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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-08-17 · Heft 33 (17.8.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 33 (17.8.1845)
Date
1845-08-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
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272 scheint mir den hervorstebenden Karakrer der jüdischen Nation von tebcr zu sein. Ich bin stolz darauf, ich versichere Sie noch einmal, daß Sie für meine Gesinnung so viel Dankbarkeit, und mit meinen Gefühlen so viel Sympathie zeigen. Bin ganz Ihr re..." Stimme eines <Vt> e rsch l «fisch en Anden. (Schluß.) Da erbarmte sich Gort und schickte «ns den Mann mit dem goldncn Zauberfluß der Rede, den begeisterten Propheten in die sandige Dürre der Wüste: Geiger kam nach Breslau, und mit ihm ging auf das ragvcrkündende Dämmern für unsere Hauptstadt und ganze Provinz. Ja, mag die Verfolgungssucht den gif. Ligen Zahn des Neides tief in die Ehre und den Ruf dieses Mannes bohren, mag die krasse Unwissenheit und bodenlose Bornirthcit durch Frechheit und Arroganz an diesem Gotteshelden ihre Sporen sich verdienen wollen, mag immerhin die tölpelhafte Dummheit ihm Befähigung und Religiosität absprcchen: Die Ehre und Anerkennung , die ihm von den gelehrtesten Rabbinern unserer Zeit gezollt wird, die hohe Liebe des guten Theils seiner Gemeinde, die innige Verehrung aller Bessern in unserer Provinz, vor allem aber seine eigne Festigkeit und Sicherheit lassen ihn solche ohnmächtige Geschosse verachten oder belächeln. — Doch wehe, dreimal webe, daß wir an Geiger nicht denken können, ohne zugleich auch mit der tiefsten Verachtung, mit deiy Fluche auf de» Lippe» an die Rabbiner zu denken, die in Oberschlefien noch sehr zahlreich Hausen'. Wir hatten wohl, bevor Geiger nach Breslau kam, schon erkannt, daß sie nicht die Männer sind, die zum Heile Israels wirken können, sie, deren einzige Beschäftigung es ist, die paar hundert Thaler jährlichen Gehaltes zu verzehren, und zuweilen an einem schmutzigen Hemde eines schmutzigen Weibes Lagst, liche Untersuchungen anzustellea — aber ihre Unfähigkeit und Unwissenheit war der einzige Fleck der Entschuldigung. Als aber Geiger nach Breslau kam und diese Zwerge sich erstechtcn gegen den Riefen heranzuttcten, dieses Gezücht der Finsterniß mtt namenloser Kühnheit cs wagte Bannbullen auf ihn zu schleudxrn, seine Ehre als Jude und Bürger zu brandmarken, da mußte freilich Haß und Verrachtung an die Stelle des Bemitleidens treten., Menschen die der Bildung des Jahrhunderts so fern find, wie der Ost vom West, Menschen, die von den wissenschaftlichen Leistungen eines Mannes keine Ahnung haben, weil sie seine Schriften weder lesen noch verstehen können, diese Menschen wagen es den Mann zu verdammen und zu verketzern! — Tretet heraus, Ihr Rabbiner Oberschlesiens, ich fordere Euch aus im Namen Eurer Gemeinden, im Namen der ganzen Provinz, was habt Ihr gethan. während der vielen Jahre, die Ihr schon im warmen Pelz hintrem Ofen hockt und das schwer, erworbene Geld Eurer Brüder verzehrt, was habt Ihr gethan für Eure Gemeinden. Eure Brüder? Habt Ihr ihre Gemüther erwärmt durch ftomme religiöse Kanzelvorträge.? Habt Ihr Schulen errichtet, um die Jugend zeitgemäß heranzubilven? Habt Ihr selbst den Unterricht geleitet? Nein, das alles thatet Ihr nicht'.—im Gegeutheile, wo hie und da bei uns ein verständiger gebildeter Lehrer bemüht ist zeitgemäß die Jugend zu unterichten, da fallet Ihr mit fanatischer Wuth über ihn her, suchet ihn bei seiner Gemeinde anzuschwärzen, ihm Amt und Brod zu rauben! Viele unter Euch find noch jung an Jahren, kräftig und arbeitsfähig, warum suchen sie nicht das ihnen mangelnde Wissen, die ihnen fehlende Bildung durch fleißiges ernstes Studium zu erwerben? Warum zeigt Ihr nicht wenigstens guten Willen dadurch, daß Ihr dem bessern Geiste Eingang unter Euch gestattet? — O, ich fühl's, von Euch ist kein Heil mehr zu erwarten, Ihr seid für unsere schönen Hoffnungen gestorben! Geht, geht hin, werdet Schanker, Schächter over Handelsleute, was doch ursprünglich der Beruf des größten TheilS von Euch gewesen, denn nur dazu seid Ihr geboren. Wir aber, wir verzweifeln nicht, unser Muth ist nicht gebrochen, wir gönnen Euch die Verachtung der Mittvelt, die Nachwelt — t>ic erfährt von Euch nichts. — Lauten, jubelnden Dank aber rufen wir Geiger zu, denn er war es ja, der unfern Geist geweckt, unsre Sinne aus dem Taumel gerissen und den Muth uns eingehaucht hat, unsere Menschenwürde nicht einem Wahne aufzuopfern, ja sie zu retten aus den Händen jesuitischer Verführer. Unser Leben ist durch G. ein ganz anderes geworden. So wie er selbst der Erste war, der die jüdische Theologie als eine Wissenschaft auffaßte und sie wissenschaftlich behandelte, so brachte er zuerst auch unter uns, ich möchte sagen, ein wissenschaftlich reges Leben. Während wir früher keine Ahnung hatten von dem frischen und bewegten Leben unscrre entfernten Brüder, während wir früher nichts gewußt von all' den Erscheinungen im Gebiete der jüdischen Wissenschaft und Literatur, ist bei uns eine Regsamkeit und Theilnahme für alles jüdische Interesse wach geworden, so daß wir mit Leidenschaft, mit wahrem Heißhunger alles verschlingen, was nur irgend mit nnsenn kirchlichreligiösen Leben im Zusammenhänge steht. Wie viel wir durch diese Regsamkeit gewonnen, wie sehr wir durch dieses erwachte Bewußtsein an Reife und Mündigkeit gediehen, ist leicht zu ermessen, wenn auch unser äußeres Leben, unsere Synagoge noch immer dieselbe ist. Viele schlefische Jünglinge haben in Breslau sich um den großen Meister geschaart, um in seinem Geiste sich zu tüchtigen Theologen heranzubilven. Und so steht auch uns eine baldige Regeneration bevor. Bald weicht auch uns die Dämmerung und der wanne schöne Tag bricht an, dann rufen wir: wie ist das Reich Juda so schön! wie scheint ihm die Sonne so ftisch und warm, wie blinken seine Sterne so freundlich und hell! — Verlag der I. C. H c r m a n n' s ch c n Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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