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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-02-15 · Heft 7 (15.2.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 7 (15.2.1846)
Date
1846-02-15
Page
– (sequence 12)
Language
German
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3) G. Fr. Oehler: Prolegomena zur Theologie des A. T. Stuttgart 1845. Liesching. VIII. u. 95 S. 8. Diese Schrift will zunächst ein Prinzip aufstellen, von welchem aus die Theologie des A. T. zu begreifen und zu entwickeln sei und findet dies darin, daß alle hierherigen Erscheinungen des A. T. von der Entwicklungsstufe der adäquaten Erscheinungen des R. T. aus beurtheilt unv begriffen werden müßten. Ein offenbar verkehrter Weg, indem vielmehr ein richtiges Verständniß der Thologie des A. T- .nur dann vorausgesetzt werden kann, wenn die zunächst für fich unv von allen spä.ern Erscheinungen unabhängig anzuüellenve Betrachtung je einer einzelnen Erscheinung des A. Tso von Statten gegangen ist, daß fie ein Gebilde gibt» das ein intcgrirenves Glied in der gesainmten Entwicklungsreibe ist; und wenn sämmtliche so aufeinanderfolgende Glieder von selber zum N. T. Ähren sollten. Gleichwohl ist diese Schrift, abgesehen von ihrer dogmatischen Befangenheit, dadurch nützlich, daß fie in kleinem Raume eine ziemlich vollständige Geschichte der gelehrten Behandlung der Wissenschaft gibt, zu welcher fie die Prolegomena enthalten soll. Enthalten unsere biblischen Schriften wirklich nicht die Lehren, welche ihnen häufig abgesprochen werden? Eine Predigt, gehalten am Sabbath “)!"□ (24. Mai) d. Z. von Dr.° Herzfeld, Braunschweigischem Lanvrabbiner. Braunschweig, Verlag von G. C. E. Mayer sen. 1845. Herr Dr. Herzfeld ist unseres Wissens der Erste, welcher es unter den neueren jüdischen Predigern versucht hat, sogenannte dogmatische Predigten in Aufnahme zu bringen. Er hat bereits mehrere dieser Art durch oen Druck veröffentlicht, welche wichtige Punkte der jüdischen Religionslehre mit großem Frcimuthe besprechen. und, der Natur der Sache nrch. von den verschiedenen Parteien, in welche die jüdische GlaubenSgenossenschaft heutzutage ge. theilt ist, sehr verschieden beurtheilt worden sind. Auch läst sich wohl darüber streiten, ob es nur überhaupt rathsam sei, derartige Gegenstände auf der Kanzel, vor einem sehr gemischten Publikum, zu besprechen. Die gegenwärtig unserer Beurtheilung unterliegende Predigt jedoch wird, wenigstens ihrer Tendenz nach, von allen Parteien mit Beifall ausgenommen werden. Denn der Redner be. müht fich in derselben mit glücklichem Erfolg einen Vorwurf von der jüdischen Religion abzuwälzen, der sehr oft aus dem Munde der Christen nicht nur, unv zwar hauptsächlich von Kanzeln unv Lehrstühlen herab, sondern auch aus dem Munde von Juden selbst vernommen wird, den Vorwurf nämlich, daß die erhabensten Lehren, welche das Ehristenthum durch seine Bekenntnißschriften unter die Völker verbreitet hat, diesem ausschließlich zugehörten, in den biblischen Büchern hingegen, worauf unsere NtligionSlehre gegründet ist, nicht zu finden wären. „Wahrhaft widerwärtig klingt es", sagt vr. Herzfeld in der Einleitung l.S. 7) „und empört jedes religiöse Gefühl. wenn Juden unv Jüdinnen mit süßlichem Geschwätz und mit andächtigem Augenverdrehen von den herrlichen Dingen -in der christlichen Religion reden, ohne zu ahnen oder fich bedeuten zu lassen, daß fie nur brauchten die jüdische Bibel anzukaufen unv einmal vurchzulesen, um dieselben herrlichen Dinge eben so deutlich, eben so kräftig und bündig von jüdischen Gottesmännern ausgesprochen zu finden, die dreihundert, fünfhundert, fünfzehnhundert Jahre vor dem Stifter der christlichen Religion gelebt haben." Der' Redner führt nun rer Reihe nach acht Punkte auf, welche zu Gunsten der christlichen Religion der jüdischen abgesprochen werden, nämlich 1) die.Lehre von einem allgemeinen Gott; 2) die Lehre von einem gütigen, liebevollen Gott, bei welcher Lehre besonders die jüdische Religion zu Ehren der christlichen mißhandelt werde; 3) die Lehre vou der Milde und Versöhnlichkeit Gottes, indem man sagt, dem Gotte, welchen das Judenthum lehret, werde nur genug gethan durch den Tod des Sünders, durch den blutigen Tod, welcher auf so viele Uebertretungcn der mosaischen Gesetze angesetzt sei; 4) giebt man auch zu, daß Gott Güte und Milde, Barmherzigkeit und Versöhnlichkeit für Israel habe, so wird doch abgeleugnet, daß die übrigen Nationen daran Theil haben, erst Christus habe Gott als den gütigen Vater aller Menschen kennen gelehrt; (dieser Punkt Mt gewissermaßen mit dem ersten zusammen); 5) Weiter hat man vkr jüdischen Religion die Gutheißung des Formendienstes und seelenloser Werkheillgkeit vorgeworfen; erst der Stifter der christlichen Religion habe gelehrt, Gott im Geiste und in der Wahrheit anzurufen; 6) die christliche Religion wird ausschließlich als die Religion der Liebe bezeichnet, indem fie allein die Liebe als höchstes Gebot aufstellt; 7) so hat man auch behauptet, die höhere Bedeutung der Ehe. ihre sittliche Natur sei nicht durch die jüdische Religion anerkannt, sondern erst durch das Christenthum gelehrt worden; 8) endlich hat man unfern biblischen Schrift ten die Lehre abgesprochen, daß die menschliche Seele unsterblich sei. oder ist wenigstens von Andern geleugnet worden, daß sie eine Vergeltung nach dem Tode kennen; beides oder wenigstens das Letztere fti zuerst von dem Stifter des Christenthums gelehrt worden. Bei allen diesen Punkten weist nun der Redner durch Anführung der kräftigsten Kernsprttche aus der Bibel, den Apokryphen und der Mischnah nach, daß jede dieser erhabenen Lehren, welche angeblich erst mit dem Christenthum in die Menschheit eingetreten sein sollen, schon lange vorher aus dem Munde der jüdischen Propheten und Lehrer vernommen worden sei, also nur mit dem größten Unrechte von der Befangenheit und dem Vorurtheile dem Juventhume abgcsprochen werde. „Nun kommen.allerdings in unseren biblischen Schriften sehr zahlreiche Stellen vor", heißt es dann gegen den Schluß (S. 23), „die den angeführten bald mehr bald weniger entgegcnstehen, allein — diese setzen nicht die jüdische Religion wieder auf eine tiefere Stufe herab, sondern zeigen blos, daß nicht alle unsere Gottesmänner auf der gleichen Höhe der religiösen Anschauung standen, manche auch auf ihrer eigenen Höhe sich nicht durchweg zu erhalten vermochten." Und dann weiterhin (S. 24): „Wer über die jüdische Religion urtheilen will, muß nicht vergessen, die prophetischen und apokryphischen Schriften unv die Psalmen („das Herz der Bibel") um Rath zu fragen, nicht nicht aber schon mit Moses abschließen, um dann alles Schöne und Erhabene, was er in den übrigen Büchern findet, christlich zu nennen, wie ras tagtäglich geschieht, oder zu sagen, in vem und jenem Verse sei der Standpunkt des alten Bundes überschritten, da es doch einzig richtig ist, den Standpunkt des a. B. erst aus solchen Stellen zu ermitteln." Der Vortrag ist mehr didaktisch als rhetorisch, was wohl die Natur des behandelten Gegenstandes mit sich brachte. Die Steft len find durchgängig gut gewählt, so weit die Beweisführung fich klar und bündig unv ungezwungen darstellt. Nur m der Behandlung des vierten Punktes hat fich der Verfasser eine Ungenauigkeit u Schulden kommen lassen. Er sagt nämlich hier (S. 16), daß, o oft in der heil. Schrift von dem Fremden (-tf) die Reve sei, darunter ein Heide verstanden werde, der in Geschäften oder als Arbeiter eine Zeit lang im jüdischen Lande fich anfhalte, und S. 17 oben wird das Wort Heide noch näher durch Götzendiener erläutert. Allein unter im Pentateuch ist kein Götzendiener zu verstehen. Denn wenn wir auch nicht ven Erklärer» folgen wollen, welche an den meisten Stellen plS darunter verstehen; wenn wir auch abschen von, dem Ausspruch des Talmuds inFX mb: biNi -ny1? rby bap» bs aann, so zeigt doch die ganze mosaische Gesetzgebung zur Genüge, daß Götzendienst und Götzendiener in ihrem Staate nicht geduldet wurden, sondern die Fremden, welche sich im Lande aufhalten wollten, dem Götzendienste entsagen mußten, ob fie gleich nicht zugleich das ganze mosaische Gesetz zu beobachten verpflichtet waren, mithin auch nicht als Juden betrachtet werden konnten, weder der Volksabstammung noch der Religion nach. Hr. vr. Herzfeld verspricht seinen Zuhörern, daß er ihnen in ferneren Vorträgen zeigen werde, wie die jüdische Religion dazu gekommen sei. in zwei so verschiedenen Bahnen auseinander zu laufen, als wir in dem rabbinischen Juventhume und im Christenthume erblicken, und dann di»- Frage zu erörtern, ob d.w Aufhören dieser unseligen Trennung nicht anznbahnen sei auf dem Wege einer wahrheitsliebenden Verständigung. Gewiß ist diese Zuficherung mit innig«- Theilnahme vernommen worden; auch uns sollte eS Vergnügen gewähren, dem geehrten Redner recht bald wieder auf diesem Gebiete zu begegnen._ — M — - Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in FranWrt a. M- Druck von Frier. Krähe in Offenbach.

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