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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-03-08 · Heft 10 (8.3.1846) · page 16

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 10 (8.3.1846)
Date
1846-03-08
Page
– (sequence 16)
Language
German
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sondern seinen Zweck in sich selber hat und der Mensch durch das schlechthin sinnliche in eine Verbindung mit dem geistigen und übersinnlichen Gott tritt, ist zu unverständig und mit dem obersten Prinzip des Mosaismus von der Geistigkeit Gottes in zu auffallendem Widerspruch, als daß wir sie einer ernstlichen und wissenschaftlichen Widerlegung werth halten sollten. Wir haben es hier vielmehr mit derjenigen Seite der talmudischen Orthodoxie zu thun, die in dem mosaischen Gesetz eine Symbolik wohl anerkennt, die im Talmud ihre Verttetung findet und welcher alle nachtalmudischen Religionsphilosophen von Sadias Gaon bis zu den wissenschaftlichen Repräsentanten der jüdischen Orthodoxie in der Gegenwart wie R. Hirsch, Frankel, Aub rc. herab, beigetreten find, unb welche Ansicht nur darin uns entgegen ist, daß sie diese Symbolik des mos. Gesetzes für eine absolute und ewige hält. Diese suchen wir wissenschaftlich zu bekämpfen indem wir ihr die Widersprüche und Jnconsequenzen entgegenhalten, aus denen sie sich unmöglich herauswinden kann. Dann erklärt sie von der einen Seite die Symbolik des mos. Gesetzes für eine ewige und absolute, so mußte sie, da ihr Zweck selbstbewußte Heiligung des Menschen wie Gott heilig ist, in der geistig-sinnlichen Natur des Menschen über. Haupt, vermöge welcher die sinnbildliche Darstellung des Idealen durch das Reale unv zwar durch ein bestimmtes durch Gott selbst ein für alle Mal für die Menschen festgesetztes Reale ihm zum Zwecke seiner Erhebung und Heiligung ewiges Bedürfniß ist, ihren ewigen Grund haben. Wäre aber dies der Fall so würde cs unbegreiflich scheinen, warum von der andern Seite nur die Juden allein und nicht auch die ganze übrige Menschheit gleich diesem ebenso auf das ganze symbolische Ceremonialgesetz verpflichtet sein sollte als sie mit den Juden die geistig, sittliche menschliche Natur theitt, vermöge welcher eine solche Symbolik ihr zum Zwecke ihrer Verbindung mit Gott, dem Vater der ganzen Menschheit nothwendiges Bedürfnis ist, und wie dieser die sieben noachidischen Pflichten, die bis auf das eine, den Genuß des Fleisches vom lebendigen Thiere betteffende, lauter Gesetze der natürlichen Religion find, genügen, ja zur Erreichung der Seligkeit genügen sollten. Diese übrige Menschheit wird nach der orthodoxen Lehre des Talmuds von dem symbolischen Ceremonialgesetz so sehr fern gehalten, daß nicht blos die Ausübung eines derselben, namentlich des theokratischen Bundesgesetzes, die Heilighaltung des Sabbath, sondern auch die Forschung im symbolischen Gesetze ihr bei Todesstrafe untersagt ist (Sanhedrin 58 b, 59 a). Wie, möchte man fragen, sollte bei der ganzen übrigen Menschheit eine so hohe Stufe geistiger Erkenntniß vorausgesetzt werden, daß für sie ein sinnlichäußerlicher symbolischer Cultus zur Erreichung der Seligkeit bei Gott entbehrlich ist, und nur für Israel allein, aus dem Licht und Leben über die ganze Menschheit sich ausbreiten sollte, eine Symbolik, wie sie der niedrigen Anschauung, welche das Geistige nur durch das Sinnliche, das Ideale nur durch das Reale zu fassen und es an sich zu bringen im Stande ist, Bedürfniß ist, als nothwendig, und noch dazu für alle E w i g k e i t als absolut nothwendig erklärt worden sein? Wie, sollte die übrige, profane Menschheit eine höhere Stufe geistiger Erkenntniß einnehmen, für einen höhern Dienst der Innerlichkeit fähiger sein, als das heilige Bundesvolk Gottes? Um sich aus diesem verfänglichen Widerspruch zu retten, wird die orthodoxe Ansicht einlenken müssen und sagen: der symbolische Cultus des Mosaismus ist nicht in der geistig-sinnlichen Natur des Menschen an sich, in der menschlichen Anlage und Fähigkeit für die Erfassung und Aneignung übersinnlicher Verhältnisse überhaupt, begründet, sondern in dieser in Verbindung mit dem eigenthümlichen historischen Verhältnis: in welches Israel durch seine Auserwählung und sein Bündniß mit Gott gebracht worden ist. In dem theokratischen Verhältniß, durch welches Jehova, der Gott und Vater der ganzen Menschheit, mit Israel in ein engeres und innigeres Bündniß denn mit der übrigen Menschheit getreten ist, um ihm die Fülle der göttlichen Wahrheiten zu offenbaren und es dadurch ganz besonders zu heiligen und zu reinigen, hat die reichhaltige unv umfassende Symbolik des mos. Cultus, welche, indem sie jene unerschöpfliche Fülle der göttlichen Wahrheiten stets offenbart, für Israel ein fortwährend fließender, lebendiger Quell der Offenbarung und der Heiligung geworden ist, ihren Grund. (Fortsetzung folgt.) Literarische Anzeigen. Im Verlage der Job. Christ. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. ist erschienen: Becker, 1£• F., a grammar of tlie german language. 2 edit. gr. 8. 1844. broschirt. fl. 2. 24 kr. od. Rthlr. 1. 12 ggr. Jansen, William, practica! mercantile correspondence with german notes and an appendix containing forms of invoices, bills of lading etc. and abbreviations and explaining mercantile technicalities. gr. 12. 1842. brosch. Rthlr. 1. od. fl. 1. 48 kr. Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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