Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 16 (20.4.1845)
- Date
- 1845-04-20
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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«Lsmits*), diese tiefste Innerlichkeit deS Mischen Geistes, wo dieser so ganz Ln das göttliche Gesetz sich versenkte und alle Häkchen und Pünktchen desselben herausklaubte und ein so dichtes und undurchdringliches Gewebe daraus spann, zu der Zeit, wo die emseitige Aeußerlichkeit ihre höchste Spitze erreicht hatte, wo das israelirische Volk von ver Lehre seines einigen und heiligen Gottes abgefallen war und dem Götterdienfte und dem schnödesten Sinnengenuffe sich zugewendet hatte, und nmr diese Untreue mit dem Verluste seiner Selbstständigkeit und all dem Unglück, das sich daran knüpfte, büßte. Da ward fein Gewissen wach, da machte der Geist seine tiefste und innerste Natur wieder geltend, da klammerte er sich mit fast indischer Aengstlichkeit an das so schnöde verlassene Wort, da bildete sich der minutiöse, wortgläubige, buchstabenschaffende Rabbinismus, der, voll des Schmerzes über den Verlust der göttlichen Gnade und glühend von dem Verlangen, sie und die ehemalige Herrlichkeit wieder durch die treueste Uebung des Gesetzes zu erlangen, sich zu dem Gedanken einer Trennung des Politischen vom Religiöser» in diesem Gesetze natürlich nicht erheben konnte. Und je mehr nun der Druck von außen zunahm, je mehr dem Geiste jede edlere menschliche Thätigkeit verschlossen ward, desto mehr zog er sich in die einzige Werkstätte, welche ihm geblieben war (in dem An- und Ausbau des göttlichen Gesetzes), zurück und hämmerte und schmiedete da all die traurigen Jahrhundertelang, und brachte die coloffalen Werke des Talmuds, der Midraschim, der Poskim und des Schulchan Aruch hervor. Wie aber der Rabbinismus, als die Innerlichkeit des jüdischen Geistes, wenn auch als seine ertreme und einseitige gegen die frühe Aeußerlichkeit den Genuß und die Vergötterung der Sinne, ein Fortschritt war, so hat er in den langen Zeüeu der Barbarei dem Iudenthum gewiß auch in der heilsamsten Weise genutzt, indem er den Gemächern nicht nur Trost und Beruhigung, sondern auch Glaubensstärke und Glaubenseifer verlieh , mit welchem sie den blutigen Angriffen von außen widerstanden und sich die Krone *) S. hierüber den Aussatz in Nr. 45—48, Jahrgang n. dieser Blatter. des Märtyrerthums erwarben. Mag nun auch diese g t> schichtliche Würdigung des Rabbinismus noch Lückenhaftes haben, ja sich Manches dagegen anführen lassen, wie z. B. daß eine geläuterte sittlich-starke Religionsanschauung dem Gemüthe nicht weniger Kraft und eine jeder Versuchung widerstehende Begeisterung verliehen hätte, — immer dürften wir von unserm Verfasser, dem das, was die neueste Philosophie für das bessere Berständniß der Geschichte gethan, gewiß nicht unbekannt ist, erwarten, daß er prüfend und erwägend da auf sie eingegangen, wo er von dem Geiste derRabbinen und was wir von ihren Forschungen annehmen und was wir verwerfen solle«, spricht; hingegen können wir die Ausstellungen, welche ein Recenseut im Literaturblatte des Orients an der Sprache des Verfassers gemacht, nicht theilen. Es hat dieselbe allerdings nicht das Leichte, Gefällige, Einschmeichelnde, welches man von dem Prediger fordert; allein man darf nicht vergessen, daß jeder Geist sein eignes inneres Gesetz hat, das auch die Ausdrucksweise seiner Gedanken beherrscht, und in' wem die Gedanken sich so drängen, wie in unserm Verfasser, der kann die Worte nicht so gefügig aneinander kletten und sich weit ausdehnen und populär, in dem gewöhnlichen Sinne, schreiben. Den denkenden Leser — und für diese sind ja die Vorträge Holdheims geschrieben — wird dieses auch nicht stören, vielmehr wird derselbe gerade durch die Gedrängtheit der Diction und durch die geistige Strömung, die siebewältigt, sich gehoben fühlen. Wir scheiden diesmal mit der innigsten Hochachtung vom Verfasser. Mochten seine Vorträge recht viele Leser finden; möchten alle denkende Israeliten, zu welchen er spricht, ihn auch vernehmen und beherzigen. Möchte auf diese Weise zur Ehre unserer Zerr das sich erfüllen, was von dem glerchnamtgen Lehrer früherer Zeit gerühmt ward. — „I?*nss* tn " Es erging das Wort Samuels *) an das gesammre Israel, —denn —wnpa bwam, Samuel ist unter denen, die den Namen des Herrn anrufen in Lauterkeit und in Wahrheit. Literarisch So eben erschien bei uns: die erste Rabbiner-Versammlung ihre Gegner von Sirchenrath Dr. Maier. 8. dr. 6 08*. oder 27. kr. Stuttgart, Lm Februar 1845. Hallbergee'sche BerlagShaudlung. e Anzeigen. So eben wurde vom 3. Bande des errßtimtr'slHen M>ikelwerks Jesaja, Jirmeja und Jrcheskel versendet. Berlin. Lewent's Berlagshandlung. —8. *) Der Vorname des Verfassers. Verlag der I. C. Hermann'scheu Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.