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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-06-22 · Heft 25 (22.6.1845) · page 2

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 25 (22.6.1845)
Date
1845-06-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
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104 Gedanke» über -Le nächste Rabbiner - Versammlung zu Frankfurt a. M Offenes «Sendschreiben an meinen Freund und Collegen I)r. A. lieber 2t. Du triffst ganz mit meinen innersten Empfiudu:igen überein, wenn Du mit freudevollem Herzen den schönen Tagen entgegensiehst, welche uns dieses Jahr in der alten freien Reichsstadt Frankfurt zu unseren Beratdungen für das religiöse und moralische Wohl unserer Glaubensgenossen vereinen werden. Auch ich sehe ihnen mit Sehnsucht entgegen, jenen Tagen, welche außer ibrer höheren allgemeinen Bedeutsamkeit uns noch den besonderen Genuß gewähren, unsere Ansichten, Wünsche Hoffnungen mit gleichdenkenden und gleichfühlenden Collegen auszutauschen, ein Genuß, auf welchen der israelitische Geistliche weit mehr als der christliche Amtsbruder verzichten muß. Deßhatb schon glaube ich, daß \ vieles Jahr unsere Berathungen von nicht wenigen Col- I legen werden besucht werden, dann aber auch deßhalb, j wett das Interesse für die Rabbiner-Versammlungen sich nn Publikum sehr gesteigert hat, so daß bereits in Stänve-Kammern — wie ich aus sicherer Quelle weiß — von hochstehenden Personen auf dieselben lobend und erwartungsvoll hingewiesen wird, und jene boshaften Anfeindungen und närrischen Verketzerungen waren ja vorauszusehen und konnten, weil sie nicht unerwartet kamerz, keinen Mann von Charakter einschüchtern und seinen Entschluß, dieses Jahr zur Rabbiner-Versammlung nach Frankfurt zu reisen, erschüttern. — Unter den mancherlei Vorwürfen, welche uns gemacht wurden, ist aber gewiß keiner so auffallend, als der, welchen eine gewisse unsaubere Coterie in keiner andern Absicht zur Sprache brachte, als um dadurch auch die Gutgesinnten irre an uns zu machen, ich meine den: wer uns mit dem Rechte belehnt hätte; uns als Synode zu constituiren und Gesetze zu dictiren? als ob die Ansprache eines solchen Rechtes je in unseren Absichten und Plänen gelegen hätte! Berathen wollten wir uns, wie das gesunkene Religionsleben aufzurichten sei, wie die Anforderungen der Religion mit denen der Zeit ausgeglichen werden könnten, damit der leidige Indifferentismus nicht noch zum gänzlichen Abfalle vom Iudenthume führe, aber Gesetze zu erlassen, etwa über die Zulässigkeit und Unzulässigkeit zum Eide, zum Zeugnißablegen u. s. w., oder Bestimmungen aufzustellen, welche Leiche würdig und welche nicht würdig sei auf unfern Begräbnißplätzen beerdigt zu werden und dergleichen hierarchische Thätigkeiten, welche mit Niddui und Cherem begleitet werden, hätte jeder von uns mit Abscheu zurückgewiesen. — Wir sprechen unsere Ansichten über einige Neligionsformen aus und dazu sollten wir zuerst um eine Bevollmächtigung nachsuchen? dazu hätten wir nicht dasselbe Recht, welches einst der Schuhmacher Rabbi Zochanan und der Schmied Rabbi Isaak besaß? — Wahrscheinlich lieber A. bist Du auch jetzt schon mit Dir im Reinen, welch' eine Tendenz Du diesmal bei unseren Berathungen verfolgen wirst; ich meinestheils werde wie Cato auch dieses Jahr auf meine anfängliche Behauptung zurückkommen, daß wir vor Allem eines leitenden Prinzips bedürfen, von welchem aus unsere Diskussionen sich bewegen müssen. Denn wie ist es möglich, daß irgend eine Diskussion auf dem Gebiete der Religion zu einem festen Resultat führe, wenn die Gegner in zwei ganz verschiedenen Sphären sich bewegen?— Für B. hat der Meharit, der Joseph Ome; u. dergl., sanctionirte Autorität, für H. nur die heilige Schrift und selbst diese nur in ihren absolut wahren und nicht in ihren relativ wahren Lehren. Werden B. und H. jemals in ihren Diskussionen zu einem Resultate gelangen, ehe sie ihre anzuerkennende Autorität festgestellt und somit den Standpunkt bezeichnet haben, von welchem aus sie sich bewegen? Mir waren jene Scenen, welche in Braunschweig sich darboten, und welche nur das energische Eingreifen unseres wackeren Präsidenten vor ihrer Ausartung zu Skandalen schützte, nicht überraschend; denn eine Diskussion, welche nicht zuvor über ihre anzuexkennenden Prinzipien sich verständigte, kann nicht ruhig, kann nicht unverworren bleiben. — Du weißt es, daß ich in Braunschweig mit meiner Forderung: vor Allem ein Prinzip aufzustellen nicht durchgedrungen bin, ja daß ich sogar mißverstanden wurde, indem man mir die Ansicht unterschob, ich verlange die Aufstellung eines dogmatischen Glaubensbekenntnisses; ich, der abgesagte Feind aller Dogmatik mit Anathema-Ketten und Ercommunication-Folter! Nein, kein Glaubensbekenntniß, der Glaube ist ein Gnadengeschenk Gottes, ihn können wir uns nicht selbst geben, aber ein Ueberzeu

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