Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 48 (30.11.1845)
- Date
- 1845-11-30
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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303 schäften und sonstigen Verhältnissen nicht verträgt, aber von ihrem Rabbinen die Beobachtung derselben verlangt, mag derselbe auch wie jeder andere wissenschaftlich gebildete Rabbiner, ja wie heutzutage jeder vernünftige Jude, längst über den Standpunkt des Talmuds hinaus sein. Wahrlich man müßte wenn es dergestalt unter uns aussahe, an allem Besserwerden, an jeder Erneuerung unserer durch äußeren und inneren Druck so tief verunstalteten Lehre verzweifeln, und was seit Mendelssohn von den Edelsten unter uns für die Reform geschehen, es wäre Alles nutzlos und hätte die Gesinnung unserer Brüder um kein Haar verändert und gehoben. — Aber gottlob! es ist nicht so 1 Nur auswärtige und geschickt angeknüpfte Bearbeitung unserer Gemeinde hat diese auf einen Augenblick irre gemacht; an Beunruhigung, oder gar Entfernung unseres Rabbiners, der eben so durch talmudische Gelehrsamkeit, als wissenschaftliche Bildung und Freimuth der Gesinnung hervorragt, hat aber Niemand ernstlich gedacht, und das Einzige was man mehr zur Beruhigung einiger (auch verhetzten) Landgemeinden that, bestand in der Einholung dreier rabbinischer Gutachten über jenes ungeheuere Verbrechen der Eisenbahnfahrt, von welchen zwei sich auch ganz vernünftig aussprachen und nur eines von einem Fanatiker nicht blos kalt, sondern so, als sei es ein Verdienst einen rationellen Rabbinen unschädlich zu machen. — Mich hat übrigens diese gehässige Angelegenheit, obgleich ich nicht im Mindesten einen Ausgang furchte, der die ganze deutsche Judenheit vor sich und ihren christlichen Mitbürgern blamiren wird, auf manche ernste Gedanken gebracht, und namentlich möchte ich derlei Dinge unseren redlich gesinnten Rabbinen empfehlen. Erstens, daß sie den unkundigen Laien die Blößen ves talmudischen Judenthums etwas mehr aufdecken; dann würden sie erfahren, wie gefährlich es von ihrer Seite sei, von ihren Rabbinen die strenge Handhabung des Talmuds zu fordern, da er dann auch verpflichtet wäre, ihn gegen sie, seine täglichen und stündlichen Uebertreter zu handhaben, sei er untauglich zur Ablegung eines Zeugnisses, eines Eides, ja als solche, gegen die die noch ärgere Verfolgung — wir scheuen uns das rechte Wort zu nennen — wenigstens kein Vergehen sei, zu erklären. Zweitens, daß sie den Ausbruch eines Schismas fördern und herbeiführen möchten, da dieses allein dem, was längst durch die That bei uns besteht , auch einen vollen Rechtsboden, einen idealen Grund geben kann, und endlich drittens, daß die nächste Rabbiner-Versammlung sich nicht bloß mit freimüthigen Aeußerungen begnügen, sondern auch in Erwägung ziehen möge, ob es nicht endlich an der Zeit sei, die Grenze des sogenannten öffentlichen Aergerniffes Seitens der Rabbinen etwas enger zu ziehen, und hingegen der Wahrheit, der größer« Uebereinstimmung zwischen der That und dem was in dem Bewußtsein denkender Theologen längst entschieden, mehr Geltung zu verschaffen. Literarische Anzeigen. Mit October d. I. beginnt der 2. Jahrgang der in London erscheinenden VI»« JewiSh Crouicle and working man’S * friends (New Series). Alle 14 Tage' erscheint eine ^Nummer (1 Bogen in gr. 4). Ertra-Blätter werden gratis geliefert. ' Wir haben den Debit für Deutschland übernommen, und gelten für Deutschland folgende Preise: für 12 Monate 4 Rthlr, für 6 Monate 27, Rthlr.', für 3Monate 17. Rthlr., zu welchem Preise jede Buchhandlung es liefert. — Der erste Jahrgang (von 28 Nr.) steht ä 4 Rthlr. auf Bestellung sogleich zu Dienst. — Probe-Blätter find an alle Buchhandlungen versandt Hamburg, October 1845. Herold'sche Buchhandlung. Ulm. Bet Heerbrandt L» Thämel erschien: Planck, Dr. K Chr. Die Genesis des Iudenthums. 77, Bogen gr. 8. geh. 48 kr. oder 15 Sgr. Literatur - Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Herausgegeben von Dr. M. Heß. Von Reujahr an erscheint unter Mitwirkung der namhaftesten jüdischen Theologen, als Geiger, Holbheinr, Herzfeld, Wechsler, Maier, Rebenstein, Auerbach, Herxheimer, Adler, Einhorn u. m. A., wöchentlich ein Literatur-Blatt zum Israeliten des 19. Jahrhunderts. Dasselbe soll ein Organ für die höhere Wissenschaft des Zudenthums bilden; es wird Recensionen, Abhandlungen und literar. Aphorismen enthalten, und sich dadurch auszeichnen, daß es das einzige gelehrte Organ sein wird, welches dem wirklichen Fortschritte huldigt und den Reformbestrebungen durch die Wissenschaft einen Anlehnungspunkt verschafft. Indem sich die meisten Mitglieder der Rabbiner-Versammlung als Mitarbeiter angeschlossen haben, wird ferner die Bedeutung des Blattes nur gehoben, und kann solches in so fern gewissermaßen als deren Organ angesehen werden. In Betteff der Preise ist Folgendes festgesetzt: das Literatur-Blatt, welches nicht ohne den Israeliten abgegeben wird, kostet mol. desselben 5 Thlr. oder 8 fl. 45 kr. jährlich; der Israelit allein, wie bisher 3 Thlr. oder 5 fl. 15 kr: jährlich. Verlag der I. E. Hermann'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.