Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 6 (9.2.1845)
- Date
- 1845-02-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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48 der Predigt ist, eine religiöse Wahrheit aus dem Worte Gottes (Text) zu entwickeln. Ihre Arbeit hingegen ist eine fertige Volksrede, die nicht aus dem unterlegten Texte fließt, sondern mit diesem in losen Zusammenhang gesetzt jward. Jener Dibelvers hat augenscheinlich nicht dieselbe Bedeutung, welche Sic demselben unterlegen. Zudem ist drs Ganze zu aufregend, manche Ausdrücke zu wenig limitirt, so daß eine unrichtige Auffassung, wie namentlich bei dem oft gebrauchten Worte „Freiheit" bei vielen Zuhörern unvenneidlich ist. Ncberbauvt halte ich sogenannte Tenvcnzpredigtcn für nicht E n t g e angemessen. Zeits.agen, die sich in der Theorie noch nicht einmal durchgearbeitet haben, sollen nicht auf die Kanzel gebracht werden, am wenigsten von jüngern Männern, bei denen unmöglich eine richtige Auffassung solcher Fragen zu erwarten stehet. Ich bedauere daher, für diese Predigt Ihnen dicErlanbniß der öffentlicher Abhaltung in hiesiger Synagoge nicht erthcilen zu können." F. Heidelberg den 16. Juli 1844. Hierauf schickte mir Stud. F. folgenden Brief zu: (Forts, folgt.) g n « n g. Herr Oberrabbiner Frankel in Dresden hat fein giftiges Geschoß im neuesten (Januar) Hefte seiner Zeitschrift gegen uns selbst geschleudert. Es befindet sich derselbe seit seiner Wahl in Berlin in einem unglückseligen Jrrthum, in einer Apotheose Dseiner selbst, wie sie noch nicht vorgekommen. Er verwechselt die Verehrung, welche man dem tiefen schöpferischen Geiste bringen muß, mit der Verehrung seines Geistes, in welchem weder Tiefe noch Schöpfungskraft ist, der mit eitlem Selbstdüm kel vor den Riß der Zeit sich stellen wollte, aber keinen einzigen neuen Gedanken hatte, den er den Kranken bieten konnte, an welchem sie sich aufrichten sollten; Herr Frankel verwechselt die Achtung, welche man dem Gemüthe, jedem Gebrauche, in dem dieses sein Heiligendes und Beseligendes findet, schuldig ist, mit der Achtung vor seinem lieben Ich, in welchem, wie seine ganze Gemeinde weiß, nie eine Spur von Gemüthlichkeit gewesen. Herr Frankel verwechselt nämlich die Ehrfurcht, die man vor dem wirklichen Glauben haben muß, mit der Ehrfurcht vor seiner Person, in welcher, wie jeder Tieferblickende weiß, gar keine Gläubigkeit? ist. Daher sein Ingrimm gegen den »Israeliten» der es als seine traurige aber unabweisbare Pflicht ^betrachtete, Enttäuschung des so arg Verblendeten zu versuchen. Ein Weiteres haben wir auf die Insinuationen des Herrn Frankel nicht zu entgegnen; sie brandmarken sich durch sich selbst, und wer unser Blatt liest, weiß, daß sie aucb nicht durch eine Zeile desselben gerechtfertigt, werden. Uebrigens können diese Schmähungen des Herrn Frankel nicht auffallen, wenn man bedenkt, daß er in kaum milderer Weise die Braunschweiger Rabbiner-Versammlung bedacht hat, und daß seine Jnvectiven und Verdächtigungen des wackeren Holdheim so arg waren, daß, wie man uns schreibt, die Censur, die bei jüdischen Zeitschriften mit Recht so milde Censur, den Abdruck nicht eher gestattete, als bis Herr Frankel den ganzen betreffenden Aufsatz umarbeitete. Die Redaktion. Verlag der I. C. Herma nn'schen Buchhandlung in Frankfurt a. M. — Druck von Fried. Krähe in Offenbach.