Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 51 (22.12.1844)
- Date
- 1844-12-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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414 scheu Zustände fordernde, und daher sehr nützliche Aufgabe erblickte. Ls wurde zu diesem Behuft schon am Ende des Jahres 1643 au alle RaLbinate des Königreichs Circulare und Uebersschtslisten versendet, welche letztere von dem größten Thekle der verehrllchen Herren Rabbiaeu und Gemeinde-Vorstände sorgfältig ausgefüvt anher zurückliefen. — Die am Schluffe dieser Tabelle» augehängte Rekapitulation girbt das allgemeine Resultat, daß in Beuern, welches eine Gesammtzahl von 6l,000 Juden zHlt, .sich schon eine beträchtliche Anzahl Individuen den genannten Gewerbsarten widmet. — Wenn sich aber bei genauerer Prnstmg der Tabellen das Verhältniß der Lehrjungen zu den Meistern und Gesellen als gering ergiebt, so ist hiefiir in der Schwierigkeit der Ansäßigmachung und der durch das Gesetz ge- . ^ebenen Unstatthastigkeit der Niederlassung au Orten, wo nicht schon Israeliten wohnen, der Grund mit Wahrscheinlichkeit zu finden, uud ist auch die geringe Zahl der Meldungen damit in Zusammenhang zu bringen*). Addirt man übrigens die beiden Zahlen, so findet man, daß schon 6029 israelitische Individuen fich den erwähnten Erwerbs-Arten widmen, was — die Hälfte der israelitischen Bevölkerung als dem weiblichen Geschlechte angehörig abgezogen — abgesehen von der für das Kinder- und Greiscnalter abzuziehcnden Zahl, und die nicht unbedeutende Zahl derjenigen ungerechnet, welche sich gelehrten Fächern und der Kunst widmeten, ein Fünftel der männlichen Bevölkerung ausinacht, die sich, tem Sinne des Ediktes vom Jahre 1813 entsprechend, vom Handel ab, dem Handwerk und dem Feldbau zugeweudet haben. Außerdem betreiben die Israeliten auf dem - stachen Lande in den meisten Bezirken, den eingelaufenen Nebenbemerkungen zufolge, außer ihren Gewerben oder Handelsgeschäfte» häufig nebenbei noch Feldbau, sind aber in diesem Falle in der betreffenden Tabelle nicht zu den Ackerbauern gezählt. Erläuternd müssen wir noch darauf aufmerksam machen, daß im Regierungsbezirk Oberbaicrn außer in der Haupt- und uiesi" denzstadt München und ihrer nächsten Umgebung keine und im Reg.-Brzirk Ricderbaiern gar keine, im Reg.-Bezirk Oberpfalz und RegrnSburg nur in wenigen Orten Juden wohnen. Es steht sonach in diesen wie in den übrigen Bezirken die Anzahl der Handwerker und Ackerbauer ziemlich in gleichem Verhältnisse zur Zahl der Israeliten iu den resp. Bezirken. Von der mährischen Grenze. (Schluß von Nr. 50.) So zeigt sich Fasset allerdings als ein wackerer Nabbine, ja als der wackerste unter allen andero mährischen Rabbinen, und obgleich ihm eine höhere wissenschaftliche Bildung überhaupt adgeht »nd er sich zur liefern Erfassung des Judenthums nicht erheben kann, ob er gleich sogar den dickleibigen Schulchan Aruch immer mit sich herum schleppt und keinen Schritt von ihm sich entfernen mag; so ist er doch eifrig bestrebt, jede Verbesserung, die nur gegen das träge Herkommen, aber nicht gegen den Schulchan" Aruch selbst verstoßt, herbcizuführen. So hat er, nicht ohne Beschwerde, die wohlthätige und nachahmenswerthe Einrichtung *) Die starken Auswanderungen »ach Amerika seit einer Reihe vou Jahren mögen wohl hier auch in Anschlag zu bringen sein, besonders sind viele Familienväter mit ihren ganzen FaMilie« ausgewandert. getroffen, daß die Leichen vorerst in das dazu bestimmte TodtenhauS gebracht und daselbst zweimal 24 Stunden gehörig beobachtet werden, ehe man sie der Erde zur ewigen Ruhe übergebe, die aber soll sogleich von der Wegführung aus dem Hause, beginnen. Auch benutzt Hr. Fasse! jede Gelegenheit, um bei den Behörden für seine unglücklichen Brüder ein Wort zu sprechen. So hat er sich neulich gegen die Form des Judeneides sehrenergisch ausgesprochen; die Veranlassung dazu kam von Oben. Das königl. Appellationsgericht in Gallizien stellte nämlich bei der höchsten Justizbehörde in Wien das Bedenken hin, ob nicht vielleicht die in neuester Zeit abnehmende Heilighaltung des Eides von Seiten der Juden dem Umstande zuzuschreiben wäre, daß der ihnen zur Hand-Auflegung vorliegende Pentateuch'die Flüche auf drei Seiten enthält und daher nur eine Seite zur unmittelbaren Berührung bei der Handauflegung darbieten kann! Hiernach erging eine Anfrage an den Prediger Manheimer in Wien und an den Rabbinen Fasse!, inwiefern dem abzuhelfen wäre. ManhGmer machte sich, das Ding leicht, indem er darauf aufmerksam machte, daß man den Juden einen solchen Pentateuch vorlegen solle, der alle Flüche auf einer Seite enthalt. Fasset aber zeigte die wahre Quelle der geringern Heilighaltung des Eides, nämlich die Profanirung desselben von Seiten der Behörden, die ihn bei jeder Kleinigkeit anwenden, und das gespensterhafte Wesen, mit dem sie ihn umgeben, wodurch er, anstatt Ehrfurcht gebietend und tief ergreifend, nur lächerlich gemacht wird. Fassels Vorstellungen sollen Eindruck gemacht haben, und dir Veränderung des Judeneides wirklich nahe bevorstehen. Konnten wir nun den Hrn. Fasse! in seiner rabbinischen Wirksamkeit nur loben und mußten wir ihm da viel Geschick und Takt zuer- - kenne i, so können wir andererseits nicht umhin, seine literarische Unbeholfenheit und Unfähigkeit, mit der er sich an die Oeffentlichkeit drängt, ernstlich zu rügen. Er bringt uns nur Unverdauliches und Geschmackloses in allerwärts aufgegriffenen Scherben. Wie erbärmlich ist nicht sein Gutachten an das Obervorsteher-Collegium in Breslau, das er durchaus veröffentlichen zn müssen glaubte! Wie schlotternd und zerbröckelt sind seine ,gedruckten Predigten! Auch in seinem nnQ D*nn» wo er sich in seinem eigentlichen Elemente bewegt, quackt er so pilpulisch, daß die am Ufer Stehenden davon laufen müssen, upd jetzt beabsichtigt er den praktischen Thekl des Schulchan Aruch mit seinem eigenen Kommentar unter dem' Titel 'JTKD herauszugebcn, in dem der ganze Troß von Po'skim bis inclusive -yup niNCn cckS ewig nothwrndige logische Potenzen ausgestellt sind, die nur Hr. Fasse! durch sein pilpulischeS Gewebe zu verbinden strebt. Er befindet sich gegenwärtig in Breslau-, dem Ccntralpunkle der jüdischen Wischenschaft, wo er Pränumeranten sammeln will. Wir zweifeln nicht, daß er sich in Breslau einer freundlichen Aufnahme erfreue, und daß er, wen»,er mit der Abhaltung eines öffentlichen Vortrages beehrt worden und er eine moderne Deraschah, aber keine Predigt gehalten, in dieser Beziehung auch vielen Beifall errungen. Denn er hat ein eigenes Talent dazu, Talmud- und Midraschstellen auf gefällige und witzige Weise zu fymbolisiren und er wendet diese Symbolik nur an, um humanistischen Gesinnungen uud zeitgemäßen Bestrebungen leichtern Eingang zu verschaffen. Es werden daher auch die Gebildclern, die freilich dergleichen Symbolik nicht ansprechcn kann, doch mit Vergnügen sehen, wie Hr. Fasse! vorzüglich geeignet ist, die Talmudgläubigen dem Zcitgeiste näher zu bringen. Aber neugierig sind wir, zu wissen, was man da zu seiner abenteuerlichen Schrift sagen werde. — Er hat auch über den Frankfurter Reformverein — der, beiläufig gesagt, auch in Wien viele, wenn auch annoch stille Anhänger findet — ein Gutachten geschrieben, das gewiß den andem das Siegel aufdrückrn wird. Druck und Verlag von F. Schuster in Hersfeld.