Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 8 (23.2.1845)
- Date
- 1845-02-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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64 so ist der Vers, da dem Schicksale so Mancher, die einem besonderen Gegenstände ihr ganzes Nachdenken gewidmet, nicht entgangen; er hat nämlich auch dem seinigen viel zu viel Wichtigkeit beigelegt und meint alles Ernstes, daß von der Beseitigung der jüdischen Mundart die ganze Reformbewegung der Gegenwart, die er eine sociale nennt, abhänge. Das ist offenbar zu weit gegangen, wie eS auch nicht so specicller Mittel beim Unterrichte, die der Verfasser ebenfalls mit angiebt, bedarf, um jene Mundart bei dem Heranwachsenden Geschlechte zu verdrängen; sie wird, wie die Erfahrung zeigt, von selbst aufhören, sobald ein wirklich gebildetes Gefühl und ein acht patriotischer Sinn dem Herzen unserer Jugend eingeprägt wird. Rabbinlsche Vlumenlese von Leopold Dukes, Leipzig 1844. Der Verfasser, als Forscher des orientalischen Schriftthums hinlänglich bekannt, hat durch diese Schrift einen neuen, höchst schätzbaren Beitrag zur Culturgeschichte des menschlichen Geistes gegeben. Es enthält nämlich dieselbe eine Zusammenstellung der im Talmud zerstreuten Sprüchwörter, begleitet mit einer trefflichen Uebersetzung und Erklärung; in Sprüchwörtern spricht sich aber die religiös - sittliche Weltanschauung zur Zeit auf das Kernhastestc aus, und darum ist die Mittheilung der im Talmud enthaltenen um so interessanter, als sie uns den besten Einblick in die Anschauungsweise der damaligen Zeit gewähren, und zwar um so mehr, als wie der Verfasser sehr richtig bemerkt, der Talmud auch oft Gebrauch von den Volkssprüchwörtern macht, und uns auf diese Weise Reste der damaligen Volkskultur aufbewahrt, die ohne ihn schwerlich sich erhalten haben würden. Der eigentlichen Schrift ist eine Einleitung vorangeschickt, in welcher der Verfasser sich über Sprüchwörter, Sentenzen und Marimen im Allgemeinen, über die biblische, apokryphischen und talmudischen Sammlungen, sowie über die aus der maurisch-spanischen Periode verbreitet und dadurch den „ersten" und — wir dürfen wohl hinzufügen — glücklichen Versuch, diesen Zweig der jüdischen Literatur übersichtlich zu ordnen, liefert. Besonders lehrreich ist das Kapitel über das Verhältniß der Bibel zu den Talmudtsten, das höchst wichtige Andeutungen über die Art und Weise wie sich die letzteren zu den ersteren stellten, giebt. Die Schrift hat außer ihrem allgemeinen literär-historischen Interesse noch besonders ein praktisches für Rabbiner und Prediger, welche von den hier gebotenen talmudischen Sprüchen vielfältigen Gebrauch in ihren Vorträgen machen können. Der Verfasser verspricht uns, im Falle einer wohlwollenden Aufnahme dieser Sammlung, noch eine andere der talmudischen Fabeln, Erzählungen, Allegorien und Philisophimen. Möchte er — so wünschen wir auftichtig —jener sich zu erfreuen haben, damit u n s diese bald zu Theil wird. Literarische Anzeigen. Bei mir ist erschienen und in allen Buchhandlungen zu haben: Elk an, Leitfaden beim Unterricht in der Geschichte -er Israeliten von den frühesten Zeiten bis auf unsere Tage, nebst einem kurzen Abriß der Geographie Palästina's, für israelitische Schulen. 2. verbesserte und vermehrte Auflage. Preis 10 Sgr. Minden, 1845. F. Eßmann. Durch alle Buchhandlungen sind zu beziehen: Hecht, Handbüchlein für hebräische Leseschüler gr. 8. Br. — 2% Sgr. oder 8 kr. Dessen biblische Geschichte für Kinder von 6 bis 9 Jahren. 8. 2'/- Sgr. oder 9 kr. Dessen über Sabbath- und.Feiertagsschulen und deren Einrichtung, gr. 8. Vr. 27 kr. oder 77a Sgr. C. Müllersche Buchhandlung. Verlag der Z. C. Hermanu'schen Buchhandlung in Franffurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.