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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1846-01-18 · Heft 3 (18.1.1846) · page 12

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
7 (1846)
Issue
Heft 3 (18.1.1846)
Date
1846-01-18
Page
– (sequence 12)
Language
German
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19 auch der Witz jenes Rabbi bekannt wäre, „haben die Alten Recht und ich lebe neu. so komme ich in die Hölle, haben aber die Neuen Recht und ich lebe alt, so komme ich doch in den Himmel, ergo will ich jedenfalls alt leben", daß Sie uns denselben in anderer Form auftischen? Sie stellen die Frage auf: „Wie kommt es denn, wenn das Iudenthum keine übervernünftige Wahrheiten lehrt, daß selbst Israel nachdem es so oft an diese Lehren erinnert, zu ihrer Ein- Prägung einen wunderbaren Weg geführt wurde, dessen ungeachtet immer wieder in den Götzendienst zurückfiel?" Eine Frage, die mir auch Steinheim in seiner Kritik meiner Religionsphilosophie vorgehalten. Steinheim und Sie zeihe ich hiermit einer argen Unredlichkeit, freilich fällt diese Anklage noch schwerer Stcinheim als Ihnen zur Last. Steiuheim stellt diese Frage in einer Kritik meiner Religionsphilosophie und gibt fich die Miene, als sei durch dieselbe mein ganzes System über den Haufen geworfen, während doch dieses nichts ist, als die Beantwortung gerade dieser Frage. Sie beweisen durch Ihre ganze Abhandlung, daß Sie von mir nie etwas gelesen haben, als gerade meine Schrift ,)Ueber Reform", was Ihr Unrecht allerdings miü>ert, aber nicht aufbebt. Denn sobald Sie die Ansichten eines Autors öffentlich widerlegen wollen, müssen Sie dieselben in dem Sinne nehmen, in dem ver Autor sie gibt: Sie müssen also die Schriften des Autors kennen, oder Sic setzen fich der Gefahr aus, ihn nicht zu verstehen und daher auch nicht zu widerlegen. Wenn ich in meiner ReligivnSphilosophie die Quelle des Heidenthums, um mich Ihrer Worte zu bedienen, in dem „unbrzähmten Herzen" aufsuche, wenn ich dessen geschichtliche Entwicklung unv Auflösung verfolge, wenn ich dasselbe Heidemhum. dasselbe „unbezähmte Herz" bei den Juden Nachweise. ist da Ihre Frage nicht schon becmtwortet? Und wenn dieses damit noch nicht geschehen, nun so lesen Eie S. 617 den Die Offenbarung Gottes in Israel überschriebenen tz. 61 f. wo Ihre Frage lammt der Antwort mit deutlichen und klaren Worten enthalten ist. Sie sehen, daß Steinheim sehr unredlich zu Werke gehet, wenn er mir diese Frage an den Kopf wirft und Sie nur ein Nachbeter eines unredlich Fragenden sind, was Sie in meinen Augen entschuldigt, vor der Wissenschaft aber wahrlich nicht rechtfertiget. Sie finden die Frage, warum denn Gott den menschlichen Geist nicht so geschaffen habe, daß diese Offenbarung überflüssig geworden wäre, höchst drollig und doch hätten Sie aus meiner Religionsphilosophie S. 59 f. ersehen können, daß sie gar nicht so drollig ist. Wie wollen Sie dieselbe nach Ihren Voraussetzungen auch drollig finden? Sie sagen, der Mensch habe von Geburt aus nur ein Gottesbewußtsein, nur die Ahnung eines höher» Wesens erhalten; diese Ahnung führe aber nur zu Irrthümero, zu Polytheismus und Pantheismus. Erst die übernatürlichen Leh. ren der Offenbarung vermögen die Menschheit ihren natürlichen Irrchümern zu entreißen: und da sollte die Frage vrellig sein: Wenn Gott die Menschheit liebt, warum so spät sich ihr offenbaren? Warum hat er feine übernatürliche Offenbarung erst durch Moses der Welt werden lassen? Warum hier auch nur einem so kleinen Theil der Menschheit? Warum nicht früher und Allen fich offenbaren? Oder nehmen Sie eine noch frühere Offenbarung, etwa mit Schelling eine Uroffenbarung an? Aber davon weiß ja das klare und deutliche Sprüchwort nichts. Wohl sprach Gott mit Adam, er solle von einem gewissen Baume nicht essen, aber in welcher Verbindung stehet denn dieses göttliche Sprechen mit Ihren und Steinheims Offenbarung von übervernünftigen Wahrheiten? Wohl sprach er auch später zu Adam, zu Kain, Noach, Abraham, Jizchak und Jakob, doch ist hier immer nur von Speciellem, auf ihre Verhältnisse sich Beziehendem die Rede, oder von der Offenbarung zukünftiger geschichtlicher Begebenheiten, von Ihren und Steinheims übervernünstigen Wahrheiten nie und nimmermehr. Und die Frage sollte drollig sein, warum Gott so spät unv so wenigen Menschen diese übervernünstige Wahrheiten, die allein aus Polytheismus und Pantheismus retten, geoffenbart habe!.' Lieber Herr Dr. > Bor allen Dingen beantworten Sie diese Frage; beantworten Sie dieselbe von Ihrem Standpunkte aus — denn von dem meinigen ist sie in der angeführten Stelle beantwortet; ich habe sie nicht als meine, sondern als die Frage Anderer hingestellt — ehe Sie das Recht gewinnen, dieselbe drollig zu nennen. Nicht einmal das Christenthum war so naiv, diese Frage drollig zu nennen; denn in seiner Theorie von deb Erbsünde, und von der Gnade hat es einzig und allein mit dieser Frage zu thun und Sie glauben, durch bloßen Hohn und Spott, durch das leere Wort „drollig" der Beantwortung dieser Frage, die für Ihren Standpunkt eine harte unverdauliche Nuß bleibt und bleiben muß, überhoben zu sein! Nochmals beantworten Sie diese Frage; es wird dieses das beste Heilmittel sein. Sie von dem Nachbeten Steinheims zu befreien. Mich zu fragen, warum denn Gott dennoch — obgleich nämlich am Sinai auch nicht ein Wort verkündigt wird, das der Mensch nicht auch in fich finden könne — diese Worte verkündigt und gelehrt hat? hätten Sie fich ersparen können; denn S. 6 f. f. meiner Religionsph. befindet fich ein § überfchrieben „die Offenbarung am Sinai," welcher diese Frage eben beantwortet. Oder ist es vielleicht eine ungerechte und blos von der Eitelkeit dikttrte Zumuthung, daß ich von Ihnen fordere, Sie sollen, ehe Sie mir vorwerfen, das Einfachste übersehen zu haben, fich erst davon überzeugen, ob nicht meine Werke den Beweis liefern, daß auch ich den gewöhnlichen Menschenverstand noch nicht verloren habe? Hätten Sie, geehrter Herr Dr., fich indeß die Mühe gegeben , auch nur die Schrift, mit der fie so leicht fertig werden, austnerkfamer zu lesen, so würde Ihnen mein Urgiren des Wortes Offenbarung weder schwach noch verfehlt erschienen sein. Daß ich nicht die Offenbarung als solche, dieselbe im richtigen und schriftgemäßen Sinne verstanden, leugne, ist jedem Leser meiner Religionsphilosophie bekannt. Doch Sie, geehrtester Herr Dr. gehören nicht unter die Leser jener Schrift. Es ist ja viel leichter, einzelne Sätze aus einer Brochüre herauszureißen und an ihnen zum Helden zu werden, denn ein System zu studiren uud dieses aus sich heraus zu widerlegen, wodurch allein wahrhafter Gewinn für die Wissenschaft möglich ist. Was ich aber in der Schrift über Reform sage, gilt eben nur dem Steinheimfchen Offenbarungsglauben und diesem gegenüber bleibt das Urgiren des Wortes Offenbarung in feiner ganzen vernichtenden Kraft. (Schluß folgt.) Verlag der I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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