Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 6 (1845)
- Issue
- Heft 4 (26.1.1845)
- Date
- 1845-01-26
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kerrntniß und Reform des israelitischen Lebens. Redigirt und herausgegeben Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimar'schem Land-Rabbinen zu Eisenach. Zu beziehen durch alle Postämter und Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 2/ 15^over3^. Anzeigen für diegespalreneZcücb^-. Nr. 4 Sonntag de« S« Januar 1*4.». vi. Jahrgang. Ueberblick. Haupt-Artikel: Der Talmud und die Perfectibilität des Mosaismns. — Geschichte des Tages: Aus Thüringen. Die Braunschweiger Rabbiner-Versammlung. —' Frankfurt a. M.: Freimaurerei.— Breslau: Neue Schritte der Rabbinisten.— Brief Mendelssohns an Homberg. — Krakau: Jüdische Zustände. — Heidelberg: Erwiederung des Rabbiners ürst. — Der Talmud und die Perfectibilität des Mosaismus vom Standpunkte der Reform beleuchtet von Theodor Bürger. Unter diesem Titel ist in dem fernen Ungarn (Pesth bei Kilian u. Comp.) ein Schriftchen erschienen, das unsere volle Aufmerksamkeit in Anspruch nahm, da es eine ganz neue Ansicht über das Verhältniß des Talmuds zum Mosaismus eröffnet und einer entschiedenen und thatkräftigen Reform auf die entschiedenste und kernfesteste Weise das Wort redet *). Es ist nämlich bekannt, daß der neue Rabbinismus den Talmud in einem andern Lichte, als die vorhergegangene Aufklärungsperiode betrachtete. Diese sah, wie die Eneyktopädisten in den Kirchenlehrern, in den Lehrern der Synagoge *) Der Name res talmubisch - gelehrten Verfassers: Theodor Bürger, ist wahrscheinlich fingirt. O! wann wird doch in Israel die Wahrheit eine offene, freie Stätte finden? herrschsüchtige, betrügliche Häupter, die sich durch ihre Satzungen eine blinde Herrschaft über das Volk aneignen und diesem selbst ein recht drückendes Joch auflegen wollten. Die neuere wissenschaftliche jüdische Theologie verwarf diese Ansicht als eine höchst flache und unhistorische, und sah vielmehr in dem Talmud eine Fortbildung des biblischen Iudenthums, eine Flüssigmachug des tobten Buchstabens, eine Beweglichkeit, eine Reformation desselben nach dem Bedürfniß und der Anschauung der damaligen Zeit. Es läßt sich erklären, daß diese Ansicht, welche Geiger und Creizenach zuerst entwickelten, bald allgemeine Zustimmung unter den neuen Rabbinen fand. Eine ertreme Ansicht — es liegt das in der Natur des menschlichen Geistes — hat stets in der Geschichte ihren schroffen Gegensatz hervorgerufen, und bei der der neueren Rabbinen mochte noch dazu kommen, daß diese in ihrem reformatorischen Streben sich gern, um ihm mehr Eingang zu verschaffen, an die! Geschichte anlehnen wollten, und daher vom Anfänge I an nicht unbefangen genug waren. — Dann muß man