Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 9 (1848)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1848)
- Date
- 1848-01-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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s die den Menschen bestimmen, die Wahrheit hoch und heilig zu halten und Alles, was sie verdunkelt und entstellt, was den Durchbruch ihres Lichtes und die Ausströmung ihres Lebens stört und hindert, von ibr abzuwehrca. Je mebr also die Uebcrzcngung Raum gewinnen wird, daß die Faulniß nicht bis an den Kern des Zudcntbnms gedrungen, daß dieser gesund und unvcrscdn geblieben nnd mit einer gesunden Lcbensanschan-mg, einer kräftigen humanen Gesinnung Hand in Hand gehe, daß man ihn nur aus der erwürgenden Umarmung starr gewordener Formen zu befreien habe, um ihr mit dem mächtigen Flügelschlag der Zeit zu ibrenHöken sich hinaufschwingen zu sehen, je mehr wird das Judcntbnm seine erleuchteten Bekenner um sich sammeln, je inniger wird cs dieselben sich ihm anschließen seken. Die Genossenschaft für Reform im Judcmhume ist aber auch ein Verein, u m dem G r u u d s a tz der Glaubensun d G cwi sscn sfre ih e i t den Sieg erringen zu helfen. Auch dieses ist nicht schwer ein irrst'eu. Die Entfernung und Entfremdung, über die das Indembum in seinem Vcrbältniß zu einer so großen Zab-l seiner Bekenner in den letzten Iahrzebnren sich zu beklagen so häufig Ursache hatte, war, wie angedeurcr, ursprünglich eine inn ner liehe, hervorgegangen ans dein unseligen Widerspruch zwischen der auigeusmmenen bumancn Bildung und Gesittung von Scircn der Juden und der veralteten Form, in welcher das Indent hum bisher bestanden. Der Jndifferenkismns, war die erste böse Frucht jenes Heil- Losen Zwiespaltes. Selten nur konnte aus dieser Sr'nnesarr ein Religionswechsel hervorgebcn, wenn nicht ein äußerer Anlaß die Handhabe dazu bot. Wo dieser aber crmrak, da betrachtete man den Religionswechsel als die natürliche und zugleich unschuldige Beseitigung des in den Weg getretenen Hindernisses. Tie Genossenschaft für Reform im Indenthnm ist aber namentlich in Preußen, das erste Lebenszeichen einer wieder erwachenden Gesinnung auf dem jüdisch - religiösen Gebiete. Sie rcpraftnlirt einen Verein von Männern, die cs aussprechcn und ihren deutschen Gtanbensbrüdern zurufen: Wir wollen mit Bewußtsein zu dem Judentbum, als der Religion unserer Vater, uns bekennen; aber wir wollen es läutern und befreien von den es entstellenden, seinen Geist niederdrückcndcn Formen und es in geläuterter Gestalt als unsere Religion, unfern Söhnen überliefern! Wir wollen aber auch als Bekenner des Jndentbnms uns nicht länger die Wege freien, menschlich edlen Wirkens versperrt sehen, als Juden und als Söhne des deutschen Vaterlandes wollen wir unsere religiöse Aufgabe lösen. Und wenn mau uns zurückdrängt, nnd wenn mau uns zumnthek, wir sollen unser Bekemttniß treulos abschwören, oder, nur der Treue willen, auf unsere Theilnahme und Mitwirkung zur Förderung des Gesammtwohls verzichten, so müssen wir laut und offen über Verletzung unserer Glaubens- und Gewissensfreiheit uns 'beklagen. Die Genossenschaft für Reform im Indenthnm ist ferner ein Verein welcher auf die Förderung der Liebe und Duldung zwischen verschiedenen Eonfessionen cinwirkcn und daher mittelbar eine Annäbrung, wenn nicht zwischen I n d e n t h u in und C h r i st c n t h u m , so doch zwischen Inden und Christen anbabncn will. Jeder dieser beiden positiven Religionen ist das crclusive Element charakteristisch und eigenthürnlich. Dem Cbristenlhnm, ich rede hier vom starr orlhodoren, gilt das 'Allgemein-Menschliche nur unter der Ferm des christlichen Glaubens als ein Berechtigtes. Aber auch dasJirdenrbnm, ich meine hier gleichfalls das cnbedore und starre, erkennt das Allgemeine - Menschliche in seiner Berechtigung nicht an nnd vindicirt diese nur dem im Indenthnm gcbornen oder in dasselbe ein- und ansgegangenen Menschen. Daker kann reu einer freundlichen Annährung zwischen diesen beiden orihcdorcn Religionen, von einer Versöhnung der Conscssienen, wie sie der gemülhiiche Saalschutz träumte, nicht die Rede sein. Als P r i uz i p i c », als Theorie » stehen, mußten sie sich schroff gegcuübersieheu. 'Aber diese feindliche Stellung können auch nur die Prinzipien, die Theorien als solche gegen einander behaupten, nicht die Menschen, welche diesen Theorien anbaugen. So orthodor ein Christ oder ein Jude sein mag, immer wird es ibm nicht gelingen, auf die steile HöbedeS orrhodoren Prinzips sich hinaus zu schrauben, immer wird cc das allgcmein menschliche Gefühl, das trotz des orlhodoren Glaubens ihn beseelt, nicht ganz in sich zu unterdrücken vermögen. Tic Genossenschaft für Reform im Indenthnm indem sie auf ihrem eigenen Grund und Boden mit der jüdischen Lrthodorie als ihrer natürlichen Feindin, sich