Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 17 (27.4.1845)
- Date
- 1845-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kemrtnifr und Reform des ifraelitifchen Lebens. Redigirt und herausgegeben von Di*. M. Heß, Großherzogl. Weimar'schem Land - Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 5 /> 15^4 oder3 */. Anzeigen für die gespaltene Zeile 6^- Nr. IV. Sonntag den &7. April 18-45. VI. Jahrgang. Ueberblick. Kaupr-Artiket: Reform-Bewegung in Berlin und in Breslau. — Geschichte des Tages: Berlin: Reform im Zudenthum. — Breslau: Reform im Zudenthum.— Frankfurt a. M.: Die Schrift von Misses. (Schluß.) — Breslau: Die Wahl Fassels. — Miscellen. — Literarische Anzeige. — Berichtigung. — Reform-Bewegung in Berlin und in Breslau. I. Die jüdischen Reformfreunde yt Berlin haben folgenden Aufruf veröffentlicht: An unsere deutschen Glaubensbrüder. Seitdem der politische Druck im deutschen Vaterlande von unfern Schultern genommen, und in uns der aufstrebende Geist sich seiner Fesseln entledigt, seitdem wir in Bildung und Sitte ganz in das Leben der Gegenwart eingetreten, hat die religiöse Befriedigung mehr und mehr aufgehört, welche der Trost und das Gli'kck unserer Voreltern gewesen ist. Unsere Religion hielt unveränderlich fest an den Formen rrnd Vorschriften, in denen sie uns seit Jahrhunderten vererbt worden; unsere Ueberzcugungcn und unsere Empfindungen aber, unsere innere Religion, der Glaube unseres Herzens, ist nicht mehr in Einklang mit dieser Gestaltung. Und wir stehen da in Zerrissenheit mit uns selbst, in Widerspruch des inner» Lebens, des Glaubens, mit dem äußern Leben, dem gegebenen Gesetz. Wobl kämpfen unsere Gelehrten und Lehrer auf dem Gebiete der Theologie für und gegen eine Ausgleichung dieses Widerspruches; aber wie lange schon! und des Kampfes Ende ist nicht abzufehn. Inzwischen aber hat das Leben bereits vorgegriffen der Wissenschaft, inzwischen bat sich die überwiegende Mehrheit der Gebildeten thatsächlich losgesagt von dem größten Tbeil unserer religiösen Vorschriften, und selbst in denen, die sie noch befolgen, ist es meist ein Thun ohne Glaube und obne Begeisterung geworden. Die Verwirrung ist groß. Nirgend Einheit, nirgend ein Halt, nirgend eine Grenze. Das alte rabbinische Iudentbum mir seiner festen Basis hat keine Basis mehr in uns. Vergeblich sind die Bemühungen derer, die es künstlich in sich oder sich in ibm zu erhalten suchen. Die erstarrte Lehre und