Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 15 (12.4.1846)
- Date
- 1846-04-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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dunkle Sprache waren ihnen dichterischer Ausdruck für den einzigen Ort, wo sie der Poesie eine Zuffuchtstätte gestatteten. DaS Gotteshaus war diese Stätte, nach dem Vorbilde der alten Morgenländer und der Italiener, und Spnagogalpoesien sind es, die uns Kunde geben von ihren dichterischen Leistungen; rriliJ n"i:n '2 (wer vermag die Leiden zu erzählen?) — der Anfang eines Klageliedes von Raschi über die Leiden beim ersten Kreuzzuge von V'Jrin oder 1096 — ist der immer wiedcrkehrende Grundgedanke des Inhaltes, und auch die Sprache stimmt ein solches Klagelied an über die Gewaltsamkeit, die sie unter den Händen dieser Männer erfahren mußte. Wenn man noch einige Gedächtuißreime für halachische Gegenstände hinzufügt, so ist das Gebiet der Poesie unter Deutschen und Franzosen geschlossen. Daß man bei einer genaueren Bekanntschaft, die uns hier mit dieser Periode des Mittelalters eröffnet wird, ungern die Vorführung dieses Literaturzweiges vermißt, ist um so natürlicher, als gerade doch im Gedichte der innerste Trieb und das tiefste Sehnen der Brust sich äußert und die herrschenden Ueberzeugungen der Zeit uns klar und lebhaft sich vergegenwärttgen; doch dürfen wir wohl hoffen, daß ein zweiter Band uns auch eine umfassende Uebersicht hierüber bringen wird. Wir haben bis jetzt meistens über die Richtung, welche die Arbeiten dieses Bandes durchzieht, gesprochen und uns zunächst an die eine Abhandlung gehalten, welche wohl auch als die wichtigste anerkannt werden mag; wir haben es jedoch auch hinlänglich ausgesprochen , daß die Auffindung der Werke, die Feststellung der Verfasser, die Kunde anbekanvter Männer, die Angabe der Zeiten, mit der Gelehrsamkeit, Gründlichkeit und dem Scharfsinn behandelt sind, die wir an des Hrn.. Verfassers Werken ztt bewundern schon längst gewohnt find. Ueberall begegnen uns neue Aufschlüsse und NachweisuriHen, und die Unsicherheit, mit der man sich bisher in diesem Gebiete bewegt hat, wird nun für Jeden, der das Studium dieses Buches sich angelegen sein läßt, aufhören. Daß einzelne Berichtigungen und Zusätze gegeben werden können, ist bei einer solchen umfassenden Bettachtung nicht anders möglich, und es wird auch mir an Gelegenheit nicht fehlen, solche Zusätze zu liefern., welche den Zusammenhangdieser Recension stören würden; doch wird darum der Werth dieses Buches nicht verringert. Vermißt wird ungern die Berichtigung von Irrthumern, welche in die Rachrichten über Werke und Verfasser sich eingeschlichen und die der Hr. Verfasser blos durch sein Stillschweigen beseitigt; allein bekanntlich wird ein Irrthum nicht durch Igno. riren, sondern durch gründliche Widerlegung geheilt. Dahin gehören z. B. durch Verwechslung und falsche Vermuthung untergeschobene Werke; so wird daS Sittenbuch Sefer Ha-Iafchar, dadurch, daß Jakob Tham gleichfalls ein Bach (aber halachischen Inhaltes) unter diesem Titel geschrieben, auch demselben beigelegt, nur daß es bald dem alten aus Ramerü, bald dem jüngern aus Orleans zugeschrieben wird, während es offenbar gar keinen Franzosen zum Verfasser hat, so hat Heidenheim durch einen seltsamen Einfall zum Verfasser des philosophisch-halachischen 12X2 ten den Elieser b. Nathan gemacht, während es weit spätem und offenbar spanischen oder provenzalischen Ursprungs ist. Solche negative Nachweisungen haben oft denselben Werth wie die positiven, und sie zu liefern würde sich wohl auch Gelegenheit finden. Es bleibt nun noch übrig, daß wir dem Leser die andern Abhandlungen dieses Bandes vorführen; dies sei die Aufgabe eines dritten Artikels. Breslau, 7. Januar 1846. Literarische Anzeigen. Mit October 1845 hat der zweite Jahrgang des in London erscheinenden Ide levisd Chronicle (New Series) begonnen. Alle 14 Tage erscheint eine Nummer (ein Bogen in gr. 4°). Ertra - Blätter werden gratis geliefert. Wir haben den Debit für Deutschland übernommen und gelten für Deutschland folgende Preise: Für 12 Monate 4 f „ 6 „ 2'/, „ „ 3 „ IV, „ zu welchen Preisen jede Buchhandlung es liefert. Der erste Jahrgang (von 28 Nummern) steht ä 4 / auf Bestellung sogleich zu Diensten. Probe-Blätter sind an alle Bitchhandlungen versandt. Hamburg, Februar 1846. Heroldssche Dnchlsandlnng. Im Berlage der Job. Christ. Hermann'schen Buchhandlung in. Frankfurt a. M. ist erschienen: Kunstsymbolik, Christliche, und Ikonographie. Ein Versuch, die Deutung und ein besseres Verstandniß der kirchlichen Bildwerke des Mittelalters zu erleichtern, gr, 8. 4839. Rthlr. 1. 16 ggr. od. fl. 3. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. -- Druck von Krähe & Map in Offenbach.