Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 41 (12.10.1845)
- Date
- 1845-10-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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330 Pie Jüdische« Handwerksgesellen in Preußen. Aus Schlesien. Als ein Beispiel der hier herrschenden Toleranz verd ent angestihrt zu werden, daß kürzlich die Polizei einen jüdischen Handwerksburschen aus dem Großherzogthum Weimar über die Gränze wies, „weil ihm als Juden die nöthigen Requisite zum Wandern fehlten. Es war nämlich unglücklicherweise die Religion desselben mit „Jüdisch" von der Polizei in Pleß in das Wanderbuch bemerkt worden, und man wollte ihn daher zurückschicken, weil im Wanderbuche nicht angegeben war, daß im Großherzogthum Weimar Reciprocität gegen preußische jüdische Handwerker siattfinde; allein die wackern Gemeinde-Borsteher Muhr und Skutich in Pleß nahmen sich der Sache an und richteten eine Beschwerde an die höherr Behörde, welche in so energischer, freimüthiger und gesinnungskräftiger Sprache abgefaßt ist, daß ich mich nicht enthalten kann, Ihnen einiges daraus mitzutheilen. Vielleicht daß dadurch bei gleichen Vorkommnissen auch andere jüdische Vorstände zu solchem Auftreten bestimmt werden: Sie sagen darin u. A.r Seit Emanirung der Kabinetsordre, welche jene Reciprocität fordere, sei mehr als sechs Jahre verflossen, eine gewiß mehr als hinlängliche Zeit für die Polizei-Verwaltungen, um sichKenntniß zu verschaffen, wie cs dießfalls in den einzelnen Bundesstaaten gehalten werde. .Zumal man nicht verlangen dürfe, daß jeder ftemde jüdische Geselle wisse, was ein preußisches Gesetz Beschrankendes vorschreibe. Die eigenmächtigste Ergänzung eines ausländischen Passes, der an und für sich in Ordnung und in den Händen eines ehrlichen Mannes sei, erscheine aber als absolut willkürlich und als doppelt eigenmächtig. Der Inhaber des Wanderbuches sei, wie dasselbe ausweise, in dem seiner Intoleranz wegen verschrieenen Baiern und der ihrer tüchtigen Polizei wegen anerkannten Residenz Wien gewesen und Niemand habe eine Ergänzung des Signalements nöthig gefunden. Bis zum Rathscanzellisten in Pleß und diesem habe es nicht genügt, Blatt 23 zu bemerken: „Inhaber ein Jude." Nein, er habe diese Bemerkung ganz unberufen in ein gar nicht für seine Bemerkungen bestimmtes Blatt hineindrängeu müssen. Stehe aber wohl diesem Unterbeamtcn die Gesinnung der rohen Menge so fern, um nicht zu wissen, welchen Schaden er vem doppelten Fremdling hierdurch zugefügt, ja daß er dessen ganze Existenz gefährdet. Noch sei die große Masse nicht von der Liebe, der angeblichen Basis des christlichen Staates durchdrungen, noch immer müsse jeder einzelne Jude erst durch die Feuerprobe—mit der Wafferprobe geht es allerdings schneller — darthuu, daß er ein Mensch sei; er werde aber in d"n meisten Fällen gar nicht zu dieser Probe zugelassen, und der Handwerker, vem dieses Verdammungszeichen ausgeprägt sei, kann sicher sein, nirgends Arbeit zu finden, nirgends von den Gewerbsgenoffen unterstützt zu werden. Die Beschwerdeführer schließen ihre Eingabe mit der Versicherung, daß sie mit dem Gesagten Niemanden haben verletzen wollen, daß sie aber auch gern auf den Ruhm verzichten, über gewisse Dinge ohne Entrüstung sprechen zu können. So handeln die Unterbehörden bei uns, in einem Lande, dessen weiser Herrscher bei seinem Thron-Antritte zu den jüdischen Nettesten der Hauptstadt sagte: „Meine Herren! Glauben Sie ja nicht, daß ich ein Anhänger mittelalterlicher Vorurtheile sei." Das Nabbinat Durgpreppach. Aus Unterfranken. Das Nabbinat Burgpreppach ist erledigt. Adler ist in Aschaffenburg und eine neue Wahl für seinen früheren Distrikt bereits ausgeschrieben. Die beiden Prinzipien sind auch bei diesen im Kampfe, wir werden sehen, welches den Sieg erhält. - Am 29. d. M. ist die Wahl. Ueber das Resultat will ich Ihnen schreiben. — Fremde Juden iu London. London im Sept. Es halten sich jetzt hier unternehmende Juden aus Jerusalem auf, um Manufactur - Maschinen in das heilige Land einzuführen; auch sollen sie schon Maschienerien in Manchester aufgekauft haben. — Einige Glaubensgenossen aus Buchara, welche über Rußland, Frankreich und Deutschland vor einiger Zeit hier eingetroffen, ziehen die Aufmerksamkeit nicht nur ihrer Mitbekenner, sondern auch der christlichen Bevölkerung auf sich. Als Männer von guten Sitten und Erfahrung finden fie in höheren Kreisen Zutritt. Man glaubt nähere Nachrichten über das Schicksal der unglücklichen St. und R-, welche in jener Vaterlande den Tod gefunden, von ihnen zu erfahren. Interessante Mitthei. lungen machen sie über ihre Mitbrüder Mittelasiens. Was fie nach England geführt, ist mir nicht bekannt. — Aus Australien (Sydney) schreibt man, daß da die Söhne Israels auf eigne Faust es unternommen, manche nichtzeitgemäßc Gebete aus dem Cultus zu removiren, und einige andere Reformen einznführen. Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.