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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-15 · Heft 11 (15.3.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 11 (15.3.1846)
Date
1846-03-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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56 Sebent nöthig mW brauchbar werden können? Wie kann das, was fite jeden Einzelnen, auf dem höher» Standpunkt der Innerlichkeit stehend, untauglich und überflüssig ist, für die aus solchen Individuen zusammengesetzte Gemeinschaft zum Bewußtwerden des gemeinsamen geistigen Lebens tauglich und nothwendig genannt werden? Bevor etwas ein gemeinsames geistiges Leben zum Bewußtsein soll bringen können, muß es erst die Eigenschaft haben, ein geistiges Leben überhaupt anregen zu können, welche generelle Eigenschaft zugestandenermaßen das Symbol nicht hat und dämm auch die specielle sicherlich nicht haben kann. — Die zweite petitio priucipii begeht der Berf. dadurch, indem er den Lordersatz zu beweisen unterließ, daß das Religio ns leben in äußer» Handlungen zur Anschauung gebracht werden kann, um hieraus die Conclusion: „um sich des gemeinsamen geistigen Lebens bewußt zu werden", zu rechtfertigen. Denn das ist es eben, was wir bestreiten, daß der heutige Mensch auf der gegenwärtigen Bildungsstufe ssein Religionsleben in äußern Handlungen, die mit Religion und Sittlichkeit nichts zu thun haben, und die not den innern Vorgang im Gemüthe symbolisch veranschaulichen sollen, zur A n sch a u u n g bringe. Zeder, der. solche äußere Handlungen sieht, kann sich darüber nurchöchstens wundern, wozu der, welcher sie ausübt, es nöthig habe, seinen innern Seelenzustand, mit dem er sich an Gott richtet, durch äußere willkürliche Formen darzulegen nöthig Habe. Zeder der mit ihm zu gleichem Zwecke der Gottesverehrung an einem Orte oder irgend einem geistigen Vereinig'ungspunkt zvsammentrisst, öennLAinlänglich den gemeinsamen Zweck, der fie hier vereinigt. MW, als das Wort, den natürlichsten Ausdruck des Intern, wird ßMnand für nöthig finden, um sich des gemeinsamen geiftigen Leb», das in den gemeinsamen -Gedanken und Gefühles welche daGWort aüSdrückt, besteht, bewußt-zu «verhen. Doch HrFHirsch fähE fort,Didie NothwendtKeit ^symbolischer. Handlungen für den Menschen deff Gegenwart mit einer ans Unglaubliche streifenden Sophistik zu vertheidigey, welches uns-bei diesem redlichen Forscher nur durch einen Rest von Liehe zu jertyem überwundenen und namentlich in dieser Schrift aufgegebenen altera Standpuntt erklärlich scheint. „Zch fordere," sagt er ,ft»och heute firr die Religion symbolische Handlungen sowohl für den öffentlichen Gottesdienst als für das Privat^ben." Der Beweis ist »ach dem Vers, folgender. Die Religion Dndet ihre wahre Verwirklichung mir in der Uebung von Tugend und Gerechtigkeit, die zwar in irdischen aber dich nur aus dem Geiste der Religion geflossenen Handlungen, wobei Alles auf die sittliche Triebfeder, die leitende, tugendhafte Gesinnung ankommt, bestehen. „Soll also der Mensch" — das sind des Verf. eigene Worte — „nicht Gefahr laufen, einer äußerlichen, egoistischen Legalüäi zu verfallen, so bedarf er symbolischer Handlungen, die eben gar keinen Werth haben und zu einem müßigen Spiele herabsinken, wenn fie ihm nicht gerade die religiöse, tugendhafte Gesinnung vergegenwärtigen." Welch ein dialektischer Proeeß! Weil selbst Tugend und Gerechtigkeit, das wahrhafte Wesen der Religion, wenn fie nicht aus reiner Gesinnung fließen, vor Gott keinen Werth haben und dem sie Ausübenden den religiösen Charakter nicht verleihen, sollen dem Menschen, dem jene religiöse Gesinnung fehlt, äußere, an sich werthlose, mit dem Wesen der Religion in keinem Ürnern Zusammenhang stehende Handlungen die religiöse, tugendfeste Gesinnung vergegenwärtigen! Die religiöse Eigenschaft symbolischer Handlungen besteht ja nur darin, daß fie dem Menschen auf einer gewissen Culturstufe als eine sinnlich-äußerliche Darstellung seiner innern Frömmigkeit, seiner nach Einigung mit Gott hinstrebenden Gesinnung gelten, und find darum für den Menschen, der das wahre Wesen der Religion in der rechten Uebung von Tugend und Gerechtigkeit erkennt und dadurch allein mit Gott in wahrhaft geistige Verbindung treten zu können weiß, aller religiösen Eigenschaft baar und ledig, können daher eine religiöse, tugendhafte Gesinnung unmöglich vergegenwärtigen. Aber Hr. Hirsch verlangt für das heutige Zudenthum nicht blos Symbole, sondern „noch charakteristisch jüdische Symbole." Dieses Verlangen wird folgenderweise motivirt. „Denn", sagt er, obgleich die religiöse 'Aufgabe des Judenthums und die Aufgabe der heutigen Menschheit eine und dieselbe ist, so ist die Menschheit 1) noch nicht dahin gekommen, ihre Aufgabe als eine religiöse zu fassen, viel- 'mehr glaubt sie dieselbe durch Vernichtung aller Religiosität er- - füllen zu können; und 2) warum soll der Jude eö sich nicht im- * nier vergegenwärtigen, daß seine Geschichte eben seine Geschichte daß sie ihn auch mehr wie jeden Andern auffordert, an der Werwirklichung der Wahrheit auf Erden kräftig und unablässig zu Mjbeiten." Luch hier könnnen wir uns mit dem Verf. nicht einverstanden erklären, und finven wir seine Beweisführung sehr lücken- Hmd mangelhaft. Herr Hirsch ist (ad l) überzeugt, daß die Aufgabe des Zudenthums mtt der der Menschheit zusammenfalle, nur Haffe diese Dicht wie das Zudenthum die gleiche Aufgabe als eine Weligiöse, und um die Menschheit dahin zu bringen, daß sie ihre Hlufgcche als eine religiöse auffaffe und nicht auf die Vernichtung AlletHeligiosität hinarbeite, müsse das Zudenthum seine Aufgabe syrylboHi'siren und sie dadurch all eine religiöse darstellen. Ist "abe.v die Aufgabe an sich eine religiöse und wird selbe vom Zudenthum als solche ohne alle Symbolik erkannt, warum sollte man verzweifeln, die übrige Menschheit von der religiösen Eigenschaft dieser Aufgabe durch Wort und Schrift überzeugen zu können und der Gotteskraft der Wahrheit mißtrauend, zu einer Symbolik seine Zuflucht nehmen müssen? Warum soll das Zudenthum um die übrige Menschheit zu erleuchten, das Licht der Wahrheit in sich selber durch eine für dieselbe überflüssige Symbolik verdunkeln müssen? Als ursprünglich fürs Zudenthum durch Gott eine Symbolik geschaffen ward, stand es selber noch auf einer niedrigen Erkenntnißstufe und mußte ihm selber die Erkenntniß seiner religiösen Aufgabe erst durch ein symbolisches Gesetz vermittelt werden. (Fortsetzung folgt.) Verlag der Z. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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