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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-02-16 · Heft 7 (16.2.1845) · page 8

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 7 (16.2.1845)
Date
1845-02-16
Page
– (sequence 8)
Language
German
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s« sogleich diese Nummer dem Rabbiner Fasse! in Proßnitz, und ersuchte ihn, daß er jene Mittheilungen, insoweit sie ihn (Frankel) betreffen, öffentlich berichtigen möchte. Aus der ablehnenden Antwort deS Rabb. Fasse! geht aber hervor, daß die Sache sich allerdings so verhalte, wie sie der mährische Correspondent angegeben hat. Da indessen der Schluß jener Correspondenz in No. 51 die Wirksamkeit des Rabb. Fasse!, wie es scheint, unpartheiisch, aber doch mit Schärfe und Strenge beurthcilt; so hofft der Rabb. Frankel, daß dieß Fasse! aufbringen und zu der gewünschten Berichtigtigung veranlassen werde. Wir glauben aber nicht, daß Fasse! von gleicher schwächlichen Empfindung sei, als unser R. Frankel, jedenfalls würde aber eine solche, aus gekränkter Eitelkeit hervorgegangene Berichtigung geringe Glaubwürdigkeit beanspruchen können. Was uns aber bei dieser Sache am meisten ausgefallen, ist die Arroganz, mit der unser Rabbiner in ferne Angelegenheiten unberufen sich einmischt, ohne wenigstens den Muth zu haben, dieß offen und ohne Schleichwege zu thun. Diese Arroganz wird nur von der überboten, die sich in seiner Zeitschrift breit macht, in der er sich als der bevollmächtigte Vertreter des jüdischen Volkes, das er gar nicht kennet, ansieht, ja man möchte fast sagen, in der er die Iudenheit wie Infusorien betrachtet, die in seinem Dintenfasse herumschwimmen. Und mit welcher ftommen Milde und sanften Ruhe sollte diese Zeitschrift nicht die Gläubigen einlullen und einschläfern! Aber welche Gereiztheit, welche eitle Vornehmthuerei und neidssche Absprecherei bezeichnen nicht alle ihre Seiten! Nur die Censur hält sie noch in gewissen Schranken, wie denn die Rezension der „Autonomie" des Hrn. Dr. Holdheim von solchen Invecttven gegen diesen ttefflichen Gelehrten angeküllt war, daß sie von der Censur zurückgewiesen wurde, und erst ganz überarbeitet werden mußte. Dieß Alles muß diejenigen am meisten indigniren, die den Mann näher und in seinen inneren Gesinnungen kennen, die da wissen, daß alle die „warme Gemüthlichkeit, Innerlichkeit und Gläubigkeit," so vielen Dampf und Dunst sie auch verbreiten, nicht einem heißen Gemüthe entströmt, sondern an einem fremden Feuer aufgewärmt find. Breslau im Febr. Es dürfte sich wohl nicht leicht eine andere Gemeinde finden, in der, wie in der unsrigen, neben der krassesten Stupidität und dem hartnäckigsten Formglauben eine so durchgcbildete gediegene Gesinnung und eine so andauernde höhere Bestrebsamkeit vorherrschten. Nachdem unsere Männer des Fortschritts beretts so viele Opfer zur Veredlung des Cultus gebracht haben, ist ihr thatkräfttger Wille zu immer neuen und größern bereit. So ist bereits der Plan zur Erbauung einer großartigen Synagoge gediehen, und sind schon bedeutende Summen für Actien bestimmt, so daß der Plan in Bälde vom Obervorsteher-Collegium zur weiteren Bestimmung und Ausführung wird ausgenommen werden können. — (I Berlin. Ich habe heute zu meiner früherenMittheilung, daß man damit umginge einige Reformen ins «eben zu rufen, noch hinzuzufügen, daß in dieser Beziehung von dem Rabbinats- Vorsteher, Herrn Oettinger eine gutachtliche Acusserung über die Art und Weise, sowie über die Grenzen der nothwenvigen Reforinen abgefordert wurde, daß dieser aber durchaus nicht geneigt ist, zu irgend welchen Abänderungen des Bestehenden im Gottesdienst seine Zustimmung zu geben. Was wird Hr. Dr. Sachs dieser Erklärung gegenüber thun? Er wird sich unterordnen müssen, vielleicht ohne große Selbstüberwindung. So etwas haben wir vorausgesehen , als wir gegen ein in d e r Art zusammengesetztes Rabbinat, ohne eine Autorität an der Spitze uns von vorn herein aussprachen. Wohin soll man kommen, wenn auf dieser Seite ein Schritt vorwärts , dagegen auf der andern zwei Schritte rückwärts gegangen wird! Heidelberg: Erwiederung des Rabbiners Fürst. (Forts.) „Ew. Wohlgeboren haben wider alle hodegetische Manier über meine Predigt in einem allgemeinen, unmotivirten schriftlichen Urtbeil den Stab gebrochen, statt in mündlicher Besprechung Einzelnes zu verbessern. Wollen Sie, nachdem letztere vor sich gegangen, das Halten dieser Pre, digt nicht verstatten, so werde ich dieselbe sammt Ihrem Urthcil durch den Druck der Oeffentlichkeit übergeben. Eine Predigt ohne Tendenz ist ein Unding, so wie ferner schon der Talmud durch Aufstellung der verschiedensten Arten vonEregese freie Entwickelung jedes beliebigen Tertes erlaubt. Friedländer. Heidelberg den 17. Juli 1844. Daß ich diesen Brief, den man doch nicht mit Nr. 35 der A. Z. d. I. ein Gesuch um Erläuterung nennen konnte, lediglich ad acta legte, läßt sich leicht denken. Nichts destowemger hielt Herr F. ohne mein Vorwissen jene Predigt außer dem gewöhnlichen Gottesdienste vor einen eigens dazu geladenen Versammlung in hiesiger Synagoge, und zwar mit Erlaubniß des Synagogenmitgliedcs Herrn Her; Car leb ach. (Der Vorsteher des Synagogenraths Herr Adolph Z im m e r n, welcher zu dieser Zeit gerade von hier abwesend war, äußerte sich später in meiner und Herrn Carlebach's Gegenwart sowohl, als in seinem Berichte an den Großh. Oberrath der Israeliten sehr mißbilligend gegen diese Erlaubniß von Seiten seines Collegen C.) Da nun die Erlaubniß zum Predigen nicht ohne Erlaubniß des Rabbiners gegeben werden kann, so wandte ich mich wegen F. an das Großh. Oberamt dahier, den Sachverhalt einfach vortragend, und mein Urtheil über die Predigt beigcbend. Zugleich wandte ich mich an den Grßh. Oberrath der Israeliten um Unterstützung meiner Beschwerde. Es hat nun das Großh. Oberamt folgende Zuschrift erlassen: Das Großherzoglichc Oberamt Heidelberg: Nr. 32, 368. Dem Großh. Bezirksrabbinate dahier wird auf sein Schreiben vom 22 d. M. erwiedert: Die Aufsicht über die Synagoge steht bekanntlich dem Großh. Dezirks-Rabbinate zu, dasselbe hat es daher in der Hand selbst zu überwachen, daß nur Individuen Vorträge darin halten, welche dasselbe hierzu zuläßt. Das angezeigte Benehmen des Synagogenraths Herz Carlebach wird nran näher untersuchen, und ihn zu dem Enve unverzüglich vorladen. Heidelberg, den 24. Juli 1844. (gez.) Vogel. (Schluß folgt.) Verlag ver I. C. Hermann'schen Buchhandlung in Franffurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in .Offenbach.

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