Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 48 (1.12.1844)
- Date
- 1844-12-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts. Eine Wochenschrift für Lie Äenntnits und Urform des israelitischen Uebens. Redigirt und herausgegeben von Dr. M. Heß, Großherzogl. Weimarschem Land-Rabbinen in Eisenach. Nr.48. Sonntag, den 1. Deeember 1844. V. Jahrgang. Ueberblick. .Hauptartikel: Rabbinische Gutachten über die Bcschneidung. — Geschichte -es Tages: Dom Main: Der Engländer Willm. Simpson. Aus Baiern: das Treiben der Missionäre in Jerusalem; Anzahl der Juden auf der Erde; die Schrift von Liebrecht. AuS Unterfranken: Verhältniß der Rabbinen. — Anzeige. Rabbinische Gntachten über die Beschneidnng, gesammelt und herausgegeben 8. A. Trier, Rabbinen zu Frankfurt. Frankfurt a. M., den 16. Oktober 1844. Diesem Gutachten liegt die lalmubische Bibeldeutung und die Annahme einer Tradition im rabbinifchen Sinne zu Grunde*). Für den, welcher weiß, *) Um dem, mit dem Talmud Unbekannten einen Begriff von der Art und Weise zu geben, wie die Talmudisten die Schrift deuten, mögen hier einige Beispiele angeführt werden. In der Schrift heißt es: „Du sollst keine Ziege kochen in der Milch ihrer Mutter" (Maimonides in More Nebu. chim glaubt den Grund dieses Verbotes in einem damals götzendienstlichen Gebrauche zu finden). Nach der talmudischen Deutung wird darunter verstanden, daß man das Fleisch eines SäugethierS nicht nur in Milch nicht kochen, sondern auch nicht essen, und, wenn es geschehen, auf keine Weise benutzen dürfe; da nemlich von welcher Beschaffenheit diese Bibeldeutung und wie durchaus unbegründet diese angebliche Tradition ist, für den, der die Schrift mit einer wissenschaftlichen Kritik dieses Verbot in der Schrift dreimal vorkommt, so wolle sie dadurch andeuten, daß man es 1) nicht kochen, 2) nicht essen und 3) nicht benützen dürfe. Die Schrift hätte sich demnach dreimal falsch ausgedrückt, um jedesmal etwas anders zu sagen, als sie meint! — Unter den Worten: „ihr sollt nicht schwören nach eurem Herzen und euren Augen" (Num. 15, 39) d. h. wohl nicht der Sinnlichkeit nachhängen, wird dem Talmud zufolge verstanden, daß es verboten ist, sich Forschungen -inzugeben, die zum Unglauben führen könnten, wie über das Dasein GotteS re. Die Worte der Schrift: „ihr sollt kein Aas essen" (Deuteron. 14, 21), bedeuten nach der talmudischen Exegese: daß man das Fleisch eines nicht nach dem Ritus geschlachteten Thieres nicht essen dürfe (von diesem Ritus findet sich jedoch in der Bibel kein Wort); und mit den Worten: „Fleisch, daauf dem Felde zerrisse« worden, sollt ihr nicht essen" (Exod. 22,31), wolle die Schrift daS Fleisch derThiere verbieten, die eine solche Verletzung am Leibe haben, daß sie kein Jahr mehr leben können. (Dazu gehört, nach der talmudischen Vete-