Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 7 (1846)
- Issue
- Heft 5 (1.2.1846)
- Date
- 1846-02-01
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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lich keilenüber p hw nun (Khelim5, 10), Vereine Räuberhöhle gewesen sein soll, die zugleich als Ofen benutzt worden ist", wieder eine Lüge! Ich sage: „der gefürchtete Mcuchelmörhcr Ben - Dinai scheine eine besondere Vorrichtung gehabt zu haben, wo er seine Schlachtopfcr verborgen, Höhlungen in der Erde, die auch als Ocfen benützt wurden und daher seinen Namen trugen, der Ree. macht daraus Räuberhöhlen! Welche Lächerlichkeiten ich in Bezug auf den Räuber Tcchinnah B. Parischah vorbringe, wird nicht gesagt, aber cs sind nun einmal, so will es der Ree., Lächerlichkeiten. Dann thue ich mir viel zu Gute auf die Etymologie des Wortes npQtfx, die doch schon Jost habe; wer die Stelle vergleicht, wird bald sehn, daß ich nichts Neues gefunden zu haben behaupte, sondern blos ausführe, daß M. und Gem. bereits das Wort mißverstanden haben, und darauf mußte der Rec. sein Augenmerk richten, mochte die wichtige Erklärung von Jost oder von mir hcrrührcn. So wäre ich denn wieder einmal mit dem widrigen Geschäfte zu Ende, das Gestrüppe dieser Rccension zu durchwandern und das wuchernde Unkraut auszujäten, und dennoch hat cs mir auch Freude gemacht; denn cs ist ein wohlthucndes Gefühl zu bemerken, wie die Gehässigkeit sich am Ende doch selbst nur lächerlich macht, die eigne Blöße dem gerechten Spotte prcisgiebt. Und angenehm war mir auch, manche Bemerkung neu zu begründen und weiter auszuführcn, und wem cs um die Wahrheit ernst ist, dem wird auch jede Gelegenheit willkommen sein, wo er zur Förderung derselben beitragen kann.! .□3 du D’pns 'n ’im nnts” Breslau 20. November 1845. Die religiöse Reform, besprochen in einer Predigt von Dr. Herzfeld. (Nordhauscn 1845 Schmidt'sche Buchhandlung.) Unter diesem Titel hat der Landrabbincr vr. Herzfeld in Braunschweig eine bei der Synagogen-Einweihung zu Nordhausen gehaltene Predigt veröffentlicht, die im hohen Grade unsere Aufmerksamkeit verdient. „Wovon ich — hebt er an — in dieser Stunde reden will, das ist noch ein dritter*) Bau, daß Israel das verfallene Gebäude seiner Religion wieder aufrichte. Bis auf Mendelssohn schlief das Judenthum eine Reihe *) Als den zweiten hatte der Redner den Bau des Menschen an sich selbst bezeichnet. von Jahrhunderten. Er erkannte, daß die äußere Lage der Juden angebahnt werden miisse durch Verbreitung nützlicher Kenntnisse und durch Annäherung derselben an die Völker, unter welchen sie lebten. Er übersetzte deshalb die Bücher Roscheh's und die Psalmen ins Deutsche, damit seine vaterländischen Glaubcnsbrüder Deutsch aus ihnen lernten. — Jakobson betrat dann weiter den Weg der Reform, indem er den Gottesdienst zu vereinfachen und zu veredeln begann, und durch Einführung der deutschen Predigt eine bessere Zukunft aufschloß. Jetzt kam die Periode der studirten Rabbinen; denn da man selbst gebildet war, so wollte man doch auch Geistliche haben, welche Bildung besäßen, deutsch predigten, den Christen Achtung abnöthigten u. s. w. Allmählig sah man ein, daß in dieser Weise (nämlich durch die halben Reformen im Gottesdienste) dem Judenthum bloß ein Leichenschmuck umgehängt, aber nicht die lebendige Kraft wiedererweckt werde, die in ihm schlummert rc. Ist es (ftagt der Redner) denn auch einzig und allein unser Gottesdienst, der noch immer im Argen liegt, oder ist nicht vielmehr das ganze jüdische Leben schwer krank? Wenn unsere späteren Religions - Schriften zehntausend kleine Satzungen vorschreiben, und nicht blos Leichtsinnige sie übertreten, sondern auch wahrhafte religiöse Gemüther, so viele derselben nicht mehr heilig finden können, weil sie auf irrthümlichen Auffassungen beruhen, weil sie zuweilen sogar heidnischen Ursprungs sind, weil sie oft das bessere Gefühl verletzen, soll gleichwohl solchen Satzungen immer noch ihre-Verbindlichkeit zucr kannt werden, und sollen religiöse Gemüther sie ferner üben? Ist ihre fortgesetzte Heiligerklärung nicht eine Lüge? Ist die Aufforderung sie dann noch zu üben, nicht die Aufforderung zur Heuchelei? Und ist die Uebung derselben dannnicht ein frevelhaftes Spielen Mit Gott dem Herrn? Also das ist das Volk G ottcs, das verpflichtet wäre, von Religionswegen, von Gottcswegen, dem Heiligsten was der Mensch hat, seiner religiösen Uebcrzeugung fortwährend zuwiderzuhandeln". — Mit einem solchen Freimuth spricht der würdige Verfasser. UAd jeder, dem die Wahrheit ein Heiliges ist, wird ihm darüber die vollste Hochachtung zollen. Uns aber war es ein fteudiges Geschäft, durch diesen kurzen Auszug auf die vortreffliche Predigt selbst aufmerksam gemacht und vielleicht dadurch beigetragen zu haben, daß dieselbe einen eben so großen Kreis wohlwollender Leser finde, als sie empfängliche und begeisterte Hörer gefunden hat. — Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. Druck von Fried. Krähe in Offenbach.