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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-05-04 · Heft 18 (4.5.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 18 (4.5.1845)
Date
1845-05-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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144 gränzenlose Unbescheidenheit und kriechendste Schmeichelei -ei Kurzsichtigen sich einzuschmeicheln weiß, dahin verleiten, daß sie sich entschlossen, ihn erst als Loeal-Rabbiner in Nikolsburg und dann auch zum Landes-Rabbiner zu erheben! Dieses Machwerk mußte freilich, sobald als es an das Tageslicht kam, in sich selbst zerfallen , und Herr M. Nascher wurde nicht einmal zur Dcraschah zugelaffen; aber das Geräusch hatte doch die kleinere und wenig gebildete Gemeinde zu Ungarisch - Brov bethört und in die Falle gezogen. Sie ficht schon bereits ein, daß Herr Nascher durchaus unfähig ist, das Rabbinat in unser« bewegten Zeiten auszufüllrn; aber es ist nun zu spät. Es sollten aber unsere mährischen Gemeinden bei Besetzung der Rabbinate um so vorsichtiger zu Werke gehen, als zu unfern sonstigen Mißständcn noch der gekommen, daß den Rabbinen in kirchlichen und religiösen Dingen überhaupt unumschränkte Gewalt gegeben ist. Nur das schmeichlerische, abhängige, meist aber bettelhafte Wesen, in dem sie sich als B a ch u r i m auf den Z e s ch i b o t h Herumgetrieben haben, macht sie den Forderungen ihrer Gemeinden nachgiebig; aber hiebei zählen und wägen sic klüglich die verschiedenen Meinungen und -alten sich dann an dem größeren oder wichtigern Theile. Ein charakteristisches Beispiel gab der Rabbiner zu L e i p n i k, R. Salamon Quetsch, der als der größte Talmudist in Mähren anerkannt ist. Der'wichtigere Theil der Gemeinde wünschte nämlich, den Almemor von der Mitte an die heilige Lade hinauf gerückt zu sehen, und der streng orthodoxe Rabbiner, nachdem er alle Talmuve und Casuisten durchgestöbert hatte und keine Vorschrift dagegen finden konnte, erklärte, daß er nichts gegen die beregte Verrückung habe. Da die Gemeinde neulich einen C h a s a n angeftellt, der nun auch manches Chorartige singen wollte, verlangte der Rabbiner, dieses vorerst zu hören, um es mit aller casuistischen Aengstlichkeit zu untersuchen und zu erkennen, ob nicht etwas Galch ifch es darunter mitklinge. Dies war nicht der Fall, und er erlaubte die bestimmten Gesänge. Da lief aber ein Mann, Namens D. Cohn, in die Synagoge und zerriß sich die Kleider darüber, daß er diese Gottlosigkeit erlebt habe! Dieser Fanatiker ist der Vater eines der Vorsteher; dieser mußte sich nun auch gegen die Veränderungen erheben, und so kehrte wieder der alte Status zurück, obgleich hierin dem Rabbiner allein alle Gewalt zusteht. — Zch will nun hiermit meine heutige Correspondenz beschließen, um sie ein andermal wieder auszunehmen. Rabbiner /ü r st. Heidelberg, im April. — Es hat bei allen Wohlgesinnten die tiefste Indignation erregt, daß auch der Rabbiner Fürst hier seinen Namen unter das ungarisch-polnische Manifest gegen die Braunschweiger Rabbiner-Versammlung (S. Nr. 13 v. Bl.) gesetzt hat. Wenn das Rabbiner in starrorrhohoren Gemeinden thaten, so sind sie zu entschuldigen, wenn aber ein Mann, der das Seelsorgeramt in einer dem Fortschritt entschieden zugethanen Gemeinde bekleidet, tn dieser Weise auftritt und seine Pflegbefohlenen anklagt, verdächtigt, verketzert, so kann man nur die große Verblendung desselben und den kleinlichen Ehrgeiz in Gesellschaft alter D’jm zu prangen, beklagen. Der — jedenfalls unüberlegte Schritt unseres Rabbiners hat indeß das Gute, daß er das wahre Motiv seiner Handlungsweise gegen den geistig sehr begabten Studenten F r i e d l ä n d e r aus Brilon aufveckt. Es ist nämlich nun kem Zweifel mehr, daß nichts weiteres als die anerkennende Erwähnung ver Rabbiner-Versamnrluug in jener Predigt Friedländers unseren Rabbinen so dagegen eingenommen. Wenn aber das, warum versteckte er sich hinter den Vorwand, daß er keine Tendenzpredigten zulassen dürfe, u. s. w. statt sich frei unv offen darüber auszusprechen, daß er die Richtung der Braunschweiger Rabbiner-Versammlung nicht vertreten könne, und daher jene Stelle wcgwünsche. Es würde dann schwerlich zu jenem leidigen öffentlichen Streite gekommen sein, der schon wegen desjenigen, was der Herr Rabbiner darin über den braven seligen Rehfuß äußerte, ihm nicht zur Ehre gereicht. Aber so sind unsere talmudisch-gläubige Rabbinen. Zm Gefühl ihrer Schwäche scheuen sie jedes männliche Auftreten, jeden ernsten wissenschaftlichen Kampf. Darum sind sie auch nicht zur Braunschweiger Rabbiner-Versammlung gekommen und haben mit reu Waffen des Geffres und des reifen überzeugenden Glaubens ihre Gegner zu bekämpfen gesucht, sondern zogen cs vor, mit Bannbullen gegen sie anzurückcn und wie die alten Weiber zu klagen und jammern. Nun wir wollen sehen wie weit sie damit kommen! M i s e e l l e n. (D r u ck f e h l e r.) Am Fuße einer Mittheiluug aus Altona in rer Allgcm. Z. f. d. Z. Nro. 13, 1845, die einer gegründeten Beschwerde gegen den dortigen Rabbinen ungcgründete Ausfälle gegen andere Rabbinen, über welche dem Berichterstatter keinUrtyeil zusteht, beigefügt, findet sich Kuscht« statt Kusch da! Ein lobhudelnder Correspoudenz-Artikel aus Berlin über die H o rwitz-Sachö-Vcitsche neu begründete Talmud-Thora-Anstalt daselbst im „Orient," Nro. 14, 1845, ist unterzeichnet: Makar o s statt Maschoros. Ein gutcsBuch unv ein schlechtesVorwori. Wir haben hier im Auge das allgemeine deutsche Gebetbuch von Dessauer unv Krämer, (beide durch gute Zugendschristen bekannt,) welchem Hr. Rabbiner Grünbaum in Ansbach ein Vorwort geliefert. Er klagt darin , daß am Sabbath und den Festtagen mehr Zeit, als billig ist, mit „Allotrien" verschwendet werde, und versichert, die Verfasser seien w?it entfernt, durch dieses in deutscher Sprache verfaßtes Andachtsbuch auf den öffentlichen Gottesdienst influiren zu wollen. — Ber dem Hrn. Rabbiner muß die Liebe zur deutschen Muttersprache entweder sehr klein, oder die Neolo ge «furcht sehr groß sein, da er so gar ängstlich sich und die Verfasser gegen einen solchen Verdacht verwahren zu müssen Verlag der Z. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.

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