Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 49 (8.12.1844)
- Date
- 1844-12-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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398 schwerlich mehr die Rede wird sein können, auf der andern Seite ist dadurch auch den Candidaten der nöthige Schutz verliehen. — Derartige Vorkommnisse lassen uns übrigens einen Blick in die -ierläudischeu Cultusverhältnisse thun, die trotz des Schutzes von Oben sich noch in einem argen Chaos befinden. Wie weit ist «uS hierin Würtemberg voran! Man sagt, daß die Gemeinden deS badischen Oberlandes eine diese Mißstände betreffende Petition den bald wieder zusammentretenden Landständen einreichen wolle», deren Wirkung die darin Angegriffenen durch eine Gegenschrift paralysiren wollen, aber schwerlich können. Facta loquuntur! Halle. (Corresp.) Es ist ein sehr erfreuliches Zeichen der Zeit, daß jüdische Staatsdiener, dem Judenthum doch mehr entrückt, sich nicht scheuen, ihre Religion offen und energisch in Schutz nehmen. So findet sich in der hier erscheinenden „Zeitschrift für volksthümliches Recht und nationale Gesetzgebung von G. Eberty" eine sehr interessante Recrnsion über die neue juristische Eacyclopädie des Prof. Arndts in München, von dem Do. zenten der Rechte, Hrn. vr. Friedländer in Heidelberg, deren Schluß wir hierherzustellen uns nicht versagen können: „Einverstanden", sagt der ehrenwerthe Recensent, „sind wir mit dem Verfasser über das Ziel der Jurisprudenz — Heranbildung tüchtiger Staatsbürger und braver Menschen. Allein das scheint uns auch zu genügen! „Ein guter Christ zu werden" soll aber auch der Jurist streben, wie der Verf. glaubt. Aber welch' ein Unterschied besteht denn zwischen einem guten Christen und guten Menschen? Und wenn einer besteht — soll daun auch der Jude als Ziel der Jurisprudenz sich gute Christlichkeit vorstccken? Doch darüber ein andres Mal mehr!" In einem der nächsten Hefte derselben Zeitschrift wird nemlich bald auch eine Besprechung der Eisenberg'schcn Schrift: „Staat und Religion" von demselben Rezensenten erscheinen, von welcher ich Ihnen dann auch einen Auszug mittheilen werde. Herr vr. Friedländer dozirt, wie wir vernehmen, in Heidelberg mit vielem Erfolg und erfreut sich mannigfacher Anerkennung. Bon der Lahn. (Corresp.) Lassen Sie sich erzählen, verehrter Herr Redakteur, was in dem benachbarten Orte Schwrinsberg sich zugetragen. Ein dortiger Jsralit, befand sich in einem Wirthshause in der Gesellschaft mehrerer christlicher jungen Leute, welche sich ihre Wurst gut schmecken ließen, „Isaak, wir wollen dich taufen, dann kannst du ungenirt unser Gast sein". Mit diesen Worten naheteu sich unsere lustigen Missionäre ihrem jüdischen Mitbürger, und vollzogen mit dem Wasser, welches eben herbei geholt war, den heiligen Akt der Taufe. Isaak, sich nunmehr berechtigt fühlend, Schweinefleisch zu essen, aß dieses mit großem Appetit und mit einem Selbstgefühl, als wollte er sagen: welch' ein freier und aufgeklärter Mensch bin ich auf einmal geworden! Die Sache ist bereits der Polizeibehörde angezekgt. Aus Unterfranken. (Corresp.) Die Wahl eines neuen Rabbinen hat in Aschaffenburg noch nicht stattgefunden und ist auch Hoffnung vorhanden, daß sie ganz unterbleiben werde. Im Verlage von F. E. C. Leuckart in Breslau erschien so eben die erste Abtheilung von Lehr- und Lesebuch Sprache der Milch nah. Von vr. Abraham Geiger, Rabbiner zu Breslau. Das Lehrbuch enthaltend. Das eng damit verbundene Lesebuch erscheint noch im Lause dieses Jahres. Wir glauben das Publikum auf dieses gediegene Werk um so mehr aufmerksam machen zu dürfen, da cö zuerft einen wichtigen Gegenstand behandelt und demnach für den Theologen wie für den Orientalisten eine sehr fühlbare Lücke auf eine Weise ausfüllt, wie cs von dem zur Genüge bekannten Herrn Verfasser zu erwarten ist. Der Preis für beide Theile ist sehr niedrig, und nur auf einen Thaler gestellt. Bestellungen hierauf nehmen alle Buchhandlungen des In- und Auslandes an. — Bei mir ist so eben erschienen und in allen guten Buch- und Musikalienhandlungen zu haben: Theoretisch-practische Clavier-ScJhule. Von Chr. Mug. Scheidler. 1s —3s Heft. (Groß Quer-Quart.) ä Thlr. Diese neue Clavierschule erscheint in höchstens 12 Heften (welche im Manuskript schon bis zum 8ten fertig sind); sie ist das aus längerem practischcn Wirken hervorgegangcne originelle und treffliche Werk eines theoretisch gebildeten Clavier-Virtuosen. Clavierlehrer, welche sie mit den bisherigen Schulen vergleichen, werden die Scheidler'sche vorzichen. Sie führt soweit wie die größer» Schulen, aber man ist zur Abnahme aller Hefte nicht verbunden. Da man die Hefte je nach Bedürfnis einzeln haben kann, ohne sich zur Annahme der ganzen Schule, welche aus höchstens 12 Heften bestehen wird, verbindlich zu machen, so dürfte um so zuverläßiger eine recht günstige Aufnahme und weite Verbreitung derselben zu erwarten stehn, als dadurch auch dem Unbemittelten deren Anschaffung möglich ist. Ich fordere die Herren Musiklchrer zur eignen Prüfung dieser Clavierschule dringend auf; sie können dieselbe in allen guten Buch- und Musikalienhandlungen zur Einsicht erhalten. Hersfcld, im November 1844. F. Schufte». Druck und Verlag von F.Schuster in Hersfeld.