Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 45 (9.11.1845)
- Date
- 1845-11-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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36S teresse in seinen Augen, weil und als sie wieder zur Gegenwart werden wird. Bei absolut und für immer vergangenen Dingen mag er sich nur insofern aufbalten, als das Verständniß der Schrift an sich ein Interesse darbietet; die erschöpfendsten Diskussionen dagegen betreffen solche Gegenstände, die praktischen Werth für die Zukunft haben. Als Zoma 5b die Frage aufgeworfen wird, wie Mose dem Ahron und dessen Söhne die Pn'estergewänder anlegte sL"3>n ts*d? wirb die Frage als ausschließlich die Vergangenheit betreffend, für müßig und leer erklärt und dahin verbessert: wie werden sie in der Zukunft, d. h. im Messiasreiche, angelegt werden isra? mn mm nn p'Pn isra 50:6 -mp (vergl. Chullin 17 a und Ascher Ben Zechiel das.)" Damit wollte ich Ihre Ansicht, daß der Talmud mit den in ihm aufgefundenen Aussprüchen: unb vnyb nta mso und cbca rm onyion to, selber die Vergänglichkeit des Ceremonialgesetzes decretirt oder geglaubt habe, widerlegen. Sie entgegnen mir hierauf: „Zuvörderst ist hier zu rügen, daß Sie anfangs den ganzen Talmud gegen mich zum Zeugen aufrufen, und dann zum Beweise nur zwei Citate geben." Hier hat Sie, mein hochgeehrter Herr Amtsbruder, cinMißverständniß irre geleitet. Nicht die zwei Citate sollen meine Behauptung, daß der ganze Talmud auf die Ansicht von der Ewigkeit des Ceremonialgesetzes und dessen vollständiger Erfüllung im Messiasreiche gebauet ist, beweisen, sondern in der Thal der ganze Talmud, der so ausführlich und so umständlich von Dingen handelt, die nur um ihrer Zukunft willen für ihn Werth und Bedeutung haben, und bei denen er sich nicht aufgehalten haben würde, wenn sie nicht, dem ihn beherrschenden Glauben zu Folge, wieder zur Gegenwart werden und praktische Anwendung erhallen sollten. Wenn ganze Tractate mit der größten Ausführlichkeit über Gegenstände verhandeln, die nach der Zerstörung des Tempels und Reiches keine Anwendung mehr batten, wenn Abhandlungen über Acker- und Landbaugesetze mit allen daran sich knüpfenden Einzelheiten, wenn Opfer-, Tempel-, Priester- und Reinigkeitsgesetze die Hälfte des Talmuds füllen, so können wir uns doch wahrlich nicht einbilden, daß sammrliche Mischnab- und Gemaralehrer wie weiland Herr Rapoport in Lemberg aus purer Liebhaberei antiquarische Studien ttieben, ohne gn eine ernste Anwendung im Leben zu denken. *) Das beste Zeugniß von dem den Talmud durchdringenden Glauben von der Ewigkeit des Ceremonialgesetzes und dessen completten Erfüllung im Messiasreiche sollen nicht einzelne Citate liefern, sondern eben der Talmud selbst. Auch habe ich dafür gar keine direkte Citate angeführt. **) .Daß aber der Talmud keine antiquarische Studien trieb, daß er nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft verliebt war, daß die Vergangenheit nur deshalb und nur insofern Interesse in seinen Augen hatte, weil und als sie wieder zur Gegenwart werden wird, daß er bei absolut und für immer vergangenen Dingen sich nur insofern aufhalten mochte, als das Verständniß der Schrift an sich ein Interesse darbietet, das sollten meine zwei Citate beweisen, welches sie auch vollständig thun. Die Citare, mit welchen Sie die talmudische Ansicht von der Vergänglichkeit des Ceremonialgesetzes beweisen wollen, stehen also nicht den m einigen, sonderndem ganzen Talmud gegenüber, oder wenigstens der ganzen Hälfte desselben, in welcher von lauter zukünftigen Dingen gehandelt wird, und wollten Sie meine Citate widerlegen, so müßten Sie denselben andere entgegenhalten, in welchen ausdrücklich gesagt ist, daß der Talmud bei der Feststellung der Halacha auch mit solchen Materien ernstlich und umständlich sich beschäftigt, welche nur für die Vergangenheit von Werth und Bedeutung sind, für die Zukunft aber gar kein Interesse darbietcn. *) S. die Schrift gegen Rapoport über Auflösbarkeit der Eide S. 41 ff. **) Die mir bekannten Stellen, in welchen der Talmud bei der Feststellung halachischer Bestimmungen auf die zukünftigen Verhältnisse in der messtanischen Zeit ausdrücklich Rücksicht nimmt, sind folgende: Beza 5 b DDX'l ttnpDH IV3 n»' mna 'd nPx vb '2 npnwa Taanith 17 b D"nn n»' mna o"o rrrayb 'lxnnpDP'jai, Kerltut 9 a: tsmsnp "ps mn pia -a pn, Der Stelle Jebamoth 79 ,d: rnnn> Mpa '-> 'O'3 -)'w '2 nans pbn mn: up^n 'n on1? no« d'jtu, scheint auch die Rücksicht auf die Zukunft zu Grunde zu liegen, was jedoch nach dem Ausdrucke der Tosephot das. S. 79, a: p^n Plans?' X/t? na*D zu bezweifeln ist, ob nicht bloß eine Erinnerung dadurch bezweckt werden soll. Wie stark übrigens der talmudische Glaube an baldige Wiederherstellung des Opferritus war und wie dieser Glaube bestimmend aufs Leben einwirkte, charakterisirt folgende Stelle Sabbath 12, d: Dpi2 by anal nom X“ip TOX ]PJ ma ra&vrh na»a n: 'nam 'nnp Xlv'^x p bxym'' 'IX ruD» nxon xax cnpcn* S. auch Mischna Rasch haschana 4, 2 und Gemara das. f. 30 a.