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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts · 1845-01-05 · Heft 1 (5.1.1845) · page 1

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Journal
Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
Volume
6 (1845)
Issue
Heft 1 (5.1.1845)
Date
1845-01-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für die Kenntniß und Reform des israelitischen Lebens. Rcvigirt und hrrausgegebcn M. Heß, Großherzogl. Weimar'schem Lano-Rabbmen zu Eü'cnach. Zll beziehen vurch alle Postämter unv Buchhandlungen. Preis für den ganzen Jahrgang 5 f153C\ oder 3 . Anzeigen für eie gespöttene Zeile 6 OC's. Nr. 1. Sonntag den 5. Januar 1845. VI. Jahrgang. U e b e v b i i d. Haupt-Artikel: Was ist unsere Zeit und was thut ihr Noch? — Geschichte des Tages: Aus Thüringen: Ueber die Braunschwetger Rabbinen-Dersammlung. (Erster Brief). — Aus Baicrn: Rückschritte. — Bon der Moldau: Rappovort. — Berlin: dritte Predigt des vr. Sachs. — Aus Ungarn (Großwardein) Herr Wahrmann. — Bon der Lahn: Die profanen Melodien beim Gottesdienst. — Leinen. — WaS ift unsere Zeit und was thut ihrNoth? Das, lieber Leser! ist die ernste Frage, welche die wechselnde Zeit, welche das neue bürgerliche Iabr an uns alle richtet; dieses der Gedanke, welchen sie insbesondere den Organen der Zeit, welchen sie der journalistischen Presse, die das Beste und Segenreichste, was die Zeit gebiert, aufnimmt, und beflügelten Schrittes zu allen ihren Genossen trägt, zur Beberzigung anempsiehlt. Was ist unsere Zeit? Es könnte diese Frage uns zur Bitterkeit, zur Wehmuth stimmen; denn die Zeit, mit ernstem Blicke betrachtet, erscheint uns, erscheint den Gliedern der israelitischen Glaubensgenossenschaft, als eine Zeit der Zerrissenheit, des Widerspruchs, der Entzweiung, der Unzufriedenheit mit dem, was da bestehet, was von der friedlichen Vergangenheit uns überkommen. Diese Unzufriedenheit tritt auch bei den streng orthodoxen Richtungen hervor; so wie es ist, genügt keinem das Bestehende mehr, auch der Altgläubigste will z. B. den Gottesdienst anders, will ihn wenigstens in manchen Formen verändert, rcformirt; auch ein Samson Ravhael Hirsch erklärt sich gegen manchen Mißbrauch, will wenigstens die in Schuy genommenen Ceremonialsatzungen sittlich aufgcsaßt und gewürdigt wissen. Aber sollen wir darüber klagen? War es je anders in der Geschichte? Zeigt sich nicht gerade darin ihr höherer Geist,, ihre ewig sich verjüngende göttliche Kraft, daß, sobald die heilige Ahnung von etwas Besserem die Brust der Zeitgenossen erfüllte, das Frühere nicht mehr genügte, alö ein Aires, Abgelebtes ihnen erschien, das einem Jüngeren, Lebensvollern weichen müsse. Und eine solche Ahnung, lieber Leier! ist in uns Allen, und darum auch in Allen jener Kampf gegen das Bestehende, jene Unzufriedenheit mit ihm. ES spricht sich jene Ahnung, schon zum Gefühle zur Ueberzeugung gediehen, in Hirsch ans als die Noch-

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