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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-05 · Heft 1 (5.1.1845) · page 7

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 1 (5.1.1845)
Date
1845-01-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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auch vielleicht ein empfängliches Gemüth widmeten. Die Anwesenheit des, der HegelschenPhilosophie zugethanen Professor Werver überraschte diejenigen, denen das freundschaftliche Verhälrniß zwischen diesem und dem Prediger unbekannt ist, während solche, welche dasselbe kannten, sich diese Erscheinung zu erklären wußten. Genanntem Professor scheint es fast zur Genugthuung zu gereichen, daß er in seinem geistlichen Freund in Ansehung des Vortrags so einen guten Schüler ausgestellt hat. Hätte ich nicht gewußt, wer der Redner wäre, ich hätte die Betonung der Worte, den Bau der Perioden und die gestikulirende Begleitung der Rede als von Werder ausgehend aufgefaßt. Letzteren habe ich natürlich in mehr als einem Vortrag in den Hallen der Universität gehört. Der Umgang des Herrn vr. Sachs mit Professoren, überhaupt mit Gelehrten, sowie seine Bekanntschaften mit wissenschaftlichen Bestrebungen und Theorien konnte dem Kennerauge schon in dem einen Vortrage nicht entgehen. Erstaunt war ich, als ich im ersten Theile der Predigt die Bedingungen, auf denen die Theorie des Communismus beruht, vortragen hörte. Der Text war aus der Sedora genommen, und lautete: NX *po 'm crrox Sachs deutete mit früheren Rabbinen das tOD auf äußere und innere Güter. Ersteres nun detaillirte er, und wies mit beredten Worten nach, daß der Besitz ein unveräußerliches Gut für den Menschen wäre, daß der besitzlose Mensch seinen Zweck nicht erreichen könne, daß seine moralische und geistige Vervollkommnung für ihn unmöglich wäre u. s. w. Dies alle aber lehrt der Communismus, und leitet so aus dem Wesen der Menschen seine Pflichten ab, und aus den Pflichten seine Rechte. Der Prediger ging sogar so weit, daß er die sociale Gesellschaft als ein Requisit des Zudenthums erscheinen ließ, was allerdings die Socialiften auch schon vom Christenthum geltend gemacht haben. Ob der Prediger bei diesem, von ihm vorgetragenen Humanismus den eigentlichen Socialismus oder den ftanzösischen Cabetismus, oder endlich den Proutbonismus vor Augen gehabt, oder ob jener unmittelbar aus der reinen Quelle eines menschenfteundlichen Herzens geflossen, kann und wage ich nicht, zu sagen. Ich glaube, daß nur wenige anwesend waren, welche in sich diese Bemerkung gemacht, oder auch nur machen konnten, indem ihnen solche späteren Jahrhunderten angehörige Lehren noch zu fern liegen; allein dies ist kein Grund, sie Ihnen nicht mitzuthcilen. Groß ward ein. (Ober-Ungarn. Correspondenz.) Nachdem unsere großentheils gebildete und dem Besseren zustrebende Gemeinde mehrere Jahre ohne geistliches Oberhaupt war, berief sie endlich den Herrn Wahrmann aus Wischnitz in Gallizien, der auch bereits vor mehreren Wochen sein Amt angetreten 'hat. Wenn ich Ihnen nicht früher darüber berichtete, so geschah es nur deshalb, weil ich erst den Mann aus seinen Wirkungen kennen lernen wollte. Leider muß ich es von vorn herein gestehen, daß ich eine um so betrübendere und niederschlagendere Erfahrung gemacht, als meine Erwartung von dem Manne, der öffentlich Philosophie an der Pesther Universität studirt hat, eine sehr große war. Es gehört aber der Herr Wahrmann uiuer diejenigen kleinen Seelen, die nicht im Stande find, die Wissenschaft in ihrer inneren, ewigen Nothwendigkeit zu erkennen und demgemäß in sich aufzunehmen, und mit sich zu amalgamiren, sondern die sie nur als ein äußeres Convenienzmittel betrachten, mit dem man sich nur äußerlich zu umhängen brauche. Es ist das überhaupt ein leidiges Neberbleibsel aus der pilputischen Periode, daß die Talmudisten ewig nur an dasKönnen und Kennen denken, nie aber an das Handeln und Fühlen, an die Würde des Mannes und deren Ausprägung, den Charakter! So ist auch Herr Wahrmann ein Stockjude, wie er sich in Wischnitz auf dem Markte herumtreibt, er brüstet sich aber auch mit der Philosophie, die er nur zur Schau trägt, ohne daß er je von ihr innerlich berührt worden. Daß aber solche Leute weit mehr schaden, als jene, die in ihrer Unwissenheit von Jedem verlacht, unberücksichtigt bleiben, versteht sich von selbst. Dies ist der Totaleindruck, den Herr Wahrmann durch sein Benehmen während seines mehrwöchentlichen Hierseins auf mich und jeden Wohlgesinnten in unserer Gemeinde gemacht. Nächstens will ich Ihnen ine Details bringen. Von der Lahn. (Correspondenz.) Wenn unser Gottesdienst wirklich andächtige Empfindungen erregen soll, so möchte ich vielen Lehrern zurufen: Seid ihr besser, so wird es besser werden. Ich meine hiermit besonders die ungereimten Melodieen, welche auf Gebete übertragen werden. Sollte man es glauben? Ich kenne einen Lehrer, der an dem Festtage “VXDn nach dem bekannten Marsch aus Norma und ton by nach dem Liede „Frisch auf, Kammeraden!" zu fingen sich bemüht. Da waren mir doch die alten B’JiüJ lieber. Wer aber diese nicht mehr mag und selbst keinen Vorrath von zeitgemäßen Melodien besitzt, dem möchte ich besonders die Gesänge für den israelitischen Gottesdienst von Schlosser, welche in jeder Buchhandlung zu haben find, empfehlen.

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