Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 21 (25.5.1845)
- Date
- 1845-05-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntniß und Reform des israelitischen Lebens. Redigier und herausgegebrn von ttr. M. Heß, Großher;ogl. Weimar'schem Land - Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 15^koder3^. Anzeigen für die gespaltene Zell c ti-r: Nr. SI Sonntag den LL. Mai L8-LL. VI. Jahrgang U e b e r b l L ck. Baupt-Arrikkl: Die neueste Reformbewegung.- Geschichte des Tages: Frankfurt a. M.: Die Briefe et 77. — Soest: Rabbiner Sutro. — Berlin: Die Reformbewegung; vr. Sachs. — Breslau: Die Resormdeweguug. - Entgegnung mehrerer Gemeindeglieder in Stettin. — Herren Fasset, Tiktin. — l)r. Munk. — Miscellen. — Die neueste Reformbewegung Es sind kaum zwei Jahre, da brach in jener freien Stadt am Main eine Bewegung hervor, die wir nur auf das Freudigste begrüßen konnten; denn sie zeugte von einem neu s^.v'achten Leben unter uns, von einem Ernste der Gesinnung, von einem Interesse für die Sache der Wahrheit und der Religion, von dem Streben, aus dem unwürdigen widerspruchsvollen, lügenhaften Zustande, in welchem man sich bis dahin befand, herauszukomnten. Ja ein solcher war es in der betrübendsten, den -wirklich Religiösen auf das Tiefste verletzenden Weise. Tausende unserer deutschen Glaubcnsbrüder hatten sich längst von dem zu einem Ungethüm gewordenen talmudischen Ritualgesetze losgesagt, waren in ihrem ganzen Denken, Fühlen und Leben etwas Anderes, etwas ganz Entgegengesetztes geworden, und wagten nicht, es sich zu gestehen, waren noch entfernt davon, dem, was längst vorhanden war, längst sich ins Leben eingebürgert hatte, einen Boden in der Idee, eine Wurzel in ihrem Geiste, ein heiliges Sein in ihrem Herzen und in ihrer Gesinnung zu geben. So standen sie da, geächtet von den Frommen und Altgläubigen, die in ihnen nur leichtsinnige Uebcrtreter des Gesetzes, 7 (wie sie sich ausdrückten) sahen; aber auch nicht gehoben durch sich selbst, da sie es nicht wagten, dem was sie thaten, oder vielmehr unterließen, den Charakter der Wahrheit, der religiösen Erkenntniß beizule gen. *) Was half es, daß erleuchtete Rabbinen in Wort *) Dieses trat besonders in der Stellung der Rabbinen uu: Religionslehrer hervor. Die Uebertretung selbst eines geringfügigen talmudischen Verbotes, zog diesen sowohl die Verdammung der Aufgeklärten, wie der Frommen, der „Neumodischen", wie der „Altmodischen" zu, wodurch die ersteren es deutlich genug ausi'prachen, daß, wenn sie auch, durch Verhältnisse genöthigt, Sünder wären, sie dieses von ihren Seelsorgern und Religionsvorstehern nicht dul den dürften.