Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 42 (19.10.1845)
- Date
- 1845-10-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntniß und Reform des israelitischen Lebens. Redigirt und herausgegeben von Br. M Heß, Großherzogl. Weimar'schem Land-Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Zahrgang 15#tober3 Anzeigen für die gespaltene Zeile 6 Nr. 42* Sonntag den 19. Oktober 1845. VI. Jahrgang. Ueberblick. Haupt - Artikel: Ueber den Unterricht des Hebräischen i» den Schulen und hebräische Gebete. — Geschichte des Tages: Adresse an Frankel. (Schluß.) — Berlin: Der Gottesdienst der Berliner Reformgenossenschaft. — Hamburg: Hamburger Zustände. — Landau: Die pfälzischen Nabbinen. (Entgegnung.) — Breslau: Die Beschneivung; Kley's Schrift. — Von der polnischen Gränze: Zeitbewegungen. Ueber den Unterricht des Hebräischen in den Schulen und hebräische Gebete. In. der Diskussion über Beibehaltung der hebräischen Sprache in den Gebeten, die in der Rabbiner-Versammlung statt hatte, wurde dem treffenden und nicht zu widersprechenden Argumente gegen die hebräischen Gebete, daß nämlich diese Sprache nicht nur von dem ganzen weiblichen Geschlechte, sondern auch von dem größern Theile des jetzigen männlichen nicht verstanden werde, die Einwendung entgeg^nghsetzt, daß die Schulen durch einen bessern Unterricht in diesem Gegenstände diesem Mangel abhclfen könnten und müßten. Diejenigen, welche diese Forderung stellten, haben dadurch gezeigt, daß ihnen Erfahrung und Einsicht in das Wesen und die Erfordernisse des Jugendunterrichtes abgeht. Schon in den frühern Zeiten, wo nicht nur der Schulunterricht sich fast ausschließlich mit Bibel, Raschi, Schulchan Aruch und Talmud beschäftigte; wo man | zweimal des Tages hebräisch betete, Tischgebete und viele Segenssprüche in hebräischer Sprache hielt, am Sabbath die wöchentliche Parascha zn Hause nochmals las; wo man in täglichen oder wenigstens wöchentlichen Vereinen (nron) der Erklärung eines Abschnittes aus einem hebräischen Werke beiwohnte; wo die Kenntniß im Hebräischen Ehrentitel (-on) verschaffte, die witzige Anwendung und Deutung von Stellen aus hebräischen Werken (Wörtchen) die Würze der Unterhaltung ausmachte, und wo man selten einen gewöhnlichen Brief ohne Einmischung hebräischer Ausdrücke schrieb, blieb dennoch ein großer, wenn nicht der größte Theil der Masse, die frühzeitig zum Handel überging, unwissend (p«n oy), eine Thatsache, die Niemand bestreiten wird. Alle diese, die Kenntniß des Hebräischen so sehr befördernde Umstande und Antriebe sind verschwunden. Die Jugend wird weder zur täglichen Synagoge, noch zum häuslichen hebräischen Gebete ungehalten, da die Aeltern selbst sich davon dispensirt haben; alles auf hebräische Schrif-