienen: Becker, K« F», a grammar of the german language. 2 edit. gr. 8. 1844. broschirt. fl. 2. 24 kr. od. Rthlr. 1. 12 ggr* Verlag der Z. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Krähe » May in Offenbgch.