Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Journal
- Der Israelit des neunzehnten Jahrhunderts
- Volume
- 5 (1844)
- Issue
- Heft 45 (10.11.1844)
- Date
- 1844-11-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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366 lassen, so wenig wir deshalb viel Aufheben daraus machen, wenn ein hochgestellter Mann sich herabläßt, mit einem Juden freundlich zu reden, oder daß die Beamten in ihren Gerichisstuben meistens keinen Unterschied machen zwischen Israeliten und Nichtisraelüen, ans der Wage deS Gerichtsurthcils nur der Gewichtsteiue des Rechtes, nicht auch der des Glaubens sich bedienen: so wenig läßt sich in Abrede stellen, daß Männer, die mit aufrichtiger, unverdrossener Menschenliebe das Loos und die Zustände ihrer israelitischen Mitmenschen in das Bereich ihrer Thätigkeit ziehen, nicht etwa bloß negativ ihre Toleranz an den Tag legen, sondern sich zur positiven Aufgabe machen, in ihrem Wirkungskreise die geistige und sittliche Hebung der Israeliten, sowie mittelbar die Verbesserung ihrer bürgerlichen Stellung zu fördern, und auch auf die menschenfreundlichste uneigennützigste Weise dieses Streben an den Tag legen, daß solche Männer Persönlichkeiten seien, die als Ausnahmen nicht nur Dank und Anerkennung bei den Bethciligten, sondern die allgemeine Achtung verdienen, und würdig seien, daß der «Israelit des 19. Jahrhunderts" ihre Namen achtungsvoll nenne, der Nachwelt ausbewahrend, ihnen ein ehrendes Denkmal setze. Eine solche Persönlichkeit haben wir uns in dem überhaupt um seinen Gerichtsbezirk so hochverdienten Hrn. Landrichter Jhl zu Wern eck zu erfreuen. Dieser würdige Beamte, von dessen rühmlicher Thätigkeit Sie schon in politischen Blättern werden gelesen haben und dessen auch die Allg. Zeit, des Judenthums, die israelitischen Annalen Meldüng thaten, der mit einer eisernen Strenge gerecht, mit einer ausgezeichneten Humanität mild und freundlich gegen feine Untergebenen ist, beweist seinen Edelmuth und seine Menschenfreundlichkeit auch in der nicht genug anzuerkennenden Fürsorge, deren sich die Israeliten seines Landgerichtsbezirkes zu erfreuen haben. Es handelt sich, wie gesagt, hier nicht um Freundlichkeit und Toleranz, sondern es ist hier rin eifriges humanes Streben, den geistigen Fortschritt bei denselben zu fördern, sie zu würdigen Bürgern heranzubilden und Gesittung und Characser so zu heben, daß die Vorwürfe von Außen von selbst gänzlich schwinden müssen. So lobens- und anerkennenswerth dieses Streben ist, so verdient aber noch gan; besonders die dankbarste Beherzigung, w i e derselbe dieses Ziel zu erreichen strebt. Denn eS kommt hierauf sehr viel an. Es scheint und behauptet mancher Mchtisraelite, es recht gut mit uns zu meinen, und eS mag vielleicht auch der Fall sein, aber die angewendeten Mittel sind so hart, auf der einen Seite die Schläge so erbarmungslos, daß per hinwiederum sanfte Händedruck nicht für ganz aufrichtig gehalten werden kann. Anders ist rö hier. Streng in Allem an dem Gesetze sich haltend kann er natürlich nichts ausheben, was uns drückt, die Lage nicht ändern, wie sie von dem Gesetze einmal sestgestellt ist; dagegen hat er innerhalb der gesetzlichen Schranken, durch freundliche Belehrung und teilnahmsvolle Milde in der Behandlung daö Zutrauen seiner israelitischen Untergebenen in der Art sich erworben, daß jeder derselben von seiner guten Absicht überzeugt mit vollem Vertrauen auf seine Worte hört und seine Vorschläge beachtet. Dieses Vertrauen benützend sucht er nun auch deren Schritte so zu lenken, daß einerseits im Innern Erstarkung an Geist und Herz, andererseits nach Außen eine ruhigere weniger gedrückte Stellung erzielt werde. Ich meine nemlich, daß er durch Weckung des Ehrgefühls zum selbstthätigen Fortschreiten anregend zugleich Anstalten und Einrichtungen veranlaßt, handhabt, schützt und fördert, welche die Lasten erleichtern, die geistigen und religiösen Bedürfnisse ohne drückende Opfer zu befriedigen möglich machen, abgesehen von dem Einflusse den sein Beispiel und Wirken auf die Eintracht der verschiedenen Consesftonen hat. (Schluß folgt.) (Von der Elbe.) Bei uns zu Lande freut man sich sehr mit dem, was Holdheim in Ihrer Zeitschrift über die Auflösbarkeit der Eide nach der Lehre der Nabbinen gesagt hat. ES ist dieses für das Judenthum ein wahrer rpi und hat auch, wenn er'durchgekämpst wird, die Spmpathieen der Massen für sich. Ist erst in die Mauern deS rabbinischen JudenthumS Bresche geschlossen, dann rbo Tm MTSp» "inW TU, °der, wenn Sie lieber wollen, nnstpD mV* Das von Peter Beer hinterlasscne Gebet- und ErbauungSbuch für gebildete Frauenzimmer mosaischer Religion, welches seine Tochter (im Verlage von Brande! u. Comp, in Wien) jetzt herausgegebcn, wird gewiß viele Leserinnen finden, da es sich eben sowohl durch gemüthliche Wärme, wie durch geistige Klarheit auszeichnet, welche erstere Eigenschaft man bei den übrigen Schriften des berühmten Verfassers nicht in dem erwünschten Grade antrifft. (Von der böhmischen Grenze.) In Marienbad ist es dieses Jahr unter den dort anwesenden jüdischen Kurgästen zur Constituirung eines Comites gekommen, welches die Errichtung und Unterhaltung von 2—3 Krankenzimmern während der Saison für ausschließlich arme jüdische Kurgäste, von denen gerade dieser Ort von Jahr zu Jahr mehr besucht wird, ins Leben zu rufen beschloß. Sr. Bischöfliche Gnaden, der Erbprälat von (Stift Tepel, dem Marienbad gehört, versprach huldreichst, dixft Anstalt aufs Kräftigste fördern zu wollen. Druck und Verlag von F. Tchuster in Hersfelh,