Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 10 (9.3.1845)
- Date
- 1845-03-09
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntnis? und Reform des israelitischen Lebens. Redigirt und herausgegeben von Id»'. M. HeH, Großherzogl. Weimar'schem Land - Rabbinen zn Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 5 1ober 3 Anzeigen für vic gespaltene Zeile ö Nr. IO. Sonntag den 9. März 18-15. VI. Jahrgang. Ueberblick. Altes und neues Gebet.— Haupt-Artikel: Aphorismen über die Autorität des Talmuds. — Geschichte des Tages: Frankfurt a. M.: Philippsons Insinuationen; die Schrift des Äirchenraths Maier. — Breslau: Die Wahl eines zweiten Rabbiners; Petition um Emancipation der Juden. — Vom Main: Der Synagogenban in Frankfurt; Stein. — Berlin: Stern's Vorlesungen. — AuS Thüringen: D^e Braunschweiger Rabbiner-Versammlung. — Die Orthovoraster. (Schluß). Aphorismen über die Antoritat des Talmuds. Welche Autorität man auch dem Talmud beilegen will, eine göttliche kann er in keinem Falle ansvrechen. Auch nicht eine einzige Bestimmung des Talmuds, selbst die sogenannten mz^n nicht ausgenommen, kann von Gott selbst herrühren; denn eine schriftliche Offenbarung schließt eine gleichzeitige mündliche schlechthin aus. Mag man darüber streiten so lange man will, so giebt es doch nur einen vernünftigen Zweck der Offenbarung: das Heil der Menschen. Jede andere Vorstellung, und besonders die, welche in neuerer Zeit sich wieder geltend zu machen suchte, von einer Dienerschaft Gottes, daß nämlich Gott sich deswegen geoffenbart habe, damit die Menschen ihm auf die vorgeschriebene Weise dienen, würdigt Gott zu einem stolzen Tyrannen herab, der es sich zum Spiele gemacht, der Menschheit Lasten aufzulegen, blos um zu sehen, wie sie sich unter der Bürde, wie ein Wurm im Staube, winden und unter dem Joche seiner Borschrif- Mtes und neues Gebet. Von Ludwig Mihi. Ach, Gebete wild und schaurig Wie des Abgrunds wilde Wogen» Hallen wieder öd' und ttaurig In dem Chor der Synagogen. Ach, Gebete, die geschrieben Wilder Zorn und Glaubenseifer, Als die Welt sich aufgerieben Mit des Haffes Wuth und Geifer. Laßt uns die Gebete halten Für ein Denkmal finstrer Jahre, Neue fingen und die alten Legen in die Todesbahre.