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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-05-18 · Heft 20 (18.5.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 20 (18.5.1845)
Date
1845-05-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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160 die es bestünmt aussprach, daß ich aus dem Wege des allmäligen Fortschrittes, wie bisher fortfahren werde. Einem solchen redlichen Fortschritte habe ich stets gehuldigt, den reinen göttlichen Inhalt res Iudenthums in den Gemütbcrn zu befestigen, dadurch, daß er von den zeitlichen Schlacken gesondert werde, den religiösen Formen eine Gestalt zu geben, welche Leben und Gesinnung zu wecken geeignet ist, war und bin ich ernstlich bestrebt. Dafür zeugt meine bisherige Wirksamkeit, und ich darf auf sie, als auf eine Bürgschaft für mein ferneres Wirken Hinweisen. — Mir Bedauern ersehe ich freilich aus ihrer verehrlichen Zuschrift, daß meine Erklärung mißdeutet worden. Ich müßte fürchten, daß einer zweiten Erklärung dasselbe Schicksal widerfahre und eine Diskusion entstehe, die dem Zwiespalte der Gesinnungen eine verderbliche Nahrung gäbe. Der Rabbiner aber, welcher es mit der Gesammtgemeinde wohl meint, dem das religiöse Leben Aller am Herzen liegt, er wird innerhalb der schroffesten Gegensätze, welche gegenwärtig in Leben und Wissenschaft sich gellend machen, vermittelnd, belehrend, anregend aufireten, er wird über den Parteien sich zu erhalten bemüht sein, und je schwieriger dieß ihm in dem heftigen Drängen der Gegenwart ist, mit um so größerem Ernste muß er daran halten. Deßhalb halte ich es für angemessener, von einer weiteren öffentlichen Erklärung abzustehcn. Breslau, den 11. April 1845. Hochachtungsvoll verharrt Eines wohllöblichen Collegii ganz ergc.enster (gez.) Dr. Abraham Geiger, Rabbiner. Miscellen. Ein neu erschienener Ukas bestehlt allen Juden des russischen Reichs, ihre polnisch-jüdische Tracht ab- und Nationalttacht anzulegen. Bis zum Jahr 1850 ist noch die Wahl gelassen, entweder die Kleider umzutauschen, oder für die alte eine besondere Steuer zu enttichten. Wilna, Odessa und Berdptow haben sich sogleich dem Ukase unterzogen. Im Februarhcste seiner Zeitschrift spricht Herr Frankel seine Ansicht über Inhalt und Fassung jüdischer Predigten dahin aus: „Für den Juden, der nach der Lebhaftigkeit seines Geistes das Frappante liebt, und von früher an geistreiche Erklärungen gewöhnt ist, muß die Predigt manches Unbcfticvigende haben." Er empfiehlt zu einer solchen folgendes Rezept als probat: „Geistesfunken, überraschende Deutung, schlagende Entwickelung." Wörtchen herbei, polnische Iudenwitze; stellt die Bibelstellen auf den Kopf, laßt die Midraschim Purzelbäume machen. den Sohar Räder schlagen, ihr Prediger; fort, zum Tempel hinaus mit Religiosität und Moral, mit Geistes-Erhebung und Gemüthsstimmung, mit Wahrheit, Logik und Aesthetik! Welch frappante, geistesfunkelnde, überraschende, bedeutsame, schlagende Entwickelung — des Hrn. Frankel! Die zwei Herzfeldschen Predigten über die Lehre vom Messias werden, weil sie deutsch, offen, ehrlich und originell, in demselben Hefte dieser böhmisch-jüdischen Zeitschrift mit ungewöhnlicher Bosheit recensirt, und ironisch gefragt: „welcher jüdische Prediger oder Rabbiner ist noch s o intelligent, s o tolerant, daß der die Würde des Christenthums so angelegentlich predigte?" Die Frage ist leicht zu beantworten; ein solcher jüdischer Prediger und Rabbiner ist Herr Frankel in Dresden, der sich im vorjährigen Aprilheste seiner Zeitschrift so vernehmen läßt: „es hat das Iudenthum nicht vergeblich seine Kämpfe durch so viele Jahrhunderte durchgcmacht; es hat das Indenthum nicht vergeblich seine Ströme gegen Morgen und gegen Abend entsandt. mit seinem Lichte so vielen Völkern vorgeleuchtet, die noch heute, sich dessen bewußt oder unbewußt, in seinen Strahlen sich sonnen." Im diesjährigen Märzhefte der F r a n k e l schen Zeitschrift wundert sich Hr. R a p p o p o r t aus Lemberg, nun Rabbiner zu Prag, daß unser Blatt „der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts" benannt ist. Wir wußten zwar, daß diejenigen unserer Glaubensgenossen in Deutschland, deren Gesinnung zu repräsentiren uns zur Ehre und Freude gereicht, die in Polen und Böhmen an Gesittung und Bildung weit hinter sich gelassen haben; daß jedoch um mehr denn ein Jahrtausend, hatten wir nicht geglaubt. Hr. Rappoport, der nach Böhmen verpflanzte Pole, ist dieses zu beurtheilen fteilich besser im Stande. Bei Gelegenheit des Streites wegen Auflösbarkeit der Eide nach rabbinischem Rechte erinnert Hr. Rappoport, (Ebendas.. S. 97,) „daß es gewisse (?) römische Kaiser gegeben, die auch solche Delatoren, welche ihren Angebereien wirklich (!) wahre Fakta zu Grund legten, als schändliche Subjecte streng bestrafen ließen. Wie aber, wenn die Angebereien sich als falsch und verläumderisch erwiesen, dann wären und find solche Leute von der gegenwärtigen Zeit und der Nachwelt gerichtet." Was sagt der Amsterdamer Zebi Hirsche! dazu, dessen famoses Rundschreiben damit schließt: „aber auch vor die Regierungen sollen die Sachen kommen" :e. (Nr. 7 d. B. u. I.); was das Krakauer Beth-din, in dessen Butte gegen die Braunschweiger Rabbiner- Versammlnng (Nr. 11 d. B. u. I.) folgendes zu lesen ist: „Wir müssen uns nur wundern, daß die großen (?) und wahrhaften (?) Rabbiner in Deutschland nicht wie Helden (?) ihre Hüften gürten, um bei den hohen Regierungen zu erwirken, daß man jene Rabbiner so lange verstoße und verfolge, bis sie ihre Ketzerei gänzlich aufgegeben"; was die Firma Hamb u r g e r u n d C o m p a g n i e in Fürth? Berichtigung: In Nr. 19, Seite 152, Zeile 13 von unten, statt: wirft den Ausdruck feindlicher, lies: weist den Ausdruck freundlicher. Verlag der I. C. H e r m a n n' s ch e n Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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