Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 50 (14.12.1845)
- Date
- 1845-12-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntnis nnd Reform -es israelitischen Lebens. Redigirt und herausgegeben von »r. M Heß, Großherzogl. Weimar'schem Land - Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 5-^ 15^ oder 3^. Anzeigen für die gespaltene Zeile Nr. 50. Sonntag den 14. Deeember 1845. VI. Jahrgang. U e b e v b I i ä. Haupt - Artikel: Antwort auf das Sendschreiben des Herrn Dr. Herzfelv von Dr. Holdherm. — Geschichte des Tages: Aus Mittelfranken: Jüdische Verhältnisse in Baiern. — Luxemburg: Cultus-Reform in Luxemburg. — Meisenheim: Aufnahme eines Rabbiners in Meisenheim. — Aus Galizien: Galizische Zustände. — Dessau: Bewegungen in Dessau. Antwort auf das offene Sendschreiben des Hrn. ®r. Herzfeld. (Schluß.) Dieses talmudische Judenthum ist nun in seinem Verlaufe in der Gegenwart angelangt. Seine Formen, darüber sind wir alle, Hr. Frankel, in dem die verblendete Orthodoxie ihren Patron erblickt, nicht ausgenommen, einig, passen nicht für die gegenwärtigen Verhältnisse der Zeit, sie müssen also reformirt werden. Welches ist aber das Pn'ncip, welches unser Recht? Man antwortet darauf: das Zudenthum hat bisher auf dem positiven Grund und Boden, den es nie verlassen, seine Formen gewechselt, innerhalb derselben sich bewegt und verändert, um diesen bedrohten positiven Boden vor Gefahr zu schützen; das ist geschichtliche Thatsache. Also die Reform in einer Art und Weise, daß diese dem positiven Grundpn'ncip keinen Schaden bringe, vielmehr demselben, welches durch seine in die Zeit sich nicht schickende Form an Wirksamkeit verloren, einen neuen Zuwachs von Kraft zuführe, nennt man das Princip der positiv historischen Reform. Allein hat man auch untersucht, ob wir mit dem talmudischen und selbst biblisch-gesetzlichen Zudenthum auf einem und demselben positiven Boden stehen, ob wir ein gemeinschaftliches Lebensprincip haben, das wir durch einen neum Formenwechsel an Kraft und Lebendigkeit erstarken lassen wollen? Nennen wir dm talmudischen ParticularismuS den unfern? Halten auch wir uns für einen durch die leibliche Abstammung von allm Mmschen wesentlich unterschiedenen, höher verpflichteten, vorzüglich geheiligten Bolksstamm? Ich könnte die Fragen häufm, daß es selbst Hrn. Frankel schwer fallen sollte, sie alle bejahend zu beantworten. Aber Sie, mein Herr College und die zweite Rabbiner-Versammlung müssen sie mir entschiedm verneinen. Sind es etwa nur einzelne Formen, die unzeitgemäß gewordm und in die gegen-