Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 6 (8.2.1846)
- Date
- 1846-02-08
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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„aus den goldenen Kernsprüchen der Abothabschnitte (welch' eine unwissenschaftliche Bezeichnung! NQX 'pHE, warum nicht des Traktats Lboth?) nur zwei ausgewählt, die gerade nicht zur Empfehlung gereichen können", man ersehe daraus meine Absicht und bei der letztem der zwei gewählten Stellen sei mir offenbar dämm zu thun. „die Mischnah zu perfifliren". Wir wollen unS zuerst einmal dieses naive Geständniß merken; es giebt also Stellen in der Mischnah, und zwar selbst in dem Tract. Abvth, der gerade den hohem sittlichen Standpunkt repräsentirt, die ihr nicht zur Empfehlung gereichen können, und warum wird Dies nicht mit voller Unbefangenheit, bei aller Anerkennung des Guten darein, auch an andern Orten klar und unzweideutig ausgesprochen? Mein ich habe einseitig ausgewählt, das Gute unterdrückt und das, was einm Schatten auf die M. werfen kann, hervorgehoben. Und dennoch hätte ich Nr. 1 — 3, 10. 13. 14. 18 , 23 , 26 bis 28, welche schöne Lichtpunkte enthalten, ausgenommen und andere Stellen, welche wahrlich nicht weit zu suchen sind, wenn es gilt. Unreifes und Unklares auszuwählen, zurückgelassen? Armselige Klatschsucht! Es sollte, wie ich in dem Vorworte ausdrücklich sage, durch die ausgewählten Stücke ein klares, wahrhaft-getteues Bild von der Anschauungsweise der M. gegeben werden, nicht eine Blumen- und nicht eine Dornenlese. Mir ist jene sudlimirende, verherrlichende Manier ebenso widerwärtig wie die einseitig anschwärzende; Wahrhaftigkeit und Redlichkeit, ohne Vorurthell und ohne Vorliebe, ohne Winkelzüge und ohne Nebenabsichten, das ist meine Devise, und mit ihr hoffe ich Wissenschaft und Neligion gefördert zu haben und ferner zu fördern, mit ihr werde ich auch allen elenden Verläumdungen die Spitze bieten. Daß ich nicht MehreS aus Aboth ausgenommen, hat seinen Grund einfach darin, weil dieser Tractat unzählige Male übersetzt und erläutert ist und ein Werk der Wissenschaft sich nicht mit ttivial Geworrenem aufhalten soll; hätte ich einen größeren Theil des ohnedies karg zugemeffenen Raumes mit solchen Stellen gefüllt, so wäre das Bild ein schiefes geworden. und der Rec. hätte eine bequeme Anklage über Abgedroschenheit anbringen können. Daß ihm diese entgangen, kränkt ihn; mag's immerhin! Ucber meine „Persiflage" in Nr. 30 verliere ich gegen den Rec. kein Wort; wer meine Erklämng liest und den Ton beachtet, in welchen sie gefallen ist, wird erkennen, wer hier der Perfiflirende ist. In Nr. 32 stimmt einmal der Rec. einer selbstständigen Erklärung in Betteff der Benennung des Nikanorthores ausdrücklich bei; wir wollen uns auch Dies merken. Die selbstständige Erklärung ist sogar hier nicht blos der Gemara oder Baraitha gegenüber, sondern gegen die Mischnah selbst, die den Grund des Namens selbst nicht mehr kannte, aber mit der vollsten Zuversicht ein den wirklichen Borfallenheiten gerade Entgegengesetztes angibt. Wir haben hier eine Sagenbildung aus Namen, deren Bedeutung man nicht mehr verstand, gerade wie ich sie noch bei andern im Glossare unter NDDn nachgewiesen habe; nur ist das schon in so alte Zeit hinaufreichende Mißverständniß hier um so merkwürdiger, da die wahre Geschichte vollkommen bekannt war, in Baraitha'S erzählt wirv und sie sogar zu einem Fasttage Veranlassung gab, und es muß hier wohl der von mir abgegebene Grund der abweichenden Sagcnbildung hinzukomincn, inan habe es unschicklich gefunden, daß ein Thor im Innern des Tempels den Namen eines Heiden und erbitterten Judenfeindes tragen solle. Also hier stimmt der Rec. bei und giebt damit den Grundsatz zu, den er sonst mit solcher Gehässigkeit angreift, daß Veranlassungen und Gründe vergessen und andere untergeschoben worden und eS uns wohl gestattet sei, durch Combinatton die richtigen Gründe zu erschließen und daher auch mannichfach abzuweichen; er stimmt hier bei, führt meine sämmtlichen Citate an, nur nicht die aus der;. G., nämlich zu Tba'anith 2, 8 (12 und zu Megillah 1, 3 (4), und auch diese Verschweigung wohl nicht ohne Absicht, wie wir bald sehen wer, den. Allein der Rec. findet auch, trotz seiner Zustimmung, Mehreres zu tadeln. Erstens, meint er, sei die Erklärung nicht neu, vielmehr habe bereits Iosippor o. 24 (d. h. IH. c. 22 ed. Breithaupt) und Iechiel in Seder Ha-Doroth unter lüp'J dieselbe angegeben. Ich danke dem Rec. für diesen Nachweis, jedenfalls ist die Anwendung auf unsere M. und die Erklärung, wieso dennoch die abweichende Sage entstanden ist, neu. Auch in einem einzelnen Umstande glaubt er abweichen zu müssen, ich sage nämlich: „Der Kampf mag in der Nahe dieses Thores entschieden worden sein, und das Thor erhielt von dieser Begebenheit Namen und Wichtigkeit." Nein, sagt der Rec., das Treffen istnicht in der Nähe dieses ThoreS entschieden worden, und der Name rührt davon her, weil man die abgehauenen Glieder an diesem Thore zur Schau aufgehängt hat. Allein, daß man an einem Tempelthore diese Glieder aufgehängt hat, ist durchaus aus der Luft gegriffen, man würde auch sonst in den Tempel eine rituale Unreinheit gebracht haben, indem selbst nach talmudischen Grundsätzen die Leiche eines Nichtjuden bloß nicht verunreinigt, sonst aber der eines Juden gleich ist. Die Bar. in der b. G. (Thaan. 18 d., nicht Megillah wie Rec. zwei Male schreibt) hat auch bloS nytSO, an den Thoren Jerusalems, nicht aber an einem Tempelthore, die Erzählung aber in j. Gemara, die ihr höheres Alter durch ihr ganzes Colorit zeigt, hat 113 gen Jerusalem, ebenso daS 1. B. der Makk. (7, 47) para ten Hierousalem bei Jerusalem, und selbst das ungenauere zweite (15, 33) katenanti tou oaou dem Tempel gegenüber, und endlich JoscpponlM.l "UJ, gegenüber dem Thore, also überall ist bloS die Rede von der Nähe deS Thores, und offenbar in der Nähe gerade dieses ThoreS, weil auch die Schlacht in der Richtung dorthin vorficl. Der Rec. ist demnach mit seiner emphatischen Kritelei wieder durchgefallen und hat wie gewöhnlich wiederum blos seinen unbesonnenen Eifer kund gethan. Wir werden ihm, sobald er weitergeht, auch unser ferneres Geleite nicht versagen. BreSlau, 30. November 1845. NS. Zur Ergänzung meines frühern Artikels habe ich zu bemerken, daß zwar rom in der M. auch vorkommt (vergl. Nedqrim 5, 5), jedoch in TV bv ."Oim ist 3im daS eigentliche Wort, (vergl. Megillah 3, 1.) Verlag der I. C. Hermann'fchen Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Fried. Krähe in Offenbach.